Osnabrück Weihnachten: Ohne Werte geht es nicht. Aber welche?
Welche Rolle spielt die Kirche zu Weihnachten? Vielleicht predigt sie nicht nur Nächstenliebe, sondern hat in diesen Tagen auch einmal selbst Milde und Barmherzigkeit verdient, meint unser Chefredakteur Burkhard Ewert.
Papst und Bischof haben vielen Menschen als moralische Instanz ausgedient. Einige ihrer Lehrsätze stehen im Widerspruch zu den Erwartungen der Zeit; andere halten der Vatikan und seine Vertreter selbst nicht ein. Die evangelische Kirche irritiert ebenfalls. Schwerter zu Pflugscharen und „linke Wange, rechte Wange“ erscheinen wie Parolen der Vergangenheit. Heute halten es einflussreiche Geistliche für geboten, möglichst viele Waffen zu liefern. Aber: Braucht es diese Instanzen überhaupt, um universale christliche Werte zu schätzen und zu leben? Nächstenliebe? Anstand? Respekt vor der Natur und jeder Kreatur?
Könnte es nicht eine Idee sein, einen eigenen Kompass zu entwickeln? Warum nicht Familienwerte definieren? Warum nicht welche für sich selbst? Sie können auf der Bibel fußen, auf eine andere Religion zurückgehen, aber auch eine wilde Mischung sein, aus einem Abenteuerroman stammen, oder, warum nicht, dem Leben einer beeindruckenden Persönlichkeit entspringen. Ein Ziel wird sie einen: Ein guter Mensch sein zu wollen. Das dürfte der kleinste gemeinsame Nenner aller Vorsätze sein, egal woher, egal wohin, und darauf kommt es an. Das ist es übrigens, wonach letztlich auch die Kirchen streben. Und so sind es vielleicht sie, die Barmherzigkeit heutzutage nicht nur spenden, sondern zu Weihnachten auch einmal selbst verdienen. Verlag und Redaktion wünschen Ihnen ein frohes Weihnachtsfest!