Verkehr in Leeraner Altstadt Meinungen zu Fußgängerzone in Brunnenstraße gehen auseinander
Ende Februar sollen die Ergebnisse eines Verkehrsversuchs in der Leeraner Brunnenstraße vorgestellt werden. Die Meinungen der Leser dieser Zeitung zu einer Fußgängerzone gehen auseinander.
Leer - Wird die Brunnenstraße in der Leeraner Altstadt eine Fußgängerzone oder nicht? Die Ergebnisse eines Verkehrsversuchs der Stadtverwaltung sollen in der Sitzung des Ausschusses für Energie, Klima, Umwelt und Verkehr am 27. Februar vorgestellt werden. Im September 2023 wurde zunächst die Brunnenstraße an den ersten drei Wochenenden temporär in eine reine Fußgängerzone umfunktioniert, so dass die Straße von 10 bis 19 Uhr ausschließlich Fußgängern vorbehalten war. Im Anschluss war die Straße täglich zwischen 10 und 19 Uhr für Fahrradfahrer und Autofahrer gesperrt.
Wir hatten unsere Leser nach ihrer Meinung zu dem Thema gefragt. Eine klare Mehrheit für eine Alternative zeichnet sich dabei aber nicht ab. Bei der Abstimmung im jüngsten Artikel haben sich insgesamt 115 Leserinnen und Leser beteiligt. 37 Prozent stimmen dafür, dass die Brunnenstraße ganzjährig Fußgängerzone werden sollte. 36 Prozent sprechen sich für eine Einführung nur am Wochenende aus und 25 Prozent finden eine Fußgängerzone in der Brunnenstraße grundsätzlich schlecht. Den restlichen zwei Prozent ist es egal.
Reaktionen in sozialen Netzwerken fallen unterschiedlich aus
Auch die Reaktionen bei Facebook fallen unterschiedlich aus. Für eine bessere Lesbarkeit haben wir Rechtschreibfehler korrigiert. So schreibt Nutzer „Opa Klaus“: „Links und rechts sind kleine Geschäfte immer ein Gewinn und da wäre eine Fußgängerzone angebracht. Bisschen aufpimpen mit Blumenkästen und Sitzbänken. Ich bin Autofahrer und wäre dafür.“ Fahrrad fahre er nicht mehr, „weil diese Spezies mir zu radikal geworden ist und sich an keine Regel hält“. Somit sei er für ein Fahrverbot für alle. Man solle nur zwei, drei Stunden Anlieferungen mit E-Autos zulassen.
Julius Brüggemann schreibt hingegen: „Lasst es so, wie es ist. Das ist am besten. Gibt es keine anderen Probleme?“ Ähnlich sieht es Marc Conrads: „Wozu... Ich fahr da mehrmals am Tag lang und hatte noch nie Probleme... Fußgänger und Radfahrer passen da locker zusammen hin. Absoluter Schwachsinn, das ändern zu wollen.“
Problem für schwerbehinderte Menschen
Nutzerin „LaLe Lu“ spricht sich für eine Fußgängerzone aus: „Ich fände es gut, jedenfalls für Wochenenden in den Sommermonaten. In der Woche würde es sich nur lohnen, wenn es dann eine komplette Fußgängerzone werden würde, also Mühlenstraße, Brunnenstraße und Rathausstraße. Damit Norderstraße, Wörde etc. noch anfahrbar sind, könnte man es da ähnlich wie in anderen Städten mit Teilstücken-Fußgängerzone machen, wo es von Autos befahren werden darf, aber Fußgänger Vorrang haben.“
Sebastian Brüggemann sieht eher das Problem im Umgang der Vekehrsteilnehmer miteinander: „Wenn man sich gegenseitig mehr respektieren würde, könnte das problemlos funktionieren. Wie oft fährt man da lang und ein Auto rauscht dicht an einem vorbei, anstatt mal anzuhalten.“
Gisela Sluiter-Wendt sieht die Einrichtung kritisch: „Das ist blöde für schwerbehinderte Menschen. Da kann man nicht mal zur AOK. Wer hat da wieder falsch geplant?“ Marcus Duwe antwortet: „Das stimmt, selbst mit Gehbehinderung wäre es Wahnsinn, dann zur AOK laufen zu müssen.“ Es gebe weit und breit keinen Parkplatz. „Der Parkplatz hinter dem ehemaligen Sobing-Geschäft ist viel zu umständlich. Ergo: Die AOK muss da weg.“ Woraufhin Gisela Sluiter-Wendt schreibt: „Nein, das muss in der Brunnenstraße alles so bleiben, wie es ist.“
Für Radfahrer würde eine Hauptverkehrsader gesperrt
Andreas Gastmann hat sich ausführlich per Mail geäußert. Unter anderem schreibt er: „Eine Änderung der Verkehrssituation in der Brunnenstraße in Betracht zu ziehen, erscheint mir nicht nur sinnvoll, sondern sogar unbedingt notwendig. Das Zusammenspiel von den drei Parteien Auto, Fahrrad, Fußgänger kann in so einer engen Fahrradstraße mit vielen Touristen kaum funktionieren.“
Die zwei Testaktionen tragen dem Geschilderten laut Gastmann jedoch kaum Rechnung. Es sei zwar für die Fußgänger viel ruhiger gewesen. „Doch für Fahrradfahrer wird eine Hauptverkehrsader gesperrt, die nur beschwerlich (Kopfsteinpflaster, oder relativ weite Umwege) umgangen werden kann.“ Als die Brunnenstraße tagsüber vollständig Fußgängerzone war, sei sie wie leergefegt gewesen, „was sich sicherlich auch in den Umsätzen der Kaufleute widergespiegelt haben dürfte“. Gastman fragt, warum es keine Testphase gab, in der sowohl Fußgänger als auch Radfahrer die Brunnenstraße passieren können, und die Straße nur für Autos (außer Lieferverkehr bis 10/11 Uhr) gesperrt wird?
„Aus meiner Sicht ist die Brunnenstraße von Montag bis Freitag nicht so stark von Fußgängern frequentiert, als dass sie nicht auch von Fahrradfahrern benutzt werden könnte.“ An Wochenenden die Straße für jeglichen Verkehr zu sperren, wäre laut Gastmann sicherlich überlegenswert. Unbedingt sollten die Kaufleute der Altstadt mit einbezogen werden.