Ehrenamtlicher Katastrophenschutz Hochwasser-Retter vom Leeraner THW warten auf Neubau
Seit Jahren brauchen die ehrenamtlichen Einsatzkräfte des THW in Leer einen Neubau. Doch der lässt wegen Haushaltskürzungen auf sich warten. Ihr Ortsbeauftragter übt Kritik.
Leer - Langsam kehrt wieder Ruhe ein an der Alemannenstraße in Leer. Zwischen Weihnachten und den ersten Januar-Wochen gab es keinen Tag, an dem die Einsatzwagen des Technischen Hilfswerks (THW) der Ortsgruppe Leer nicht losgefahren sind. Die Truppe half in vorderster Reihe bei Hochwasser-Einsätzen in Hollen, im Emsland und in Oldenburg. „In Hochzeiten waren wir mit 35 bis 40 Leuten im Einsatz“, sagt Stefan Sandstede, Ortsbeauftragter des THW in Leer. Sandsäcke füllen, Ausleuchten von Einsatzstellen, Logistik, Organisation - die THW-Fachleute waren in vielen Aufgabengebieten unterwegs. Und das mitunter Tag und Nacht: „Einmal klingelte sogar nachts um 1 Uhr mein Telefon für eine Lagebesprechung“, sagt Sandstede.
Für die Zeit des Hochwasser-Einsatzes war der Landesbeamte sogar für seine ehrenamtliche Aufgabe freigestellt. Von Leer aus koordiniert er die Einsätze seiner Leute, nimmt die Anforderungsformulare entgegen und fährt in die Einsatzgebiete. „Man ist 24/7 mit dem Kopf dabei“, sagt er. Mehr als 3000 Einsatzstunden hat er für seinen Ortsverein, der aus 75 aktiven Einsatzkräften besteht, verzeichnet. Von 23 Einsätzen im vergangenen Jahr waren 9 Einsätze fürs Hochwasser. Die Anstrengungen merke man der Truppe auch an. „Aber die Leute haben mitgezogen, das war schon toll“, sagt Sandstede.
75 Einsatzkräfte in Leer
Zurück an der Allemannenstraße entsteht allerdings Frust bei den Einsatzkräften: Für die 75 Einsatzkräfte ist dort seit Jahren kein Platz mehr. Es hakt nicht nur an den Sanitäreinrichtungen. „Ein Fahrzeug steht seit 2012 draußen“, sagte Stefan Sandstede bereits Anfang 2023 im Gespräch. Das sei kein Zustand, „das sind ja auch Steuergelder“, merkt er an. Einige Ausrüstungsteile sind bereits ausgelagert. Der Informations- und Kommunikationstrupp ist in Nortmoor in einer Halle des Landkreises untergebracht. Das Notstromaggregat des THW steht bei der Feuerwehrtechnischen Zentrale. „Das Gelände ist an seine Grenzen des Entwickelbaren gekommen“, sagt Sandstede. Kein Wunder, denn allein in den vergangenen Jahren sind zwei neue Einheiten dazu gekommen. Seit 2019 hat das THW die Einheit „Schwere Bergung“ und seit diesem Jahr die Einheit „Technische Ortung“.
Die Hoffnung war groß, dass bald ein neues Gebäude gebaut wird, das den ehrenamtlichen Ansprüchen der Katastrophenschützer gerecht wird. „Der Kauf des Grundstückes an der Zinnstraße in Nüttermoor steht bevor“, sagt Sandstede. Freuen kann er sich darüber aber kaum. „Der Neubau ist auf Eis gelegt“, sagt er. Denn der Etat des Bundesministeriums für Inneres, das für das THW zuständig ist, sinkt. Die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk bekommt daher im kommenden Jahr nur 386,57 Millionen Euro. 2023 waren es noch 428,63 Millionen Euro – und bereits da wurde schon am Etat gekürzt.
Nun ist das THW-Gebäude in Leer von der Liste der Neubauten geflogen. Wann es gebaut werden kann, steht in den Sternen. Zumal die Kosten für den Bau schon jetzt von ursprünglich geplanten 6,5 Millionen Euro auf rund 14 Millionen Euro gestiegen ist. „Das ist nicht erfreulich“, sagt Sandstede. Über die Kürzungen ist der Ortsbeauftragte regelrecht erbost. Seit Jahren warte Leer auf einen Neubau, die Truppe sei ständig im Hochwassereinsatz: „Und in diesen Zeiten kürzt man dann Mittel beim ehrenamtlichen Katastrophenschutz?“, fragt er und versteht es nicht. Es müsse etwas passieren, forderte er und wolle dies auch auf dem Neujahrsempfang des THW an diesem Sonnabend deutlich machen.