Kriegserinnerung  Papierkrippe von 1942 existiert bis heute

Hans Werner
|
Von Hans Werner
| 27.12.2023 13:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Aus Feldpostkarten hat Wilhelm Schrand 1942 diese Krippe für eine Weihnachtsfeier an der Front gebastelt – und sie anschließend an seine Eltern in Neuscharrel geschickt. Foto: Werner
Aus Feldpostkarten hat Wilhelm Schrand 1942 diese Krippe für eine Weihnachtsfeier an der Front gebastelt – und sie anschließend an seine Eltern in Neuscharrel geschickt. Foto: Werner
Artikel teilen:

Manchmal sind die einfachsten Dinge besonders eindrucksvoll: Bernd und Maria Schrand in Neuscharrel haben eine Krippe, die 1942 an der Front von ihrem Onkel Wilhelm Schrand gebastelt wurde.

Neuscharrel - Als Bernd und Maria Schrand zu Weihnachten ihre Krippe im Wohnzimmer aufgebaut haben, gingen ihre Gedanken wie jedes Mal auch an eine ganz besondere Krippe: die Papierkrippe ihres verstorbenen Onkels Wilhelm Schrand. Er hat sie vor 80 Jahren gebastelt – vermutlich 1942 für eine Weihnachtsfeier mit seinen Kameraden an der Front im Ausland. Danach hat er die Krippenfiguren mit der Feldpost an seine Eltern geschickt.

Wilhelm Schrand wurde am 17. Juli 1921 als Sohn des Bauern und Schmiedemeisters Bernhard Schrand und seiner Ehefrau Margaretha im Friesoyther Ortsteil Neuscharrel geboren. Nach dem Besuch der Volksschule besuchte er die Klosterschule des Maristenkloster in Meppen und wechselte 1939 auf die dortige Oberschule für Jungen. Hier legte er im März 1941 die Reifeprüfung ab und wurde danach zur Wehrmacht eingezogen. Wo genau er Soldat war, lässt sich trotz Nachforschungen in mehreren Archiven nicht eindeutig klären – vermutlich an der Westfront. Als Soldat des Heeres wurde er zwei Jahre später zum Offizier ernannt.

Bewerbung für Theologiestudium im Oktober 1945

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs geriet Wilhelm Schrand in amerikanische Gefangenschaft. In seinem Lebenslauf schreibt er, dass er von Juni 1945 bis zu seiner Entlassung am 9. Oktober 1945 am „Seminarleben“ der Theologen im Gefangenlager teilgenommen hat. Mit einem Schreiben bewarb er sich direkt nach seiner Entlassung um die Aufnahme in das Bischöfliche Priesterseminar Borromaeum Münster, um Theologie zu studieren.

Wilhelm Schrand im Rahmen seiner Primiz. Foto: Werner
Wilhelm Schrand im Rahmen seiner Primiz. Foto: Werner

Wie die weihnachtliche Feier der Soldaten im Schützengraben war, muss unserer Vorstellung überlassen bleiben. Der Winter 1942 war in Europa eisig, die Sehnsucht nach der Heimat war, besonders an einem Tag wie Weihnachten, sehr groß. Von Wohlbefinden und Freude konnte keine Rede sein, auch wenn die Wehrmacht den Soldaten zum Fest in euphorischen Propagandameldungen erfolgreiche Schlachten vorgaukelte. Und ob es sich um eine stille Nacht gehandelt hat, mag man auch bezweifeln.

Zwei von vier Söhnen kehrten aus dem Krieg heim

Fügt man die Fragmente der bedruckten Rückseiten zusammen, so kann man daraus ein Zitat von Adolf Hitler bilden: „Was die Front opfert, das kann überhaupt durch nichts vergolten werden.“ Dies ist einer von über tausend Sprüchen von NS-Führungskräften, die wöchentlich im Radio und in den Zeitungen verbreitet wurden. Beim obigen Zitat handelt es sich um den Wochenspruch der NSDAP vom 7. bis 13. Dezember 1941. Leider weiß niemand, warum Wilhelm Schrand die Krippenfiguren nach Hause schickte. Sollten sie eine bleibende Erinnerung sein? Wollte er den sich sorgenden Eltern damit andeuten, mir geht es gut, ich konnte sogar Weihnachten feiern? Oder war es ein Sinnbild seines starken christlichen Glaubens, verbunden mit der Hoffnung auf Rettung?

Anlässlich der Primiz von Wilhelm Schrand (vordere Reihe, 3. von rechts) versammelt sich die Familie zum gemeinsamen Erinnerungsfoto: Foto: Werner
Anlässlich der Primiz von Wilhelm Schrand (vordere Reihe, 3. von rechts) versammelt sich die Familie zum gemeinsamen Erinnerungsfoto: Foto: Werner

Die Familie Schrand musste im Zweiten Weltkrieg große Opfer hinnehmen. Während Wilhelm unversehrt aus dem Krieg zurückkehrte und nach dem Theologiestudium als Kaplan und Vikar in Emstek, Vechta und Delmenhorst sowie als Pfarrer in Oldenburg wirkte, kam sein Bruder Heinrich mit einer schweren Armverletzung heim. Der älteste Bruder Hermann ist 1945 gefallen, und der jüngere Bruder Theodor ist seit 1943 im Osten vermisst.

Ähnliche Artikel