Berlin  Nach Fauxpas bei Markus Lanz: Was Grünen-Chefin Lang bei der Rente besser machen will

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 29.01.2024 11:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Grünen-Chefin Ricarda Lang sieht beim deutschen Rentensystem einigen Verbesserungsbedarf. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
Grünen-Chefin Ricarda Lang sieht beim deutschen Rentensystem einigen Verbesserungsbedarf. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
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Vor rund zwei Wochen hatte Ricarda Lang mit ihrer Wissenslücke zur durchschnittlichen Rente für einigen Unmut gesorgt. Jetzt äußerte sich die Grünen-Chefin zu ihrem Missgeschick und führte aus, wo sie beim deutschen Rentensystem Verbesserungsbedarf sieht.

Ricarda Lang hat auf ihre peinliche Wissenslücke reagiert. Am 16. Januar hatte Markus Lanz in seiner ZDF-Talkshow die Grünen-Chefin gefragt, wie hoch die durchschnittliche Rente in Deutschland ist. Nach mehrmaligem Nachhaken sagte die 30-Jährige schließlich: „Ich würde davon ausgehen, dass wir um die 2000 Euro rum liegen.“

Für ihre Fehleinschätzung erntete Lang viel Spott und Kritik. Denn der tatsächliche Betrag fällt deutlich geringer aus. Laut dem Rentenatlas der Deutschen Rentenversicherung (DRV) lag die durchschnittliche Brutto-Rente nach mindestens 35 Jahren im vergangenen Jahr bei 1550 Euro.

In einem Interview mit der „Berliner Morgenpost“ äußerte sich Lang nun zu ihrem Aussetzer. „Ich hatte die Zahl nicht parat, und natürlich ist das ärgerlich“, so die Grünen-Chefin. „Aber daraus ist eine Debatte über die Situation der Rentnerinnen und Rentner entstanden.“ Als Politikerin schaue sie, was sich aus solch einer Debatte machen lässt.

Viele Rentner in Deutschland kämen kaum über die Runden, „auch solche, die gar nicht schlecht verdient haben“, erklärte Lang. Dies liege unter anderem an den steigenden Pflegekosten. Um die Rentner dahingehend zu entlasten, plant die Grünen-Chefin Finanzierungskonzepte für die Pflege.

Darüber hinaus werde die Ampel-Koalition das „Rentenpaket II“ auf den Weg bringen. „Wir wollen ein Rentenniveau von mindestens 48 Prozent des Durchschnittseinkommens gesetzlich verankern und mit einem Generationenkapital eine neue Säule der Finanzierung einfügen“, führte Lang aus. Das „Rentenpaket II“ werde „auf jeden Fall in diesem Jahr“ kommen.

Weiterlesen: So schneidet das deutsche Rentensystem im internationalen Vergleich ab

Menschen, die länger arbeiten können und wollen, sollen laut Lang zudem mehr Anreize bekommen. Dazu zählten auch die kürzlich aufgehobenen Hinzuverdienstgrenzen. „Es braucht flexible Modelle, die zur neuen Lebenssituation passen“, so die Grünen-Chefin. „Viele Menschen können sich zum Beispiel vorstellen, noch ein paar Stunden in der Woche im eigenen Betrieb weiterzuarbeiten, Erfahrungen weiterzugeben – und haben so einen Zuverdienst zur Rente.“

Lang will sich außerdem dafür einsetzen, dass das Renteneintrittsalter in Deutschland gehalten wird. „Eine Erhöhung über 67 hinaus würde zu einer Rentenkürzung für Berufsgruppen wie beispielsweise Bauarbeiter führen, die körperlich hart arbeiten und deswegen häufiger in Frührente gehen“, so die 30-Jährige. „Deshalb haben wir im Koalitionsvertrag weitere Erhöhungen des Renteneintrittsalters ausgeschlossen.“

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