Vereinsserie  Für Mitglieder des Rhauderfehner Vereins ist Angeln nicht nur Fische fangen

Clarissa Scherzer
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Von Clarissa Scherzer
| 08.01.2024 17:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Nach dem Auswerfen der Angel heißt es hoffen und warten. Foto: Scherzer
Nach dem Auswerfen der Angel heißt es hoffen und warten. Foto: Scherzer
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Der Fischereiverein Rhauderfehn ist aktiv in der Jugendarbeit. Das Hobby zieht junge Menschen an.

Rhauderfehn - Es ist ungemütlich. Der Hahnentanger See in Rhauderfehn liegt verlassen da. Nur ein paar Wasservögel tummeln sich am Ufer. Und eine Gruppe junger Mitglieder vom Fischereiverein (FV) Rhauderfehn. Sie tragen Gummistiefel und feste Jacken. Im Gepäck haben sie alles, was sie fürs Angeln benötigen. Darunter faltbare Stühle, Kescher, Angeln sowie Boxen mit Köder. Nachdem alles aufgebaut wurde, geht es los. Mit Schwung werden die Angeln ausgeworfen. Dann heißt es warten und hoffen, dass der eine oder andere Fisch anbeißt. Felix Wahrheit (15) ist auch mit dabei. Er ist seit zehn Jahren im Fischereiverein Rhauderfehn und seit zwei Jahren aktiver Angler. Schon als kleines Kind begleitete er seinen Vater zum Angeln am Hahnentanger See und begeisterte sich für das Hobby.

Infokasten

Name: Fischereiverein Rhauderfehn e.V.

Geschäftsstelle: Am Bahnhof 1, 26817 Rhauderfehn

Öffnungszeiten: freitags und montags 16:30 – 18.00 Uhr

Gründung: 1935

Mitglieder: ca. 1520

Mitgliedsbeitrag: Herren 50 Euro, Damen 20 Euro, Jugend 15 Euro (jährlich)

Vorsitzender: Torsten Kramer

Kontaktdaten: 0151 - 416 014 35

E-Mail: vorstand@fv-rhauderfehn.de

Homepage: fv-rhauderfehn.de

„Ich habe zugeschaut. Das ist nicht langweilig. Ich finde es schön, die Natur zu beobachten. Bei Papa habe ich das erste Mal einen Fisch gefangen. Das ist mit Adrenalin verbunden, mit Spannung, ob man den Fisch auch bekommt“, beschreibt der 15-Jährige den Reiz. Für sein Equipment, wie Karpfenrute, Fliegenrute, Spinnrute, hat er ein Extrazimmer. Das Meiste davon bezahlte er vom Taschengeld. Auch Vanessa Peters (15) nimmt regelmäßig am Vereinsleben teil. Sie ist seit zehn Jahren dabei und seit fünf Jahren Mitglied. Durch ihren Großvater kam sie zum Angeln. Das Hobby bringt ihr Nervenkitzel, Freude und Entspannung. „Wenn es ein etwas größerer Fisch ist, merke ich viel Adrenalin. Jedes Mal, wenn ich einen Fisch an Land hole, freue ich mich. Angeln ist aber auch Entspannung“, findet Vanessa.

Die Ausbildung der Jugend ist wichtig (von links): Anna-Lena Peters (12), Matthias Peters (47), Vanessa Peters (15), Therese Peters (41), Tim Erlenborn (15), Marlon Junge (12), Felix Wahrheit (15), Leif Kramer (13) und Frank Poelker (45). Foto: Scherzer
Die Ausbildung der Jugend ist wichtig (von links): Anna-Lena Peters (12), Matthias Peters (47), Vanessa Peters (15), Therese Peters (41), Tim Erlenborn (15), Marlon Junge (12), Felix Wahrheit (15), Leif Kramer (13) und Frank Poelker (45). Foto: Scherzer

Viele Angebote für Jugendliche

Für Felix, Vanessa und die anderen jungen Mitglieder des Vereins ist Jugendwart Frank Poelker (45) zuständig. Interessierte Jugendliche sind als Gast willkommen. Gemeinsam mit einem Team aus erfahrenen Mitgliedern plant und organisiert Poelker für die 10 bis 18-Jährigen Vereinsmitglieder das ganze Jahr über Veranstaltungen. Darunter Ferienpassangebote, Jugendzeltlager im Sommer, Meereswochenende an der Ostsee und Freundschafts- und Nachtangeln. Bei allem steht die Gemeinschaft im Vordergrund. Die Angebote sind zahlreich und vielfältig, da der Rhauderfehner Verein dem Angelfischerverband im Landesfischereiverband Weser-Ems angeschlossen ist.

Angeln ist nicht nur Männersache. Foto: Scherzer
Angeln ist nicht nur Männersache. Foto: Scherzer

So können sowohl vereinsinterne Aktionen an den 13 Vereinsgewässern, als auch Verbundveranstaltungen an weiteren Gewässern stattfinden. Die Angebote werden gut angenommen. In den Wintermonaten vermitteln erfahrene Mitglieder dem Nachwuchs Theorie und Praxis in Form von Seminaren. „Etwa 15 bis 20 Jugendliche nehmen an den Veranstaltungen durchschnittlich teil. Darunter sind auch Mädchen und jüngere Geschwister“, erläutert der Jugendwart und betont: „Man muss ein starkes Team hinter sich haben.“ Hilfe kommt unter anderem von seinem Stellvertreter Matthias Peters sowie von Eltern der jungen Mitglieder.

Hege und Pflege von Gewässern

„Jugendliche sind im Fischereiverein Rhauderfehn immer aktiv, sie haben im Verein einen hohen Stellenwert“, bringt der erste Vorsitzende Torsten Kramer auf den Punkt. Er hat den Vorsitz in vierter Generation inne und ist seit 33 Jahren im Vorstand. Aktuell befindet sich der Fischereiverein im Umbruch. „Ältere Semester müssen aus Altersgründen ersetzt werden. Das ist ein laufender Prozess. 25- bis 30-Jährige rücken nach.“ Die Digitalisierung wird vorangetrieben. Vorstandsmitglieder sind mit Notebooks ausgestattet. Alle Daten sind auf dem Server. Die Homepage wurde komplett erneuert. „Das war 2023 ein großes Projekt. Es hat viel Zeit in Anspruch genommen. Das bildet deutlich einen Mehrwert für die Zukunft und Richtung Nachhaltigkeit“, so Kramer. Etwa 500 bis 600 Stunden jährlich leistet der Vorsitzende ehrenamtliche Vereinsarbeit. Der Reiz für ihn liegt darin, dass es viel Spaß macht und der Aufgabenbereich vielseitig ist.

Leif Kramer (13) setzt Kunstwürmer zum Anlocken der Fische ein. Foto: Scherzer
Leif Kramer (13) setzt Kunstwürmer zum Anlocken der Fische ein. Foto: Scherzer

„Angeln ist nicht nur Fische fangen, sondern auch aktiver Umwelt- und Gewässerschutz, Hege und Pflege von Gewässern und der Artenvielfalt, Gewässermonitoring sowie aktive Jugendarbeit. Wir haben die Fischereirechte, es ist ein Pachtgewässer. Wenn uns was auffällt, informieren wir die Gemeinde. Da nehmen wir kein Blatt vor dem Mund“, umreißt Kramer die Vereinsbereiche, in denen auch mit der Gemeinde Rhauderfehn zusammen gearbeitet wird. Beim Gewässermonitoring beispielsweise messen Vereinsmitglieder Sauerstoffgehalt, pH-Wert sowie Nitratbelastung an Vereins- und Gemeindegewässer. Im Frühjahr und Sommer, wenn Fischsterben droht, agiert der Verein zusammen mit Vertretern der Gemeinde. So werden mit Hilfe der Feuerwehr Fische bei Sauerstoffarmut in sauerstoffreiche Gewässer umgesetzt. Regelmäßig finden auch Umwelttage mit Müllsammelaktionen und Gewässerpflege im Einklang mit der Natur statt. Torsten Kramer: „Ohne Gewässerpflege wachsen die Gewässer zu. Außerhalb der Brut- und Setzzeit pflegen wir den Inselbereich vom Hahnentanger See. Dort gibt es zahlreiche Brutstätten, die die Jugendlichen säubern. Wir möchten die Jugendlichen auch an Umwelt- und Naturschutz heranführen, dass sie da etwas mitnehmen.“

Fischerprüfung ist wichtig

Dass Angeln nicht nur Angeln ist, zeigt sich auch an der umfassenden Fischerprüfung, die zum Ausüben des Hobbys ab 14 Jahren erfolgreich abgelegt werden muss. Erst dann bekommt man den in Niedersachsen gesetzlich vorgeschriebenen Erlaubnisschein zum Angeln. Themen aus den Bereichen allgemeine Fischkunde, Gesetzeskunde, Gerätekunde, spezielle Fischkunde und Gewässerkunde werden behandelt. Neben der bestandenen Prüfung darf Respekt und Achtung nicht fehlen. „Man sollte schon naturverbunden sein, man angelt, um danach den Fisch zu verwerten. Es ist ein Lebewesen, dem man entsprechend Respekt und Achtung zollen sollte. Das muss man manchmal den Kindern und Jugendlichen klar machen“, weiß Torsten Kramer aus Erfahrung.

Vereinsvorsitzender Torsten Kramer präsentiert die neu gestaltete Vereinshomepage. Foto: Scherzer
Vereinsvorsitzender Torsten Kramer präsentiert die neu gestaltete Vereinshomepage. Foto: Scherzer

Grundsätzlich wird jeder, der die Voraussetzungen erfüllt, im Verein aufgenommen. „Er muss einen Nachweis der Fischerprüfung haben. Bei groben Verstößen wird das Mitglied sofort aus dem Verein ausgeschlossen. Zum Beispiel bei Angeln mit lebenden Ködern, das ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Aber das ist äußerst selten.“

Schwarzangeln: eine Straftat

Ein weiterer Aufgabenbereich des Vereins ist die Ausführung der Fischereiaufsicht an den Wieken der beiden Fehn-Gemeinden. Der Verein schlägt der Gemeinde qualifizierte Mitglieder dafür vor, die von der Gemeinde ernannt werden. Sie sind zuständig für die Kontrolle der Vereins- und Gemeindegewässer, stellen Gesetzesverstöße in Form von Schwarzangelei fest und nehmen Daten für eine Anzeige auf. „Um Angeln zu gehen, braucht jeder einen Erlaubnisschein. Schwarzangeln ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat,“ betont der erste Vorsitzende.

Der Fischereiverein (FV) Rhauderfehn hat seine Geschäftsstelle Am Bahnhof 1. Foto: Scherzer
Der Fischereiverein (FV) Rhauderfehn hat seine Geschäftsstelle Am Bahnhof 1. Foto: Scherzer

Für zukünftige Anglerinnen und Angler bietet der Fischereiverein zweimal jährlich einen Ausbildungslehrgang zur Fischerprüfung an, der im Anglerheim am Hahnentanger See durchgeführt wird. Am 6. Februar 2024 startet ein neuer Kurs. Plätze sind noch frei.

Verein hat mehr als 1500 Mitglieder

Angeln ist nicht allein Männersache. Oft sind die Partnerinnen der Mitglieder mit vor Ort. Etwa 15 Prozent der Fischereivereinsmitglieder sind Frauen. „Das ist ein Trend, das wird jedes Jahr mehr“, freut sich Kramer. Auch darauf ist das Vereinsangebot abgestimmt. So gibt es ausgewiesenes Damen- und Seniorenangeln. Anfeindungen oder Pöbeleien erleben die aktiven Vereinsmitglieder selten. Die Akzeptanz von Anglern und Anglerinnen ist in der Region groß, so Kramer. „In dieser Region hatte Fischen schon immer eine hohe Bedeutung, deswegen ist die Akzeptanz auch da“, sagt der Vereinsvorsitzende. „Wir haben über 1500 Mitglieder. Wir sind in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Ein großer Teil davon ist aus Rhauderfehn, Ostrhauderfehn und näherer Umgebung.“ Der Verein hat auch Mitglieder aus ganz Deutschland, die mit der Region verbunden sind.

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