100. Geburtstag  Veenhusenerin Renny Eilers lässt sich nicht unterkriegen

| | 09.01.2024 06:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Renny Eilers ist ein waschechtes Arbeitstier. Foto: Terhorst
Renny Eilers ist ein waschechtes Arbeitstier. Foto: Terhorst
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Das Bestattungshaus Eilers in Veenhusen hat am 9. Januar einen Grund zur Freude: Großmutter Renny feiert ihren 100. Geburtstag. Im Gespräch mit dieser Zeitung berichtet sie aus ihrem Leben.

Veenhusen - Bestatter sind im Sterbefall die erste Kontaktadresse. Sie versorgen und überführen die Verstorbenen, kümmern sich um die Formalitäten und entlasten damit die Hinterbliebenen. Das gilt auch für die Familie Eilers aus Veenhusen.

Renny und ihr Mann Johann Eilers gründeten das Bestattungsunternehmen im Jahr 1969. Das Paar war schon damals eine Institution, denn zuvor betrieben die beiden eine Bau- und Möbeltischlerei. Zunächst stellten sie nur die Särge her, Ende der 60er Jahre übernahmen sie dann auch die Überführungen zum Friedhof per Pferdefuhrwerk und die Bestattungen selbst.

Tief verwurzelt in Moormerland

Renny Eilers wurde am 9. Januar 1924 in Boekzetelerfehn geboren. Im Alter von vier Jahren zog sie mit ihren Eltern nach Veenhusen. Mit ihrem Vornamen war sie nie zufrieden. „Bis heute bekomme ich Briefe, die an ‚Herrn Eilers‘ adressiert sind“, berichtet die Hundertjährige.

Aufgewachsen mit zwei jüngeren Geschwistern, beendete sie im Jahr 1938 die Schule. „Ich hatte eine tolle Handschrift. Wir haben ja noch Sütterlin geschrieben“, erklärt sie stolz. Bei Kriegsbeginn ein Jahr später wurden sowohl ihr jüngerer Bruder als auch ihr Vater, der bereits im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte, eingezogen. Ihr Bruder starb zwei Monate vor Kriegsende in den Niederlanden. Das hat die Familie aber erst spät erfahren: Über 30 Jahre lang galt er als vermisst. Der Vater kehrte 1947 aus der Kriegsgefangenschaft zurück und verstarb 10 Jahre später. „Mein Vater konnte sich wegen der ganzen Kriege nie wirklich um seine Familie kümmern“, berichtet Renny Eilers. Kurzerhand blieb den Frauen also nichts anderes übrig, als selbst Hand anzulegen: „Wir haben viel durchgemacht, aber auch viel gemeistert.“

„Ich war ein richtiges Arbeitstier“

Renny Eilers war zunächst Haustochter. Im Gegensatz zu ihren Geschwistern hat sie keine Lehre absolviert. Trotzdem kennt sie sich mit harter Arbeit aus, denn damals lebte die Familie von der Torfstecherei. „Wäre ich woanders in Stellung gewesen, hätte ich es sicher leichter gehabt. Stattdessen wurde mir meine Jugend geraubt. Aber gejammert habe ich nie“, erklärt die Hundertjährige. Sie sei mit Schippe und Spaten ein richtiges Arbeitstier gewesen: „Früher hatte ich so viel Kraft.“

1948 heiratete sie Johann Eilers, den sie aus der Schule kannte. Zusammen haben sie drei Kinder, einen Sohn und zwei Töchter. Noch vor dem 30. Hochzeitstag starb Johann Eilers an einem Magengeschwür und Renny Eilers wurde mit 52 Jahren zur Witwe.

Seit über 50 Jahren im Bestattungsgeschäft

Unterkriegen lassen hat sie sich jedoch nicht. Mit dem Bestattungsunternehmen war sie viel unterwegs. Für die Überführung von Toten ist sie nach Hamburg, Berlin, Köln und sogar bis an den Bodensee gefahren. Um diese Fahrten überhaupt anbieten zu können, machte Renny Eilers im Alter von 54 Jahren noch den Führerschein. Außerdem brachte sie mit über 70 Jahren den Mut auf, aus der ehemaligen „Hohen Schule“ an der Veenhusener Koloniestraße das heutige Bestattungshaus zu machen. „Das war damals eine Ruine“, berichtet Eilers. Sie selbst sei dort zur Schule gegangen und viele im Ort seien ihr bis heute dankbar, dass sie das Gebäude aus dem Jahr 1911 im Originalstil erhalten und restauriert habe.

Renny Eilers‘ Unermüdlichkeit setzt sich fort: Noch bis ins neue Jahrtausend arbeitete sie im Betrieb mit. Dann übernahm ihr Sohn Jörg-Hendrik Eilers zusammen mit seiner Frau Elke das Unternehmen. Mit dem Eintritt von deren Tochter Imke ist mittlerweile auch die Enkel-Generation ins Familiengeschäft eingestiegen.

Eine Feier im kleinen Kreis

Normalerweise begeht Renny Eilers ihren Geburtstag alle fünf Jahre etwas größer, zum 95. Geburtstag habe es noch eine Feier gegeben. Mittlerweile ginge das aber nicht mehr: „Ich wäre ein gemachter Mann, wenn ich keinen Schwindel hätte.“ Gefeiert wird also Zuhause, im Kreise der Familie. Auch hoher Besuch schaut vorbei: Eine Pastorin der örtlichen Gemeinde und der Ortsbürgermeister Dietmar Fecht werden der Jubilarin persönlich gratulieren. „Er nennt mich immer ‚Meine zweitbeste Freundin‘“, sagt Renny Eilers und lacht. Mittlerweile sei sie die Älteste im Ort.

Wie sie sich ihre eigene Beerdigung vorstellt? „Ich werde ganz normal im Sarg auf dem Friedhof beerdigt.“ Wichtig sei ihr nur, dass ihr Sohn keine Andacht halten müsse. Das solle an dem Tag lieber jemand anderes übernehmen. „Der Herrgott hat es immer gut mit mir gemeint. Ich hoffe, er lässt mich friedlich einschlafen, wenn es so weit ist.“

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