USA  „Gott gab uns Trump“: Wen Trump mit dieser bizarren Wahlwerbung erreichen will

Lara Schmidt
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Von Lara Schmidt
| 08.01.2024 21:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ex-US-Präsident Donald Trump will bei der nächsten Präsidentschaftswahl antreten. Ob es dazu kommen wird, ist noch unklar. Foto: dpa/AP/Charlie Neibergall
Ex-US-Präsident Donald Trump will bei der nächsten Präsidentschaftswahl antreten. Ob es dazu kommen wird, ist noch unklar. Foto: dpa/AP/Charlie Neibergall
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Trump sei von Gott geschickt, um die USA zu retten – das besagt eine neue Wahlwerbung, die der Ex-US-Präsident kürzlich in seinem Netzwerk Truth Social geteilt hat. Was wie ein bizarres Fan-Projekt wirkt, könnte in den USA bei bestimmten Gruppen auf viel Anklang stoßen.

In zehn Monaten ist in den USA Präsidentschaftswahl. Sowohl Amtsinhaber Joe Biden als auch möglicher Alternativkandidat Donald Trump betreiben Wahlkampf – und das obwohl Trump derzeit ein möglicher Vorwahl-Ausschluss droht. Nun hat der ehemalige US-Präsident auf seinem eigenen sozialen Netzwerk Truth Social ein neues Video geteilt, das ursprünglich ein Fanprojekt war. Er untertitelte den Post mit den Worten „Gott schuf Trump“ – einem Zitat aus dem Kurzvideo.

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Der knapp drei Minuten lange Clip zeigt zu Beginn die Erde aus der Weltraum-Perspektive und schwenkt dann um auf Donald Trump als Protagonisten. Während Bilder aus seiner Kindheit und Videoausschnitte aus seiner Amtszeit über den Bildschirm laufen, ertönt eine dunkle Erzählerstimme, die Trump als von Gott gesandten Messias verkündet: „Am 14. Juni 1946 schaute Gott auf sein geplantes Paradies herab und sagte: Ich brauche einen Verwalter. Also gab Gott uns Trump.“

Im weiteren Verlauf des Videos werden einige Eigenschaften aufgezählt, die der Ex-Präsident erfülle und weswegen er als Gottes „Verwalter“ auserwählt wurde. So arbeite er ständig, um die Krisen des Landes zu lösen, und unterbreche diese hohe Belastung lediglich durch ein kleines Abendessen, um danach bis spät in die Nacht für das Land weiterzuarbeiten.

Auch vor gängigen Verschwörungsideologien macht das Video keinen Halt. So würde der vermeintliche Messias den Schattenstaat („Deep State“) in den USA bekämpfen, der im Hintergrund die Politik regulieren würde. Außerdem soll Gott Trump gesandt haben, um gegen Fake News vorzugehen, die im Video mit dem Sündenbild der Giftschlange verglichen werden.

Nach jeder Aufzählung von Trumps Aufgaben und vermeintlich heldenhaften Taten formuliert der Sprecher den Satz „Gott schuf Trump“. Damit spielt das Video auf die Schöpfung des Menschen nach Gottes Ebenbild in der Bibel an.

Auch wenn diese Darstellung von Trump als Messias bizarr wirken mag, ist dieser Zusammenhang nicht neu. So glauben zahlreiche weiße Evangelikale, dass Gott eine zentrale Rolle in allen bisherigen Präsidentschaftswahlen gespielt hat. Ausgenommen davon sei nur Präsident Obama – ihn sehen sie als Satans Botschafter an.

Diverse Untersuchungen von Politikwissenschaftler Paul Djupe von der Denison University bestätigen, dass große Teile der US-Amerikaner überzeugt sind, dass Trump als Retter der USA von Gott gesandt wurde. Demnach glaubten kurz vor den Zwischenwahlen im Oktober 2020 ganze 30 Prozent der US-Amerikaner an diese Verbindung, während es im März 2023 noch 13 Prozent waren.

Die nachfolgende Grafik zeigt, wie die Wähler in den Swing States bei einer Präsidentschaftswahl zwischen Joe Biden und Trump abstimmen würden:

Die Zahlen zur Verbindung zwischen Gott und Trump machen deutlich, worin der Zweck des Werbespots liegt: Er zielt auf weiße, christliche Wähler ab und soll diese davon überzeugen, dass bei einer erneuten Wahl von Trump die USA gerettet werden.

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