Vertrag bis 2026 verlängert  Ade Lehrerzimmer – Ostfriesin bleibt Fußball-Trainerin in Bern

| | 10.01.2024 16:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Imke Wübbenhorst hat bei den Young Boys Bern einen Vertrag bis zum Sommer 2026 unterschrieben. Foto: YB Bern
Imke Wübbenhorst hat bei den Young Boys Bern einen Vertrag bis zum Sommer 2026 unterschrieben. Foto: YB Bern
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Die Auricherin Imke Wübbenhorst trainiert die Damen von Young Boys Bern. Vom Schuljob war sie freigestellt worden. Nun musste sie sich entscheiden und wählte Kabine statt Klassenzimmer.

Aurich/Bern - Die Frau von der Nordseeküste wird nun endgültig heimisch in den Schweizer Bergen. Fußball-Lehrerin Imke Wübbenhorst aus Aurich wird ihren im Sommer auslaufenden Vertrag bei den Frauen der Young Boys Bern bis Juni 2026 verlängern. „Ich habe einen tollen Vertrag bekommen und freue mich, hier unter Super-Bedingungen weiter arbeiten zu können“, sagt die 35-Jährige. Die Konditionen wurden verbessert. Selbst über ein Dienstfahrzeug darf sie sich nun freuen. Die Ostfriesin entschied sich mit ihrer Unterschrift nun auf lange Sicht für Kabine und Trainerbank und gegen das Klassenzimmer. Denn als Gymnasiallehrerin in Bad Zwischenahn hatte sie sich für drei Jahre freistellen lassen. Mehr ist derzeit nicht möglich.

Damit verzichtet sie nun auf eine gesicherte Beamtenlaufbahn und sucht das schwer planbare Abenteuer im Fußball-Geschäft – zumindest vorerst. Denn ein Hintertürchen zum Lehrerzimmer möchte sie sich offen lassen. „Ich habe jetzt alle meine Abschlüsse den Schweizer Behörden vorgelegt.“ Sollte die Equivalenz-Prüfung von Erfolg gekrönt sein, könnte die Fußballlehrerin irgendwann einmal Schweizer Mädchen und Jungen unterrichten.

Hintertürchen zur Schule bleibt offen

Parallel hat Wübbenhorst auch noch einen Antrag auf Verlängerung der Freistellung vom Lehrerjob in Bad Zwischenahn gestellt und zudem bei der Landesschulbehörde offiziell angefragt, ob eine spätere Rückkehr ins Beamtenverhältnis vielleicht doch möglich sein könnte – in Zeiten akuten Lehrermangels könnten sich möglicherweise auch starre Regularien ändern.

Imke Wübbenhorst genoss nach Weihnachten mit ihrem Partner ein paar Tage auf Norderney. Foto: Privat
Imke Wübbenhorst genoss nach Weihnachten mit ihrem Partner ein paar Tage auf Norderney. Foto: Privat

Aktuell zieht sie aber nichts zurück nach Deutschland oder Ostfriesland. Sie ist in doppeltem Sinne verliebt in Bern. „Die Stadt, die Berge, das kulturelle Angebot – das ist alles wunderschön hier.“ Und darüber hinaus gibt es dort auch einen Mann an ihrer Seite, wie Imke Wübbenhorst ganz offen erzählt.

Auch privates Glück gefunden

Sie hat in Bern mit Urs ihr privates Glück gefunden. Die Fußballtrainerin ist in der 130.000-Einwoner-Stadt also verzückt auf allen Ebenen. Nach Weihnachten schaute sie mit ihrem Partner auch in Ostfriesland vorbei und entspannte auf Norderney. „Urs war begeistert von unserer Region und der Nordsee.“

Nach der Rückkehr in die Schweiz begann für die Auricherin am Montag die Trainingsvorbereitung auf den zweiten Saisonteil. Mit den Frauen von Young Boys Bern befindet sie sich auf Erfolgskurs. Bevor sie ihre Tätigkeit aufnahm, gehörten die „Girls“ der Young Boys zu den schwächeren Teams der Schweizer Super League. Unter Imke Wübbenhorst ging es kontinuierlich bergauf.

Mit Bern geht es bergauf

Aktuell rangiert das Team auf Platz vier und ärgert mit bescheidenen Mitteln bereits die großen Drei aus Zürich, Genf und Basel. Der finanzielle Unterschied zu den Topteams spiegelt sich natürlich auch im Kader wider. „Bei Servette Genf und FC Basel spielen fast nur ausländische Fußballerinnen“, sagt die 35-Jährige. „Und beim FC Zürich ist quasi fast die ganze Schweizer Nationalmannschaft unter Vertrag.“

Die Aufgabe der Ostfriesin ist es, junge Einheimische bei den Young Boys zu formen. „Wir haben auch zwei Amerikanerinnen, eine Rumänin und ein paar Deutsche“, erklärt sie. „Aber die Basis bilden 18 Schweizerinnen, die fast alle aus unserer Jugend stammen.“ Imke Wübbenhorst soll diese Talente fördern und entwickeln. „Wir sind noch kein Topteam, aber wir nähern uns oben an.“

Das dankt der Verein seiner ehrgeizigen Trainerin nun mit einem attraktiven Vertrag. Die Ostfriesin verdient auf der Trainerbank des Erstligaklubs weitaus mehr als im Klassenzimmer eines deutschen Gymnasiums. Und obendrein liebt sie ihren Fußballjob über alles. Besser könnte es für Imke Wübbenhorst gar nicht laufen als aktuell in Bern.

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