In der Petruskirche Diese Orgelbauer werkeln in Ostrhauderfehn
Lange haben die Orgelbauer an dem Instrument gearbeitet: Der Termin zur Wiedereinweihung steht fest. Wir haben uns vor Ort angeschaut, was die Profis eigentlich gemacht haben. Mit Video.
Ostrhauderfehn - Endlich hat das Warten ein Ende: Die Restauration der Orgel der Osterfehntjer Petruskirche ist in den letzten Zügen. Orgelbaumeister Jens Decker sowie sein Kollege Christoph Neitzel sitzen im Innenraum der Orgel und arbeiten an den letzten Feinheiten. Aber wie macht man das, so eine Orgel zu restaurieren?
Das Projekt hat – auf Seiten der Orgelbauer – vor fast eineinhalb Jahren begonnen. Direkt mit dem Restaurieren anfangen konnten die Orgelbauer der Orgelbauwerkstatt Bente aber nicht. „Wir mussten erstmal Forschungsarbeit betreiben“, sagt Jens Decker. Die Orgel der Petruskirche wurde 1896 von Johann Diepenbrock gebaut, einem ostfriesischen Orgelbauer aus Norden. „Die Maßnahme der Restaurierung ist, die Orgel in den Originalzustand zu versetzen“, so Pastor Holger Rieken. So reisten die Orgelbauer aus Suthfeld-Helsinghausen (bei Hannover) durch Ostfriesland. Denn in Werdum sowie in Wymeer stehen Diepenbrock-Orgeln, an denen sich die Werkstatt orientieren konnte.
Ein besonderes System
„Das System ist eine Rarität“, findet Jens Decker. Diese Orgeln seien nur für kurze Zeit gebaut worden. Das Besondere sei unter anderem, das pro Pfeife ein Ventil verbaut wurde. So bekomme jede Pfeife unter jeder Bedingung genügend Luft, was die Töne stabiler klingen lasse. Außerdem sei die Ventilform einmalig. Wie diese Ventilform aussieht, konnten die Orgelbauer wegen des Fortschritts der Restaurierung nicht mehr zeigen – sonst hätten sie alles nochmal ausbauen müssen. Und das sei auch ein Problem: „Wenn etwas nicht funktioniert, muss ich alles wieder wegräumen“, erklärt Decker. Aus diesem Grund müssen die Orgelbauer genau arbeiten.
Warum die Osterfehntjer Diepenbrock-Orgel restauriert werden musste, liegt vor allem am Klang. Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Kirchturm der Petruskirche gesprengt, wobei die Orgel beschädigt wurde, erzählt Pastor Rieken. Bei der Reparatur im Jahr 1951 wurde dann das Klangbild verändert. Denn: „Damals war ein hellerer Klang modern“, erklärt der Orgelbauer. „Die romantischen Töne wollte man nach dem Krieg nicht mehr haben“, erklärte Harm Kirschner ganz zu Beginn der Projektplanung gegenüber unserer Zeitung. Aus diesem Grund wurden die Pfeifen gekürzt. Bei der Restaurierung wurden sie nun wieder verlängert – auf die Höhe, wie Johann Diepenbrock es erdacht hatte.
Zu einer Veränderung des Originalzustands kam es aber bereits vorher, nämlich im Ersten Weltkrieg. „Damals wurden die Prospektpfeifen der Orgeln eingezogen, um aus dem Zinn-Blei Munition herzustellen“, sagt Jens Decker. Sie wurden durch günstigere Zink-Pfeifen ersetzt. Diese erzeugen unangenehme Nebengeräusche – und seien eben nicht originalgetreu. Im Zuge der jetzigen Restaurierung ersetzten die Orgelbauer die alten Prospektpfeifen mit originalgetreuen.
Wiedereinweihung ist geplant
Auch der Blasebalg wurde wieder instand gesetzt. „Sollte es in der Kirche mal einen Stromausfall geben, könnte man die Orgel trotzdem noch spielen“, sagt Jens Decker und lacht. Außerdem wurden die beschrifteten Registerknöpfe, die Manubrien, restauriert. Die unteren zwei seien noch die Originalen aus 1896, die oberen sieben mussten erneuert werden. „Da muss man auch erstmal jemanden finden, der so schreiben kann“, sagt der 37-Jährige.
„Das ist jetzt die originalste Diepenbrock-Orgel, die es auf der Welt gibt“, sagt der Orgelbaumeister.
Wer mehr über die Technik hinter der Diepenbrock-Orgel erfahren und den neuen Klang hören möchte, sollte am Sonntag, 21. Januar 2024, um 15 Uhr in die Petruskirche in Ostrhauderfehn kommen. Dann wird die Wiedereinweihung in einem Gottesdienst stattfinden. Winfried Dahlke, Leiter des Organeums in Weener, wird auf der Orgel spielen. Der Leiter der Orgelbauwerkstatt, Jörg Bente, wird ebenso zugegen sein. „Das besondere ist, dass per Kamera eine Live-Übertragung aus dem Orgelinneren auf einer Leinwand gezeigt wird“, so Pastor Rieken. Er freut sich über die zahlreichen Sponsoren: das Denkmalsonderprogramm, die Klosterkammer Hannover, die Bingo-Stiftung, die Stiftung Denkmalschutz, die VR-Stiftung und die Landeskirche Hannover.