Berlin Wackelt das Deutschlandticket, wackelt auch die Mobilitätswende
Bund und Länder ringen um das 49-Euro-Ticket. Eine Preiserhöhung scheint unausweichlich. Das gefährdet den Zulauf für den öffentlichen Nahverkehr.
49 Euro – so viel kostet das Deutschlandticket. Obwohl man präzisieren muss: Noch kostet das Ticket 49 Euro im Monat. Gut möglich, dass das Angebot bald teurer wird. Das anhaltende Gezerre um die Finanzierung verunsichert Fahrgäste, unter der Ungewissheit leiden Landkreise und Kommunen.
Zwar schießt der Bund viel Geld zu: auch in diesem Jahr 1,5 Milliarden Euro. Doch die Haushaltskrise wirkt sich auch auf den Nahverkehr aus. 350 Millionen Euro weniger kalkuliert das Bundesfinanzministerium für die Länder ein. Kürzt die Bundesregierung die Mittel, ist eine Preiserhöhung wahrscheinlich.
Was dann ebenfalls wahrscheinlich wird? Sinkende Verkaufszahlen und Gültigkeitslücken. Klamme Kommunen, für die bereits die Kosten für 49-Euro-Ticket schlicht zu teuer sind, könnten aus dem Deutschlandticket aussteigen. Kürzlich hätte der Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt um ein Haar das beschlossen.
Laut Branchenangaben haben seit Mai 2023 zehn Millionen Menschen das Deutschlandticket genutzt, darunter etwa eine Million Neukunden, die vom Auto oder Fahrrad umgestiegen sind. Damit die Mobilitätswende gelingt, müssen noch viel mehr Menschen für den ÖPNV begeistern werden. Wie man das schafft? Auf jeden Fall nicht, indem man den Preis für das ohnehin nicht günstige 49-Euro-Ticket anhebt. Oder das bundesweit einheitliche Angebot schlimmstenfalls wieder einstampft.
Neben einem deutlich besseren Bus- und Bahnangebot im ländlichen Raum, kann eine goldene Zukunft des ÖPNV nur mit verlässlichen politischen Entscheidungen funktionieren.