Hamburg/Berlin  Wenn der Antisemitismus in der Schule vom Lehrer ausgeht

Stefanie Witte, Dirk Fisser
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Von Stefanie Witte, Dirk Fisser
| 27.01.2024 01:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Muss die Lehrerausbildung reformiert werden? Felix Klein, Antisemitismus-Beauftragter der Bundesregierung, fordert genau das angesichts offen gezeigtem Juden-Hass an manchen Schulen. Foto: dpa
Muss die Lehrerausbildung reformiert werden? Felix Klein, Antisemitismus-Beauftragter der Bundesregierung, fordert genau das angesichts offen gezeigtem Juden-Hass an manchen Schulen. Foto: dpa
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Nach dem Angriff der Hamas auf Israel häuften sich auch an deutschen Schulen Meldungen über Antisemitismus und Juden-Hass. Aus den Reihen der Bundesregierung kommt jetzt der Hinweis, dass der Antisemitismus manchmal auch von Lehrern ausgeht – und Ruf nach Gegenmaßnahmen.

Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung, fordert eine Reform der Lehrerausbildung in Deutschland: Antisemitismus und der Nahost-Konflikt müssten fester Bestandteil werden, so Klein im Gespräch mit unserer Redaktion. Er sagte: „Wir müssen die Lehrer vorbereiten im Umgang mit Antisemitismus und mit dem Nahost-Konflikt. Das Lehramtsstudium sollte nur abgeschlossen werden, wenn genug Veranstaltungen zu dem Thema besucht worden sind.”

Zwar gebe es eine entsprechende Vereinbarung zwischen Bund, Ländern und dem Zentralrat der Juden, diese müsse allerdings auch umgesetzt werden. „Ich appelliere an alle Bundesländer, diese Empfehlung umzusetzen. Es muss für alle Lehramtsanwärter verpflichtend sein”, sagte Klein.

Dabei seien es manchmal auch die Pädagogen selbst, die Antisemitismus verbreiteten. Klein betonte: „Antisemitismus im Schulbetrieb geht nicht nur von Schülern, sondern auch von Lehrern aus, insbesondere wenn es um Israel geht.” Aus solchen Fällen müssten Schulleitungen und Behörden Konsequenzen ziehen, sagte Klein. „Das hat nichts damit zu tun, dass man die israelische Politik nicht kritisieren dürfte, die völkerrechtswidrige Siedlungspolitik oder einzelne Aktionen der israelischen Armee. Aber es geht nicht, dass antisemitische Narrative von den Lehrkräften entweder selber verbreitet oder nicht als solche erkannt und daher nicht sanktioniert werden.”

Stefan Düll, Präsident des Lehrerverbandes, sagte unserer Redaktion: „Lehrer müssen in der Lage sein, den Diskurs zum Thema Antisemitismus und Nahost-Konflikt in ihren Klassen zu führen.“ Grundsätzlich klinge Kleins Forderung zur Lehrerausbildung erst einmal gut, so Düll. „Allerdings geht die Tendenz in den Bundesländern derzeit in eine andere Richtung: Die Lehrerausbildung wird bundesweit inhaltlich und zeitlich eher verkürzt, das ist politisch gewollt angesichts des Lehrermangels.”

Bereits jetzt würden in jedem Bundesland Fortbildungen zu Antisemitismus und Nahost-Konflikt angeboten. Düll betonte: „Diese Angebote sind sehr gefragt bei den Kollegen, die Teilnahme Zahlen sind wirklich hoch.”

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