Saarbrücken  Wagenknecht-Partei: Ehemann Oskar Lafontaine nun Mitglied – diese Rolle will er spielen

Maximilian Matthies
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Von Maximilian Matthies
| 25.01.2024 12:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Oskar Lafontaine findet in der Partei von Ehefrau Sahra Wagenknecht eine neue politische Heimat. Foto: dpa/Martin Schutt
Oskar Lafontaine findet in der Partei von Ehefrau Sahra Wagenknecht eine neue politische Heimat. Foto: dpa/Martin Schutt
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Nach seinem Austritt bei der Linkspartei blieb Oskar Lafontaine für etwa zwei Jahre ohne Parteibuch. Nun tritt der Ex-Finanzminister in die Partei „BSW“ von seiner Ehefrau Sahra Wagenknecht ein.

Prominente Unterstützung für das „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW): Ehemann Oskar Lafontaine bestätigt gegenüber der „Saarbrücker Zeitung“ seine Mitgliedschaft in der neu gegründeten Partei.

„Selbstverständlich bin ich Mitglied des BSW“, sagte der 80-jährige Lafontaine. Beiträge auf dem Facebook-Profil des ehemaligen Linken-Politikers tragen schon seit längerem die Farben von Wagenknechts-Partei. Lafontaine war 2022 aus der Linkspartei ausgetreten, die er 2007 mitgegründet hatte.

Seine Unterstützung für das „BSW“ hatte Lafontaine bereits im vergangenen Jahr kundgetan. Er selbst werde in der neuen Partei allerdings „keine Funktion“ übernehmen. „Ich bleibe in der zweiten Reihe“, sagte der Saarländer gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Der ehemalige SPD-Vorsitzende ist seit 2014 mit Sahra Wagenknecht verheiratet, es ist seine vierte Ehe. Das Paar lebt in Merzig im Saarland. Wagenknecht hatte ihre Partei im Januar gegründet. Sie soll nach Wagenknechts Angaben bei der Europawahl im Juni 2024 antreten. Angestrebt wird auch, bei den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg im September ins Rennen zu gehen.

Als das „BSW“ im Oktober vorgestellt wurde, damals noch als Verein, zeigte sich in ersten Wahlumfragen bereits deutlicher Zuspruch. Aus dem Stand landete das Bündnis laut einer Insa-Sonntagsfrage für die „Bild“-Zeitung bei zwölf Prozent. In einer aktuellen Insa-Umfrage fand sich die Partei allerdings nur unter den sonstigen Parteien wieder.

Wie Umfragedaten des ZDF-Politbarometers (Januar 2024) ergaben, sind vor allem Anhänger von Parteien an den politischen Rändern gewillt, ihre Stimme dem neuen Bündnis zu geben. 52 Prozent der Befragten, die der Linken angehören, würden bei der Bundestagswahl 2025 die Wagenknecht-Partei wählen. Mit 36 Prozent kann immerhin jeder Dritte AfD-Anhänger auch mit dem BSW sympathisieren. Einige Deutsche könnten sich Wagenknecht sogar als Kanzlerin vorstellen.

Für Wagenknecht ist die eigene Partei eine weitere Station in einem bewegten politischen Leben. Die studierte Volkswirtin gehörte seit 1991 – mit Unterbrechungen – dem Parteivorstand von PDS und Linken an. Schnell wurde die Frau, deren Stil an die berühmte Sozialistin Rosa Luxemburg erinnert, zum Medienliebling. Sie war stellvertretende Bundesvorsitzende und Fraktionsvize, von 2015 bis 2019 führte sie dann mit Dietmar Bartsch die Linken-Bundestagsfraktion.

Parteiintern sorgte sie 2018 für Aufruhr, als sie mit ihrem Ehemann das "Aufstehen"-Bündnis auf die Beine stellte – um Menschen des gesamten Linken-Spektrums zu vereinen. Der Erfolg blieb aber aus. Überraschend kündigte Wagenknecht dann Anfang 2019 aus gesundheitlichen Gründen ihren Verzicht auf eine erneute Kandidatur als Linken-Fraktionsvorsitzende an.

Lafontaine war Ministerpräsident des Saarlandes (1985-1998), SPD-Kanzlerkandidat (1990), SPD-Bundesvorsitzender, Bundesfinanzminister, Mitgründer der Linkspartei und deren Partei- und Fraktionsvorsitzender im Bundestag. Zuletzt hatte er die Linksfraktion im Saar-Landtag geführt.

Mit Material von dpa und afp

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