Osnabrück Jule und Hauke kommen sich näher: „Nord bei Nordwest“ feiert Karnevalsparty in der Zwischenwelt
Zum Jahresanfang gibt es immer fangfrische Krimiware von der Ostsee. Im Januar zeigt das Erste drei neue Folgen aus der beliebten Reihe um Polizist und Tierarzt Hauke Jacobs. Werden Jule und Hauke endlich ein Paar?
Er hat es wieder gemacht. Hinnerk Schönemann, der in der erfolgreichen Krimireihe „Nord bei Nordwest“ seit 2014 die Hauptrolle verkörpert, hat erneut bei einer Folge Regie geführt. In „Der doppelte Lothar“, den das Erste als zweite von drei neuen Folgen ausstrahlt, konnte sich Schönemann nach eigenem Bekunden mehr auf die eigene Handschrift konzentrieren.
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„Ich hatte mehr Vertrauen in meine Arbeit und konnte Neues wagen. Diese Folge wollte ich zu großen Teilen unbedingt im 70er-Jahre-Look inszenieren. Meine Intuition sagte mir, dass dieser Retro-Stil zu der Geschichte von Holger Karsten Schmidt um einen Mann mit zwei Leben passt“, sagt Schönemann. Schmidt, der auch der Erfinder der Reihe um den ehemaligen verdeckten LKA-Ermittler und jetzigen Tierarzt und Polizisten ist, zeigt wieder einmal, dass er ein hervorragender Autor ist. Und er erfüllt dem „beruflichen Allrounder“ Mehmet Ösker (Cem Ali Gültekin) einen großen Traum: ein Praktikum bei der Polizei! Ösker sieht sich schon als neuer Dienststellenleiter, der alles koordiniert und die Wache perfekt im Griff hat.
Alle drei neuen Folgen könnten unterschiedlicher nicht sein, was den Reiz der Reihe ausmacht. Auch wenn die Charaktere dieselben sind – die Farbe der Filme und damit auch das Spiel der Figuren ist immer wieder anders. Dass sich „Nord bei Nordwest“ diese Freiheit nimmt und nicht in immer gleiche Stereotypen verharrt, ist die größte Stärke. Dies wird insbesondere in der Folge „Die letzte Fähre“ deutlich.
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Bei einer Schießerei mit dem aus dem Gefängnis geflohenen Mörder Wigald Tomke wird Hauke lebensbedrohlich verletzt. Als er anschließend auf seinem Boot wieder zu sich kommt, wirkt zunächst alles wie immer. Doch schon bald bemerkt Hauke, dass die Welt, wie er sie ursprünglich kannte, völlig auf dem Kopf steht. „Was für ein verrückter Film, in dem sich zwei im Koma liegende Männer in einer Zwischenwelt begegnen“, bemerkt Tomke-Darsteller Milton Welsh.
So kommen sich in diesem von Autor Niels Holle erdachtem großen Spaß mit Tiefgang und schwarzem Humor, nicht nur Hauke und Jule näher als je zuvor, sondern alle Schwanitzer nehmen andere Rollen ein. „Als wir uns alle in der jeweils anderen Berufskleidung gegenüberstanden, hatten wir das Gefühl, auf einer Karnevalsparty zu sein“, erinnert sich Stephan A. Tölle, der eigentlich den Bestatter Töteberg gibt, hier aber als Kriminaltechniker daherkommt.
Zu Beginn der „Schwanitzer Festspiele“ wird die 12-jährige Waise Paula zufällig Augenzeugin eines Schusswechsels, bei der eine Frau getötet wird. Da sie gesehen wurde, muss Paula um ihr Leben fürchten. Das Mädchen traut sich aber nicht, zur Polizei zu gehen, denn die beiden Täter haben sich als Polizisten verkleidet. Für Regisseurin Steffi Doehlemann ist „Kobold Nr. 4“ ein „hartes, fesselndes, aber auch durchaus komisches Thriller-Märchen“ geworden.
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„Nord bei Nordwest“ nimmt in der deutschen Krimilandschaft eine besondere Rolle ein und steht für intelligent gemachte Krimiunterhaltung. Trotz hanebüchener Geschehnisse im beschaulichen, fiktiven Schwanitz bleiben Handlung und Figuren stets glaubhaft und in sich stimmig. Dies liegt zum einen an den liebevollen Inszenierungen, zum anderen an den stets überzeugenden schauspielerischen Leistungen des Ensembles. Langeweile kommt in dieser Reihe nicht auf – vor allem nicht, solange das „Ménage-à-trois“ zwischen Hauke, Jule und Hannah nicht geregelt ist.
Die Folge „Kobold Nr. Vier“ wird am Donnerstag, 4. Januar, um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Am 11. und 18. Januar folgen „Der doppelte Lothar“ und „Die letzte Fähre“.