Ahrensburg  Namensforscher Knud Bielefeld: Was Taylor Swift oder eine Vampir-Serie mit beliebten Vornamen zu tun haben

Sina Lea Riebe
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Von Sina Lea Riebe
| 15.01.2024 14:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Kurz vor Silvester warten vielen Menschen bereits gespannt darauf, welche Vornamen es in diesem Jahr in die Top Ten geschafft haben. Erstellt wird das Ranking jedes Jahr aufs Neue von dem Hobby-Namensforscher Knud Bielefeld aus Ahrensburg. Wir berichten darüber, was Taylor Swift oder die Vampir-Sage „Twilight“ mit Vornamen zu tun haben.

Knud Bielefeld erstellt auch in diesem Jahr wieder die Hitliste der beliebtesten Namen für das Jahr 2023. Der 56-Jährige, der eigentlich bei der Hamburger Sparkasse in der IT angestellt ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr die beliebtesten Namen in einem Ranking herauszugeben, Prognosen aufzustellen und den Namen des Jahres zu küren. All das macht der Ahrensburger allerdings in seiner Freizeit.

Denn tatsächlich gibt es keine offiziellen Statistiken zur Erhebung von Namen in Deutschland. „Als Begründung wird angegeben, dass eine rechtliche Grundlage fehle“, erklärt Knud Bielefeld im Gespräch mit unserer Zeitung. Damit ist vor allem die Art der Erhebung gemeint. Standesämter listen beispielsweise alle Namen einzeln je nach Schreibweise auf. Bielefeld fasst die unterschiedlichen Schreibweisen in seiner Erhebung zusammen, „der Name an sich ist ja der gleiche“, sagt er.

Der in Rendsburg geborene ITler interessiert sich schon früh für die unterschiedlichen Namen. „Mein Name Knud ist ja eher ungewöhnlich“, sagt er. Gerade, weil er in einer Zeit geboren wurde, in der es viele Michaels, Andreas und Jörgs gab. Seit Ende der 90er Jahre beschäftigt sich Bielefeld immer intensiver mit der Erhebung der Daten. Seine Jahres-Hitlisten reichen bis in das Jahr 1890 zurück.

„Als ich damals anfing, im Internet nach Daten zu Namen und Geburtsjahren zu suchen, war das noch deutlich einfacher“, sagt Bielefeld. Auf Vereinsseiten ließen sich beispielsweise Namen der Mitglieder und deren Geburtsdaten feststellen – etwas, was es so heute aus Datenschutzgründen nicht mehr geben würde.

Seine Namens-Hitlisten kommen derweil so gut an, dass sich Bielefeld dazu entschlossen hat, sie von seiner privaten Homepage 2003 auf die Seite beliebte-vornamen.de umzuheben.

Seine Datengrundlage erhält der Freizeit-Forscher von Standesämtern und Geburtsstationen. Jedes Kind wird an dem Ort eingetragen, an dem es zur Welt gekommen ist. Deshalb sind die Daten aus den Kliniken, aber auch aus dem Standesamt so wichtig für den Hobbyforscher. „Viele Geburtskliniken haben eine Internetseite, auf der viele der Kleinen samt Namen abgebildet sind“, sagt Bielefeld. So könne er schon während des Jahres Prognosen abgeben.

Im Gegensatz zu früher sieht der Hobbyforscher eine deutlich größere Vielfalt hinsichtlich der Namen. Noch in den 60er-Jahren habe es Klassen gegeben, in denen mindestens drei Mädchen Andrea hießen. Zum Teil sind Eltern bei der Namensgebung deutlich kreativer geworden. „Es werden auch vermehrt Namen zusammengestellt“, sagt er.

Einige Trends treten erst zeitversetzt auf. Beispielsweise tauche der Name Renesmee mittlerweile häufiger auf. Dabei handelt es sich um eine Figur aus der Vampir-Saga Twilight – die Filme zur Buchreihe erschienen zwischen 2008 und 2012. „Die Teenies von damals werden jetzt Mütter“, erklärt Bielefeld mit einem Lächeln.

Auch Unisex-Namen werden immer beliebter. Als Beispiel nennt er Taylor. „Hier in Deutschland war das lange ein reiner Jungenname“, so der Hobbyforscher. Durch die Sängerin Taylor Swift hat der Name allerdings auch bei Mädchen an Beliebtheit gewonnen. Hinzu komme, dass sich jetzt vielleicht auch weniger Eltern dafür entscheiden, ihren Sohn Taylor zu nennen, mutmaßt Bielefeld.

Insgesamt ist der Norden deutlich offener für neue Namen. „Viele Trends entwickeln sich aus dem Norden heraus“, sagt Bielefeld. Anders als in Bayern, wo Namen noch vergeben werden, wenn sie schon längst nicht mehr modern sind. „Wenn heute noch ein Andreas geboren wird, dann kann man davon ausgehen, dass das in Bayern war“, schmunzelt Bielefeld.

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Sein 17-jähriger Sohn heißt Erik: „Ich wusste damals, dass Erik ein beliebter Vorname war“, sagt er. Anders als er selbst trägt sein Sohn einen zweiten Namen, der aber privat bleiben soll. Insgesamt gibt es heute wieder mehr Kinder mit zweitem Namen. Vor 100 Jahren vergab man zweite Namen meist mit Bezug zur Familie oder Paten, so Bielefeld. Vor 50 Jahren wurden eher wenig zweite Namen vergeben. Jetzt steigt der Trend wieder an, allerdings steht der Klang vermehrt im Vordergrund.

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