Bauernprotest in Großwolde Viele Branchen mit Landwirten solidarisch
Zu einem Meinungsaustausch kamen am Donnerstag Vertreter aus der Landwirtschaft, aber auch etlicher anderer Berufsgruppen beim Hofladen an der Bundesstraße 70 in Westoverledingen zusammen.
Westoverledingen - Zu einem Meinungsaustausch trafen sich am Donnerstag, 11. Januar 2024, Vertreter verschiedener Berufsgruppen vor dem Hofladen an der Großwolder Straße in Westoverledingen. Neben Landwirten waren auch Mitarbeiter von Speditionen und Bauunternehmen sowie Handwerker, Jäger, Pferdebesitzer, weitere Berufsgruppen, aber auch Privatleute, dem Aufruf gefolgt, der über Soziale Medien verbreitet worden war.
Hintergrund sind die bundesweit anhaltenden Proteste der Landwirte gegen die geplanten Kürzungen im Agrarbereich durch die Bundesregierung. Es geht aber bei dem Protest längst nicht mehr nur um die Streichung der Subventionen für den Agrar-Diesel. „Das ist nicht nur eine Bauern-Demo, wie irrtümlich von den Medien immer verbreitet wird“, stellten die Vertreter der Berufsgruppen in Großwolde unmissverständlich klar.
Viele sind unzufrieden mit der wirtschaftlichen Lage
Stattdessen erklären sich immer mehr Mitarbeiter verschiedener Branchen mit den Landwirten solidarisch, auch weil sie selbst unzufrieden mit der wirtschaftlichen Lage sind. So geht es auch Marcel Wilshusen, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Firma Wilsaflor GmbH & Co. KG aus Neulehe im Emsland, der sich schon seit einigen Tagen mit etlichen Kollegen sowie Zugmaschinen den Trecker-Korsos angeschlossen hat. Das Unternehmen vertreibt unter anderem Erden-, Rinden- und Düngerprodukte.
Flatterband am Auto als Zeichen der Solidarität
Auch viele Privatleute machen bei den Demonstrationen mit. Als Erkennungszeichen ihrer Solidarität mit den Protestierenden haben sie Flatter- oder Absperrband an ihren Fahrzeugen angebracht.
„Alle ziehen hier an einem Strang“, freute sich ein 55-jähriger Pferdebesitzer aus Breinermoor, der nicht namentlich in der Zeitung erwähnt werden will. „Die Kosten steigen immer mehr. Das lassen wir uns nicht gefallen.“ Als Beispiel nennt er die Erhöhung der Lkw-Maut, die vor allem Spediteure trifft. Aber auch die Produktion von Lebensmitteln im Inland bereitet ihm Sorgen. „Wir wollen nicht, dass immer mehr Lebensmittel aus dem Ausland importiert werden.
Für die Lebensmittel sorgen wir“, so der Breinermoorer. Mit den Protestaktionen, die in den letzten Tagen unter anderem in Rhauderfehn, aber auch den Nachbargemeinden gelaufen sind, zeigte er sich nach eigenen Angaben sehr zufrieden: „Die Resonanz war durchweg positiv.“
Auch Baufirmen fühlen sich vom Staat im Stich gelassen
Dies bestätigte Ralf Wiels von der Firma Hermann Janssen (HJA), Straßen- und Tiefbauunternehmen aus Aschendorf, der mit Kollegen und Firmenfahrzeugen an den Protesten teilnahm. „Wildfremde Leute haben uns auf der Straße angehalten, uns etwas zu essen und zu trinken angeboten oder einfach nur Beifall geklatscht, als der Korso an ihren Häusern vorbeigefahren ist“, stellte Wiels anerkennend fest. „Wir als Firma erhalten fast keine staatlichen Aufträge mehr, arbeiten fast nur noch für private Firmen“, fühlt sich Wiels von der Politik im Stich gelassen.
Die Politik mit ihren Regularien, kurzfristigen Gesetzesänderungen, die Landwirte wie andere Brachen unvorbereitet treffen, aber schnellstmöglich umgesetzt werden sollen und hohe Kosten verursachen, sorgen für Unverständnis und Wut. „Beim Bau eines großen Güllefasses wurden mir staatliche Subventionen versprochen. Als die Finanzierung mit der Bank endlich stand, zog der Staat seine Zusage zurück. Als Folge musste ich einen höheren Kredit beantragen“, berichtet Landwirt Joachim Bödeker aus Großwolde. „Der Staat hat Angst, dass sich die Proteste auf andere Branchen ausdehnen“, sagt Wilhelm Müntinga-Busemann, Landwirt aus Westoverledingen.