Hamburg Nanoplastik in unserer Nahrung: Wie schädlich sind die Teilchen für unseren Körper?
Eine Plastikflasche enthält laut einer Studie weitaus mehr kleinste Plastikteilchen, als bisher angenommen. Wie nehmen wir das sogenannte Nanoplastik auf und wie schädlich ist es?
In einer aktuellen Studie stellte die National Academy of Sciences in den USA vor, dass knapp eine viertel Million Nanoplastikteilchen in einem Liter Wasser aus einer Plastikflasche zu finden sind. Mit einer neuen Technologie konnten die Forscher nachweisen, dass der Anteil an Plastikteilchen im Wasser aus entsprechenden Flaschen zwischen zehn- und hundertmal größer ist, als bisher angenommen.
Doch was genau ist Nanoplastik und wie unterscheiden sich die Teilchen von dem bekannteren Mikroplastik? Wo kommen die Teilchen her und wie schädlich sind sie für unseren Körper?
Nanoplastikteilchen sind mikroskopisch kleine Teilchen von Plastik, die durch viele Wege in unser Essen und Wasser gelangen können. Durch Verarbeitungen oder Verpackungen wie Plastikflaschen gelangen so Teilchen in unsere Nahrung – und in unseren Körper. Trotz der steigenden Verbreitung von diesen kleinen Plastikteilchen gibt es keine klaren Hinweise darauf, wie schädlich sie sind.
In der geringen Masse an Forschungsergebnissen gibt es einige Studien, die zeigen, dass Plastikteilchen durch unser Blut ins Gehirn, die Plazenta oder in den Urin eines Menschen gelangen können. Das sage aber noch nichts über mögliche Schäden aus, erklärt Konstantinos Lazaridis, Gastrologist an der Mayo Klinik in den USA, der „New York Times“. „Nur weil ein Plastikteilchen in einem Gewebe vorhanden ist, heißt das nicht, dass es auch Schaden anrichtet“, erklärte der Arzt.
Zudem sei es möglich, dass Plastikteilchen nur bei Menschen mit genetischen Vorerkrankungen Schäden anrichten, oder sogar die Ursache für bisher unerklärbare Krankheiten sind. Dabei ist die Forschungslage allerdings noch zu dünn, um klare Schlussfolgerungen zu ziehen. Eine weitere Annahme der Forscher ist, dass Teilchen gefährlicher werden, je kleiner sie sind. Dann könnten sie leichter in Zellen und Gewebe eindringen, erklärt Wei Min, Co-Autor der Studie.
Hier sehen Sie eine Statista-Grafik zu den jährlichen Pro-Kopf-Emissionen von Mikroplastik in Deutschland:
Obwohl es also lediglich Hinweise auf die Schädlichkeit von Plastikpartikeln gibt, kann es trotzdem sinnvoll sein, ihre Aufnahme zu reduzieren. Douglas Walker, Chemiker an der Emory University, erklärt, dass es Studien gebe, die mehr als 10.000 verschiedene Stoffe in der Plastikherstellung festgestellt hat. Davon seien nur sehr wenig erforscht, erklärt der Chemiker. Zudem ist nicht klar, über welche anderen Wege Plastik in unseren Körper gelangt und wie lange es dort bleibt.
Zwar könne man die Aufnahme von Plastik in den Körper nicht verhindern, aber man könne sie bewusst reduzieren, erklärt Douglas Walker. Ein möglicher Schritt wäre es, auf Plastikflaschen zu verzichten und auf Glasflaschen oder andere Behälter umzusteigen, wobei sich auch so die Aufnahme von Nanoplastik nicht verhindern lässt. Doch auch wenn man keine Plastikflaschen verwendet, könnte man durch Getränke Nanoplastik aufnehmen. Auch das Wasser in Glasflaschen beinhaltet die Partikel, da bei der Aufbereitung von Wasser bereits Partikel in das Wasser gelangen.
Es kann also nahezu nicht verhindert werden, Nanoplastik über Getränke aufzunehmen. Wer doch Plastikflaschen nutzen will, sollte diese aber von Hitze und Sonnenlicht fernhalten. Außerdem könnte die Aufnahme von Plastik reduziert werden, indem keine Essensbehälter aus Plastik, oder Plastikverpackungen bei Lebensmitteln verwendet werden, erklärt der Chemiker.