Auktionator Werner Meyer  Seit 40 Jahren versteigert Cloppenburger kleine und große Schätze

Friedrich Niemeyer
|
Von Friedrich Niemeyer
| 16.01.2024 07:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bereitet seine 192. Auktion vor: Werner Meyer versteigert Kunst und Antiquitäten in seinem Auktionshaus an der Löninger Straße in Cloppenburg. Foto: Niemeyer
Bereitet seine 192. Auktion vor: Werner Meyer versteigert Kunst und Antiquitäten in seinem Auktionshaus an der Löninger Straße in Cloppenburg. Foto: Niemeyer
Artikel teilen:

Seit 40 Jahren leitet Werner Meyer das Auktionshaus „Dr. Lorenz & Meyer“ in Cloppenburg. Hier erzählt Meyer, wie er mal angefangen hat und was er von der TV-Sendung „Bares für Rares“ hält.

Cloppenburg - Werner Meyer hält das Zigarren-Etui dicht vor sein Gesicht und kneift die Augen zusammen. Durch die kleine Lupe blickt er auf die winzigen Stempel. „Birmingham, 1908, 925er-Silber“, sagt er. Wer der Hersteller ist, verrät die Punze ihm nicht mehr. Und was ist das Etui wert? Der Experte legt es auf die Waage. „Der Schmelzpreis liegt bei 51 Euro“, sagt er. Aber es ist schön verziert und bei Sammlern begehrt. Der Schätzpreis liegt also noch etwas höher. Der 71-Jährige trägt alles in die Datenbank ein und klebt einen Aufkleber auf das Zigarren-Etui. Demnächst wird es in Cloppenburg im Auktionshaus „Dr. Lorenz & Meyer“ versteigert, als eines von etwa 1200 Stücken.

Die Geschichte hinter den Dingen herauszufinden, gehört zu Meyers Beruf. Schon als Kind habe er sich für Antiquitäten begeistert – und gemerkt, dass er mit dem Handel gut verdienen kann. Mit 15 Jahren habe er einen Säbel für 15 Deutsche Mark (DM) gekauft und für 400 DM wieder verkauft. Als 15-Jähriger sei das für ihn verdammt viel Geld gewesen.

Silberner Rubel für 17.500 Euro verkauft

Nach seinem Studium machte sich Meyer selbständig und ist es bis heute. „Ich brauche meine Freiheit und meine eigene Firma.“ Zuerst probierte er es mit einem Antiquitäten-Laden. Als der Umsatz einbrach, hörte Meyer auf den Tipp seines Leichtathletik-Trainers und eröffnete das Auktionshaus an der Löninger Straße. Mittlerweile leitet der öffentlich bestellte und vereidigte Auktionator es seit 40 Jahren.

Mit geschultem Blick betrachtet und bewertet der Auktionator aus Cloppenburg ein silbernes Zigarrenetui, ein schönes, altes Stück aus Großbritannien. Manche Raritäten erzielen hohe Preise. Foto: Niemeyer
Mit geschultem Blick betrachtet und bewertet der Auktionator aus Cloppenburg ein silbernes Zigarrenetui, ein schönes, altes Stück aus Großbritannien. Manche Raritäten erzielen hohe Preise. Foto: Niemeyer

191 Versteigerungen hat er seitdem geleitet und bereitet die 192. gerade vor. Zu Beginn war er noch unsicher und unerfahren: Vor den ersten Auktionen habe er mit seinem Team geübt und bei der Konkurrenz geguckt, wie sie die Auktionen über die Bühne bringt. Nach und nach habe er seinen eigenen Stil gefunden.

Die richtigen Bieter treiben die Preise in die Höhe

„Jede Auktion ist unberechenbar“, weiß Meyer heute. Sind die richtigen Bieter beteiligt, können sie die Preise schnell in die Höhe treiben. So wie im Frühjahr 2008: Das Auktionshaus versteigerte eine russische Münze. Drei Bieter wollten den 1914 geprägten, silbernen Rubel unbedingt haben, darunter einer aus New York, berichtet Meyer. Seine Kunden sind längst international. Am Ende bekam ein Münzsammler aus Oldenburg für 17.500 Euro den Zuschlag. Das sei bis heute Weltrekord für diese Münze, meint Meyer.

Münzen, Schmuck und Nazi-Orden liefen gerade gut, Möbel hingegen nicht. Im Auktionshaus steht ein 234 Jahre alter massiver „Finkenschrank“ aus Marburg. Der Meistbietende muss ihn noch zerlegen und mitnehmen. Er hat das Objekt für wenige hundert Euro ergattert. „Das ist unter dem Kaminholz-Preis“, sagt Meyer. Früher seien solche Schränke für 37.000 DM verkauft worden.

„Bares für Rares“ hält er für Show

Die meisten Auktionsstücke stammten aus Nachlässen. Bei größeren Sammlungen fahre Meyer zu seinen Kunden und bewertet die Gegenstände vor Ort. Was lässt sich verkaufen, was braucht er gar nicht erst mitzunehmen? Anschließend recherchieren er und seine Mitarbeiter die Geschichte und testen zum Beispiel Schmuck auf Echtheit. Dafür nutzt das Auktionshaus spezielle Flüssigkeiten.

Ähnliche Artikel

Die Tests dürften vielen aus der TV-Sendung „Bares für Rares“ bekannt sein. Meyer kennt die Sendung und hält nicht viel davon: „Da werden Preise gezahlt, da kann ich nur mit dem Kopf schütteln.“ Häufig seien sie viel zu hoch. Anders als die Sendung es suggeriert, bereiteten sich die Experten vorab intensiv vor und würden die Stücke schon kennen, bevor sie sie vor der Kamera begutachten. „Das ist für mich reine Show“, sagt Meyer.