Osnabrück Von Murakami bis Rushdie: Fünf Romane für die Lust auf das Lesen
Was bringt der Bücherfrühling 2024? Bei Frostgraden träumen Literaturfreunde bereits von spannenden Leseerlebnissen. Prominente Autoren bringen neue Bücher heraus – von Salman Rushdie bis Isabel Allende.
Für Romantiker: Ob ihm der Literaturnobelpreis noch einmal zugesprochen wird? Den eingefleischten Fans von Haruki Murakami wird das vielleicht sogar egal sein. Sie verschlingen Buch um Buch des japanischen Romanciers. Ihr Warten auf ein neues Buch von Murakami hat am 12. Januar 2024 ein Ende. Dann erscheint bei Dumont der stattliche 640 Seiten starke neue Roman „Die Stadt und ihre ungewisse Mauer“. Murakami erzählt darin von einem 17-Jährigen, der eine Stadt betritt, in die nur gelangt, wer seinen Schatten zurücklässt. Der namenlose Erzähler verliebt sich in ein Mädchen, wechselt wieder in die Welt jenseits dieser Mauer, wird Buchhändler, hat andere Liebschaften. Seine eigentliche Sehnsucht zieht ihn immer wieder in jene geheimnisvolle Stadt. Murakami erzählt wie gewohnt auf der Grenze von Realität und Fantasie von der Liebe und ihrer Macht, von der Sehnsucht nach Vereinigung und der Angst vor der Aufgabe des Ich. Haruki Murakamis neues Werk wird nicht nur seine Fans begeistern. Ein Buch der Saison?
Für Nachdenkliche: Mit seinem Buch „Unsichere Heimat“ hat C. Bernd Sucher gerade das derzeit maßgebliche Buch über das Leben der Juden in der Bundesrepublik Deutschland vorgelegt. Der Band bietet eine nüchterne Bestandsaufnahme des Projekts der Erinnerungskultur, die helfen sollte, das Andenken an den Holocaust zu pflegen. Jetzt folgt Suchers Roman zum Thema. In „Rahels Reise“ erzählt er von fünf Generationen der Großfamilie Cohen. Der Reigen spannt sich von der Emigration der Cohens in die USA bis zur Rückkehr Rahel Cohens nach Fürth in das Land der Mörder. Sie erfüllt damit einen Wunsch ihrer Mutter – und ahnt nicht, dass diese Rückkehr auch zu einem bis dahin bestens gehüteten Familiengeheimnis führen wird. C. Bernd Sucher, Autor und vormals Theaterkritiker der Süddeutschen Zeitung, verwebt in seinem Buch Fiktion mit der eigenen Familienbiografie. Einen Aufruf zur Humanität kündigt der Secession-Verlag an, in dem das 350 Seiten starke Buch am 24. Februar 2024 erscheinen wird.
Für Hartgesottene: Wie macht ein Autor aus einem Attentat, das er selbst nur knapp überlebt, große Literatur? Salman Rushdie ist die Antwort auf diese Frage zuzutrauen. Er selbst kam im August 2020 nur knapp mit dem Leben davon, als bei einer Lesung ein islamistischer Attentäter auf ihn einstach. Die Fatwa, die Todesdrohung, die Irans Ajatollah Chomeini über ihn wegen seines Romans „Die satanischen Verse“ 1989 verhängt hatte, schien ihn eingeholt zu haben. Rushdie gesundete, verlor bei dem Angriff allerdings auch ein Auge. Jetzt erscheint bei Random House „Knife“, jenes Buch, mit dem Rushdie die Erlebnisse des Attentats verarbeitet. Eine Geschichte über Angst, Dankbarkeit und Versöhnung kündigt der Verlag für den 16. April an. Ein Buch als schärfste Waffe gegen die Gewalt der Radikalisierten? Ein Roman als Antwort auf Hass und Intoleranz? Viele werden gespannt sein – und lesen.
Für Mitfühlende: Samuel Adler ist sechs Jahre alt, als er von seiner Familie getrennt wird, Anita Diaz sieben, als ihr das gleiche Schicksal widerfährt. Beide Male geht es um Flucht und Vertreibung, um Kinder, die von ihren verfolgten Eltern allein auf eine gefahrvolle Reise geschickt werden. Der Unterschied zwischen den Geschichten der Kinder: Der kleine Samuel soll der Verfolgung der Nationalsozialisten entgehen. Anita hingegen flieht mit ihrer Mutter vor der Gewalt in El Salvador. Acht Jahrzehnte liegen zwischen den Geschichten der beiden Kinder. Isabel Allende verwebt beide Schicksale in ihrem neuen Roman „Der Wind kennt meinen Namen“, der am 15. April bei Suhrkamp erscheinen wird. Der Fokus: Eine brutale Einwanderungspolitik sorgt in beiden Fällen dafür, dass Kinder in immer größere Gefahr geraten. Auf 335 Seiten will Allende den anspruchsvollen Spagat zwischen der Verfolgung der Nationalsozialisten und den Flüchtlingen der Gegenwart schaffen. Ein gewagtes erzählerisches Experiment.
Für Kämpfernaturen: Er war der Inbegriff des Kampfes gegen die Mafia: der Untersuchungsrichter Giovanni Falcone. Als er 1992 einem spektakulären Bombenattentat zum Opfer fällt, avanciert er zur Symbolfigur des Kampfes gegen das organisierte Verbrechen. Falcone, seine Frau Francesca und drei Personenschützer starben bei der Detonation eines Sprengsatzes, der sogar ein Stück der Autobahn zerstörte, auf dem der Konvoi des Juristen unterwegs war. Roberto Saviano publiziert mit „Falcone“ seinen Roman über den Mafia-Jäger bei Hanser. Der Autor, mit dem Buch „Gomorrha“ berühmt geworden, widmet sein literarisches Leben dem Kampf gegen die Mafia. Sein neues Buch „Falcone“ erscheint am 19. Februar. Der Autor, der selbst seit Jahren unter Polizeischutz und an wechselnden Aufenthaltsorten lebt, schreibt nicht nur über den Juristen Falcone, sondern auch über den Freund und Ehemann, den Menschen Falcone. Ein spannender Roman, der deutlich macht, dass der Kampf gegen Verbrechen und Korruption niemals enden, Zivilcourage immer gefragt sein wird.