Hunderte Teilnehmer Gegen rechts und das Vergessen – Demos in Stadt und Kreis Leer
Am Wochenende gab es mehrere Demos in der Stadt und dem Kreis Leer. Menschen positionierten sich gegen rechts und das Vergessen.
Leer - 250, 400, 300 Menschen - In der Stadt und dem Kreis Leer gingen am Wochenende Hunderte gegen rechts auf die Straße. Am Sonnabend, 27. Januar 2024, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, kamen nach Schätzungen der Polizei rund 250 Menschen auf dem Denkmalplatz zusammen: Bei der Gedenk-Veranstaltung des SPD-Ortsvereins Leer hielten Politikerinnen und Politiker Reden, ebenso Ingo Lindemann vom 1. Sintiverein Ostfriesland und Wolfgang Kellner von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Auch Zeitzeuge Albrecht Weinberg war unter den Zuhörenden.
Das Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog wurde dabei gleich mehrmals erwähnt: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“ Die Rednerinnen und Redner fanden erinnernde, aber auch mahnende Worte. Nach der Kranzniederlegung gab es eine Schweigeminute für die Opfer des Nazi-Regimes.
Hunderte auch auf Insel Borkum
Unter dem Motto „Nie wieder ist jetzt“ wurden auch von Borkum am 79. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz Botschaften gesendet. Bei der Demo gegen Rechtsextremismus und für Demokratie waren unterschiedlichste Plakate zu sehen: „Kein Matjes für Nazis“, „Ich mag alle Farben außer Braun“, „Nazis hatten wir schon, war kacke!“, „Lieber solidarisch als solide arisch!“.
Geschätzt 300 bis 500 Teilnehmende hatten sich zu der rund 40-minütigen Veranstaltung für die Demokratie und gegen Rechtsextremismus – von der Borkumer SPD initiiert, von den anderen Parteien/Fraktionen der Insel sowie von Schulen und Ökumene unterstützt – versammelt.
Gegen den Rechtsruck
Die Reden, unter anderem von Tjark Tennie vom Queeren Netzwerk Emsland, wurden mit Beifall quittiert. „Es reicht nicht mehr, ‚Mehr zu sein‘. Für die Größe der Bedrohung ist ein Hashtag zu klein, diese Zeiten zu laut, für eine Mehrheit, die schweigt. Raus auf die Straßen, wer ist bereit?“, zitierte er einen Liedtext. Er hob hervor: „Nie wieder ist nicht jetzt, nie wieder ist immer.“
„Dass jetzt die Menschen in ganz Deutschland auf die Straße gehen, dass ihr zeigt, dass ihr dem Rechtsruck entgegentreten wollt, das ist fantastisch“, sagte Nico Klinkeborg vom Offenen Antifaschistischen Treffen Nordwest, das die Demo initiierte. Man freue sich auch über alle, die nach Papenburg, Emden oder Oldenburg gefahren seien. Nach mehreren Redebeiträgen zog sich der Demonstrationszug am Bahnhof vorbei, Richtung Rathausbrücke und durch die Altstadt zurück zum Denkmalplatz. Begleitet von der Polizei. „Die Veranstaltungen in Leer und auf Borkum blieben friedlich und ohne Zwischenfälle“, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag auf Nachfrage.