Osnabrück  Wie KI half, einen Mann vor dem Ertrinken zu retten – Schwimmbäder rüsten nach

Lorena Dreusicke, Finja Jaquet, Sebastian Stricker
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Von Lorena Dreusicke, Finja Jaquet, Sebastian Stricker
| 27.01.2024 19:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
KI-Kameras zeigen dem Bademeister hier an, dass sich ein regungsloser Badegast im Wasser befindet. Foto: dpa
KI-Kameras zeigen dem Bademeister hier an, dass sich ein regungsloser Badegast im Wasser befindet. Foto: dpa
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Seit wenigen Monaten überwacht eine Künstliche Intelligenz (KI) das 33-Meter-Becken in einem Osnabrücker Schwimmbad, um die Schwimmaufsicht zu unterstützen. Einmal griff sie bereits mit Erfolg ein. Auch in anderen Städten Deutschlands ist die Technik schon im Einsatz.

Wenn sich viele Badegäste im Wasser aufhalten, ist die Lage oft unübersichtlich: Manche planschen, andere tauchen, alles ist ständig in Bewegung. Für das Personal am Beckenrand eine Situation, die volle Konzentration erfordert. In mehreren Schwimmbädern in Deutschland unterstützen mittlerweile Kameras mit KI die Bademeister.

Mittels Datenübertragung auf eine Smartwatch werden Bademeister informiert, wenn zum Beispiel ein Becken überfüllt ist, sich ein Kind ohne Schwimmflügel vom Beckenrand entfernt oder ein Körper 20 Sekunden unter Wasser ist. Die Technik gilt mit einer Erkennungsrate von 95 Prozent als ziemlich zuverlässig.

In Osnabrück rettete die KI bereits wenige Wochen nach ihrer Installation einem Mann das Leben, teilte die Bäderbetriebsleitung am Dienstag mit.

In den Weihnachtsferien sei ein Mann beim Schwimmen plötzlich bewusstlos geworden. Die sechs unter der Decke angebrachten Kameras zeichneten dies auf – den Angaben nach datenschutzkonform, weil nur Umrisse, keine Gesichter registriert werden. Die KI erkannte auffällige Bewegungen des Badegastes und schickte ein Alarmsignal an spezielle Armbanduhren der Wasseraufsicht. Daraufhin konnte der Mann rechtzeitig aus dem Wasser gezogen und vor dem Ertrinken gerettet werden.

Erfunden wurde das kontinuierlich lernende KI-System von der israelischen Firma Lynxight. Die Anschaffungskosten liegen nach Angaben des Osnabrücker Bäderchefs im „niedrigen fünfstelligen Bereich“. Die jährlichen Betriebskosten seien vierstellig. Das KI-Rettungsalarm-System soll demnächst auch in einem weiteren Schwimmbad der Stadt eingesetzt werden. Die Personaldecke am Beckenrand bleibe zunächst gleich.

Ähnlich hatte sich die Bäderleitung Freudenstadt geäußert, wo das System seit vergangenem Sommer in Einsatz ist. Auch in Wiesbaden, Lippstadt, Karlsruhe, Köln und Düsseldorf unterstützen Kameras das Badpersonal. Im Lippstadter Schwimmbad war 2019 ein Kleinkind ertrunken. Nun kümmere sich die Wasseraufsicht um vier bis fünf Alarme pro Tag, sagte der Betriebsleiter dem „Westfälischen Anzeiger“. Dabei handele es sich jedoch oft nicht um einen echten Notfall, sondern um tauchende Kinder.

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