Osnabrück Krawalle zu Silvester? Jetzt nicht verallgemeinern!
Krawalle an Silvester? Die sind zu befürchten, sollten aber nicht dazu führen, voreilige Schlüsse zu ziehen. Stattdessen ist es Zeit für Zivilcourage.
Man sollte sich keine Illusionen machen: In der Silvesternacht sind, egal wie gut die Sicherheitsbehörden vorbereitet sind, wieder vor allem in Großstädten Straftaten zu erwarten. Appelle werden diejenigen, die Gewalt ausleben wollen, nicht aufhalten. Die Frage ist nun, inwieweit der Staat die Lage im Griff haben wird und inwieweit Populisten etwaige Taten anschließend für ihre Zwecke nutzen und Stimmung machen.
Immerhin lässt sich, Stand jetzt, glücklicherweise festhalten: Trotz hoher Terrorgefahr sind die deutschen Weihnachtsmärkte in diesem Jahr verschont geblieben. Und nach Hinweisen auf Anschlagspläne auf den Kölner Dom wurden zwar zu Recht die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Weihnachtsgottesdienste massiv erhöht, passiert ist aber auch hier zum Glück oder vielleicht wegen der aufmerksamen Beobachtung von Gefährdern nichts. Stattdessen haben viele Menschen in den vergangenen Wochen mit Freunden, Familie und Kollegen schöne Stunden bei Glühwein und Bratwurst verbracht und sich die Weihnachtsfreude nicht von der Bedrohungslage verderben lassen. Gut so!
Nun steht Silvester vor der Tür. In diesem Jahr mischen sich in das leider übliche Aggressionspotenzial zusätzlich noch massive Trauer, Angst und Wut rund um den Krieg in Nahost. Da mag sich der ein oder die andere ebenfalls hilflos und wütend fühlen. Und ja, Angriffe auf Feuerwehrleute und Polizisten sind nicht zu entschuldigen und sinnlose Gewalt lässt viele zu Recht ratlos zurück. Allerdings kann jeder Einzelne auch hier etwas tun und nicht automatisch in Verallgemeinerung und Abwertung verfallen. Eine rethorische Eskalationsspirale verbessert nichts mit Blick auf mögliche Gewalt rund um Silvester. Denn Aggressionen wurzeln in diesen Tagen nicht nur im Nahostkrieg, sondern bei Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland auch in der täglichen Erfahrung von Rassismus und Benachteiligung, in einem Gefühl von Unterlegenheit und Nicht-ernst-genommen-werden. Was hilft? Begegnung, Austausch, Gespräche auf obersten politischen Ebenen wie in der Schule und in Vereinen vor Ort.