Hochwasser im Emsland  Mit dem Auto in die Fluten gefahren: Wie teuer wird das?

Tobias Böckermann
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Von Tobias Böckermann
| 10.01.2024 18:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mehrere Tage lang stand dieses Auto in der Meppener Sommerfeldstraße im Wasser. Zuvor musste der Fahrer bei Dunkelheit von der Feuerwehr gerettet werden. Inzwischen ist das Auto aus den Fluten gezogen worden. Foto: Anne Böckermann
Mehrere Tage lang stand dieses Auto in der Meppener Sommerfeldstraße im Wasser. Zuvor musste der Fahrer bei Dunkelheit von der Feuerwehr gerettet werden. Inzwischen ist das Auto aus den Fluten gezogen worden. Foto: Anne Böckermann
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Autofahrer ignorieren Absperrungen in den Hochwassergebieten und bleiben in den Fluten stecken. Die Feuerwehr muss sie retten. Ein Einzelfall? Keineswegs. Welche Folgen hat das für die Autofahrer?

Emsland - Immer wieder umfahren Verkehrsteilnehmer im Emsland in diesen Tagen Absperrungen und landen im Hochwasser. Die Feuerwehr muss sie retten. Aber wer bezahlt am Ende die Einsätze?

Erst am Montagmorgen waren wieder zwei Autofahrer im Hochwasser steckengeblieben. Die Feuerwehren Haren und Lathen mussten ausrücken. Auf der Hünteler Straße zwischen Wesuwe und Meppen hatte ein Autofahrer eine wegen des Hochwassers errichtete Straßensperre umfahren. Die erste von zwei Senken konnte er noch passieren, in der zweiten ist der Wagen dann bis unterhalb der Fenster im Wasser versunken. Der Fahrer ließ den Wagen zurück. Die Feuerwehr rückte zwar an, unternahm aber vorerst nichts, weil die Bergung des Wagens zu gefährlich war. Im Marschweg in Hilter war am Montag ebenfalls ein Auto ins Hochwasser gefahren und steckengeblieben. Die junge Fahrerin saß nach ersten Erkenntnissen noch im Auto und wurde von der Feuerwehr aus ihrer misslichen Lage befreit.

Die beiden Vorfälle reihen sich ein in eine ganze Palette ähnlicher Ereignisse. Seit dem Beginn des Hochwassers um Weihnachten 2023 sind mindestens sechs weitere Fahrzeuge im nördlichen und mittleren Emsland regelrecht „abgesoffen“ – meistens, weil Absperrungen ignoriert wurden.

Hilfseinsätze werden in Rechnung gestellt

Das Umfahren einer Absperrung beziehungsweise das Missachten eines Durchfahrt-verboten-Schildes gilt als Ordnungswidrigkeit und ist als solche vom Landkreis Emsland zu verfolgen. Ein Sprecher sagte auf Anfrage, das geschehe, sofern diese Verkehrsdelikte angezeigt würden. Die Missachtung des Durchfahrtsverbotes koste 50 Euro, bei Vorsatz bis zu 100 Euro. Deutlich teurer aber wird es, wenn die Kommunen die geleisteten Hilfseinsätze in Rechnung stellen. Das geht, sofern Fahrlässigkeit oder Vorsatz, manch einer würde wohl auch von Selbstüberschätzung oder Dummheit sprechen, einen Einsatz der Rettungskräfte auslösen. Und genau das haben zumindest die Städte Haren und Meppen vor, die beispielhaft angefragt wurden: Die Fahrerinnen und Fahrer der Autos sollen die Einsätze bezahlen – sofern eine Einzelfallprüfung dazu Anlass gibt.

Meppen will durchgreifen

Meppens Bürgermeister Helmut Knurbein verwies auf Paragraph 29 des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes. Demnach werden Gebühren unter anderem für Feuerwehreinsätze erhoben, die vorsätzlich oder grob fahrlässig verursacht wurden. Die Abrechnung der Feuerwehreinsätze infolge der festgefahrenen Autos im Hochwassergebiet erfolge anhand des jeweiligen Einsatzberichtes. „Sofern Absperrungen umfahren oder nicht beachtet wurden, werden dem Verursacher die Kosten für den Feuerwehreinsatz in Rechnung gestellt.“ Wie hoch die zu veranschlagenden Summen dann sein werden, dürfte sich im Einzelfall ergeben. Erst im Sommer 2023 hatte die Stadt Meppen allerdings die Gebühren für Hilfseinsätze erhöht: Ein Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau kostet pro Stunde 50 Euro, ein kleines Feuerwehrfahrzeug 240 und ein großes 300 Euro pro Stunde. Wichtig: Für Menschen in unverschuldeter Notlage fallen diese Gebühren nicht an beziehungsweise werden von Versicherungen getragen.

Feuerwehr hat absolut kein Verständnis

Der Kreisfeuerwehrsprecher Jens Menke warnt weiter eindringlich davor, die Sperren im Hochwassergebiet nicht ernst zu nehmen: „Für Autofahrer ist das Wasser extrem gefährlich, die Strömung wird unterschätzt.“ Für jene, die absichtlich Sperren umfahren, hat Menke absolut kein Verständnis: „Sie gefährden sich, aber auch die Rettungskräfte.“ Bei einem der Fälle in Meppen habe nicht mal ein geländegängiges Fahrzeug der Bundeswehrfeuerwehr von der WTD 91 zum Auto und seinem Fahrer vordringen können. Letztlich habe man zwei eigene Feuerwehrleute in Spezialanzügen einsetzen müssen, um den Mann zu retten. Sie waren selbst dabei angeleint, um nicht abgetrieben zu werden.

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