Mainz  Faxen im Jahr 2024: „Heute-Show spezial“ zieht über schleppende Digitalisierung her

Tobias Sunderdiek
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Von Tobias Sunderdiek
| 20.01.2024 08:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Lutz van der Horst (links) und Fabian Köster haben in einem „Heute-Show spezial“ die schleppende Digitalisierung in Deutschland thematisiert. Foto: ZDF
Lutz van der Horst (links) und Fabian Köster haben in einem „Heute-Show spezial“ die schleppende Digitalisierung in Deutschland thematisiert. Foto: ZDF
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Papierchaos in Behörden und Internet beim Nachbarn anzapfen, weil das eigene Haus noch keinen Anschluss hat: Deutschland wird offenbar nicht umsonst gern als „Digitalwüste“ bezeichnet. In einem „Heute-Show spezial“ beleuchten Lutz van der Horst und Fabian Köster die Probleme auf satirische Weise.

Eins wurde nach 35 Minuten „Heute-Show spezial“ am Freitag im ZDF klar: Deutschland verpasst immer mehr den digitalen Anschluss. Willkommen in „Analogistan“!

Wer in Funklöchern versackt und wessen Handy deswegen streikt, wer nicht an sozialen Netzwerken teilnehmen kann, wer Filme via Netflix oder Mediathek nicht genießen kann und wer wochenlang ohne Netz bleibt, nur weil er einen neuen Anschluss oder Anbieter hat, der weiß ein Lied davon zu singen. Kann man über das deutsche Trauerspiel „Internet“ Comedy machen?

Unter dem Titel „Deutschland hat das Faxen dicke“ versuchten die „Heute-Show“-Mitarbeiter Lutz van der Horst und Fabian Köster genau das, indem beide die Finger in die Wunde legten. Heraus kam ein schmerzlich-komischer Einblick in Absurdistan, in eine deutsche „Landschaft der Ahnungslosen“.

Dabei begann das Elend bereits Anfang der 1980er Jahre. Damals wollte Bundeskanzler Schmidt ein flächendeckendes Glasfasernetz einführen. Doch dann kam 1983 die Wende, und Helmut Kohl setzte auf das Kabelfernseh-freundliche Kupfernetz. Ein nicht nur kultureller, sondern auch technischer Rückschritt. Seitdem gibt es zwar „DSDS“ und „Das Dschungelcamp“, aber technisch auch eine ungeheure Abhängigkeit von den viel fortschrittlicheren USA oder China.

Dass die Bürokratie des Deutschen liebstes Kind ist, das merkt man leider spätestens dann, wenn man sich „am Amt“ ummelden will. Sie haben ein Kind bekommen? Haben geheiratet? Sind krank geworden? In Estland braucht man nur eine Bürger-Chipkarte und man kann alles sekundenschnell und benutzerfreundlich am Rechner oder Handy erledigen, statt stundenlange Wartezeiten vor Ort einplanen zu müssen. Online wählen? Nur ein Klick für die Steuererklärung? In dem baltischen Land ist das alles kein Problem.

Zwar beschloss die Groko schon 2017 das „Onlinezugangsgesetz“ (OZG), wonach 575 Behördengänge digital verfügbar gemacht werden sollten, doch davon wurden nur 114 Vorhaben verwirklicht.  

Wobei vieles davon zwar online ausgefüllt werden kann, nur um es danach noch analog ausdrucken, per Post zu versenden oder zu faxen. Welche Papierverschwendung!

Lesen Sie dazu diese Kolumne: Ein PDF ausdrucken zu können, ist keine Digitalisierung! Der analoge Behördenwahnsinn muss enden

Und wer ist dafür verantwortlich? Allein in der „Ampel“-Regierung sind das seit 2021 gleich vier Politiker: Nancy Faser (SPD-Innenministerin), FDP-Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger, Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Verkehrsminister Volker Wissing (FDP). Unter Kanzlerin Angela Merkel, die 2013 das Internet noch als „Neuland“ bezeichnet hatte, war genau das für Datenautobahnen zuständige Ministerium für Verkehr fest in der Hand der CSU, unter anderem repräsentiert durch den jetzigen Bundestagsabgeordneten Alexander Dobrindt und dem Skandalminister Andreas Scheuer (Gewinner des „Heute Show Goldenen-Vollpfosten fürs Lebenswerk“) – sie alle bremsten oder bremsen die Entwicklung aus, mussten und müssen sich der „Arbeitsverweigerung“ bezichtigen lassen.

Ein Film, in dem einem nicht nur das Lachen im Halse stecken bleibt, sondern der seit Freitag auch in der ZDF-Mediathek abrufbar ist. Vorausgesetzt, man wohnt nicht in einer Digitalwüste.

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