Hamburg/Berlin/Kiel  Bahn sperrt ICE-Strecke Hamburg-Berlin deutlich länger als geplant

Henning Baethge
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Von Henning Baethge
| 26.12.2023 16:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auf Bahnreisende zwischen Hamburg und Berlin kommen schwere Zeiten zu. Aber auch auf der Strecke Hamburg-Lübeck drohen Probleme. Foto: Bodo Marks
Auf Bahnreisende zwischen Hamburg und Berlin kommen schwere Zeiten zu. Aber auch auf der Strecke Hamburg-Lübeck drohen Probleme. Foto: Bodo Marks
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Die geplante Generalüberholung der Bahnstrecke Hamburg-Berlin dauert deutlich länger als gedacht. Statt sechs Monate wird die Trasse daher neun Monate vollgesperrt. Der Kieler Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen übt harte Kritik.

Die ICE-Strecke zwischen Hamburg und Berlin wird deutlich länger gesperrt als bisher geplant. Insgesamt mehr als ein Jahr lang werden demnächst keine Züge auf der viel befahrenen Linie zwischen den beiden größten Städten Deutschlands verkehren können. Das geht aus einer Ankündigung der Deutschen Bahn hervor.  

Zwar ändert sich an der Streckensperrung wegen der nächstes Jahr anstehenden Erneuerung von 100 Weichen und 74 Kilometer Gleisen nichts – sie soll vier Monate dauern, vom 16. August bis 14. Dezember 2024. Doch die im Folgejahr vorgesehene Vollsperrung und Generalsanierung der gesamten 280 Kilometer langen Strecke wird mehr Zeit brauchen als gedacht.

Wie die Bahn mitteilt, wird die Sanierung nicht wie ursprünglich geplant nur vom 6. Juni bis zum 13. Dezember 2025 dauern. Vielmehr sei „ein neuer sowie längerer Zeitraum für die Erneuerung und Modernisierung von Schienennetz und Bahnhöfen erforderlich“. Die Strecke werde nun „zwischen August 2025 und April 2026 saniert“ – und damit noch zwei bis drei Monate länger gesperrt als bisher angekündigt.

Grund dafür sei, dass sich bei den „Detailplanungen und in Abstimmung mit der Bauindustrie Anpassungen im ursprünglich vorgesehenen Bauablauf ergeben haben“. Das betreffe „insbesondere den Bereich der Leit- und Sicherungstechnik und die Gesamtumbaumenge im Oberbau“. Die Strecke Hamburg-Berlin zählt mit täglich 230 Zügen und bis zu 30.000 Reisenden zu den wichtigsten in Deutschland.

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen übt deutliche Kritik an der Ankündigung der Bahn. „Für mich wachsen damit die Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Sanierungskonzepts“, sagt CDU-Politiker Madsen.

Nicht nur würden die Reisenden zwischen Hamburg und Berlin unter den Folgen der nun länger dauernden Vollsperrung leiden. „Das hat auch neun Monate lang erhebliche Auswirkungen auf die Pendlerinnen und Pendler zwischen Lübeck und Hamburg und obendrein auf den Lübecker Hafen“, warnt Madsen. 

Zwar werden die Fernzüge zwischen Hamburg und Berlin über Stendal  oder Hannover umgeleitet – sie brauchen dann mindestens 45 Minuten länger. Doch viele Regionalbahn-Reisende aus dem Südosten Schleswig-Holsteins und aus Mecklenburg-Vorpommern, die nach Hamburg wollen, müssen dann über Lübeck nach Hamburg fahren. Dadurch wird diese ohnehin stark frequentierte Verbindung zusätzlich belastet.

„Ohne die Schaffung tauglicher Umleitungsstrecken wird die zweifelsfrei notwendige Generalsanierung dem Bahnsektor in Deutschland mehr schaden als nützen“, kritisiert Madsen daher. Dass die Bahn einen „hochwertigen Schienenersatzverkehr“ einrichten könne, bezweifle er.

Später soll auch die Strecke Lübeck-Hamburg generalüberholt werden. Die Bahn will sie dazu in der zweiten Jahreshälfte 2027 für voraussichtlich fünf Monate komplett sperren.

Zunächst nicht saniert wird dagegen die ebenfalls stark belastete Linie Kiel Hamburg. Auch daran übt Madsen Kritik: „Diese Verbindung gehört zu den Strecken mit der schlechtesten Infrastruktur-Qualität im Land – sie müsste schnellstmöglich einer vorgezogenen Hochleistungsinstandhaltung unterzogen werden.“

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