Hamburg  Krankmeldungen: So viele Arbeitnehmer machen blau

Henry Borgelt, KNA User
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Von Henry Borgelt, KNA User
| 23.01.2024 20:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Viele Menschen melden sich zumindest manchmal krank, obwohl sie arbeiten könnten. Foto: dpa | Bernd Weißbrod
Viele Menschen melden sich zumindest manchmal krank, obwohl sie arbeiten könnten. Foto: dpa | Bernd Weißbrod
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Laut einer neuen Studie meldet sich mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer krank, obwohl sie eigentlich arbeiten könnten. Vor allem bei Menschen unter 30 vermuten viele Arbeitnehmer, dass sie sich fälschlicherweise krankmelden. Jeder Achte geht auch mit einer Coronainfektion ins Büro.

Eine Studie der Krankenkasse Pronova BKK, die das Unternehmen am Dienstag in Leverkusen veröffentlichte, zeigt, dass mehr als die Hälfte aller Befragten bei leichten Krankheitsbeschwerden zu Hause bleiben würde, obwohl sie eigentlich arbeitsfähig wären. Zuletzt waren die Krankschreibungen auf ein Rekordniveau gestiegen.

Mit zehn Prozent gaben einige wenige Befragte an, sich häufig krankzumelden, obwohl sie arbeitsfähig sind. 23 Prozent tun dies manchmal und 26 Prozent selten. 36 Prozent sagten von sich, gesund immer ihrer Arbeit nachzugehen.

Die Daten wurden laut der Kasse im November 2023 erhoben. Befragt worden seien 1.204 Arbeitnehmer ab 18 Jahren in ganz Deutschland.

Dabei verdächtigen die Arbeitnehmer vor allem die 18- bis 29-Jährigen, sich krankzumelden, obwohl sie eigentlich arbeiten könnten. Auffallend ist, dass je jünger die Arbeitnehmer sind, desto eher verdächtigen andere sie einer fälschlichen Krankmeldung: Dreiviertel der Befragten vermutete bei den 18- bis 29-Jährigen, sich öfter krankzumelden, obwohl sie gesund sind. Bei Menschen ab einem Alter von 59 Jahren sind sich hingegen 28 Prozent sicher, dies nie zu tun.

Laut einem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse entspricht dieses Gefühl allerdings nicht der Realität: 20- bis 24-Jährige fehlen demnach im Schnitt 16 Tage im Jahr, 25- bis 30-Jährige sogar nur 13 Tage. Ab einem Alter von 50 Jahren meldet sich ein Arbeitnehmer laut dem Bericht hingegen durchschnittlich für 23 Tage im Jahr krank. Über 60-Jährige fallen sogar durchschnittlich 34 Tage im Jahr aus. Ähnliche Zahlen liefern andere Versicherungen wie die Barmer oder die DAK.

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Laut der Wirtschaftspsychologin Patrizia Thamm sei auch ein Mentalitätswandel zwischen den Generationen an diesem Konflikt schuld: „Ein Burn-out war sicherlich nicht erstrebenswert, gehörte im Notfall aber dazu“, erklärte sie. „Es ist eine wichtige Führungsaufgabe, ein gegenseitiges Verständnis zwischen den Generationen herzustellen.“

Hier sehen Sie eine entsprechende Statista-Grafik:

Bei einer Corona-Erkrankung mit mildem Verlauf scheinen viele Arbeitnehmer hingegen lieber trotzdem zu arbeiten. Jeder achte Beschäftigte in Deutschland geht offenbar mit einem positiven Corona-Test zur Arbeit. Demnach gaben Ende vergangenen Jahres 12 Prozent der Arbeitnehmer bei der repräsentativen Umfrage an, bei positivem Test und mildem Verlauf trotzdem ihren Arbeitsplatz aufzusuchen. Das sind 3 Prozent mehr als noch 2022.

Hinzu kommen laut der Kasse diejenigen, die bei Erkältungssymptomen inzwischen darauf verzichten, einen Coronatest zu machen. Sie warnte davor, eine Corona-Erkrankung zu unterschätzen. Insgesamt 34 Prozent gehen bei leichten Erkrankungen und einem negativen Coronatest trotzdem zum Job, ein Rückgang um 16 Prozent.

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"Das Virus bleibt nach wie vor unberechenbar", erklärte Thamm. "Es ist daher ratsam, zu Hause zu bleiben, um das Risiko einer Ansteckung von Kollegen zu minimieren. Insbesondere, weil heute deutlich häufiger als vor einigen Jahren die Möglichkeit besteht, im Homeoffice zu arbeiten."

Überhaupt kuriert sich nicht einmal jeder Dritte aus und bleibt so lange zu Hause, bis er wieder gesund ist. Trotzdem gehen inzwischen weniger Menschen krank zur Arbeit als vor der Pandemie. 46 Prozent gaben an, bei Rückenschmerzen trotzdem am Arbeitsplatz zu erscheinen. Das sind 11 Prozent weniger als 2018.

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