Sydney  Gina Rinehart: Von der Eisenerz- zur Lithiumkönigin

Barbara Barkhausen
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Von Barbara Barkhausen
| 24.12.2023 07:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die reichste Frau Australiens heißt Gina Rinehart. Einst Eisenerzmagnatin, will sie nun das Lithiumgeschäft erobern. Foto: imago images/Richard Wainwright
Die reichste Frau Australiens heißt Gina Rinehart. Einst Eisenerzmagnatin, will sie nun das Lithiumgeschäft erobern. Foto: imago images/Richard Wainwright
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Gina Rinehart ist die reichste und eine der umstrittensten Frauen Australiens. Ihren Reichtum verdankt sie in erster Linie dem Eisenerz. Doch jetzt setzt sie verstärkt auf Lithium, ein wichtiges Metall für Batterien von Elektrofahrzeugen.

Sie glaubt nicht an den Klimawandel, will aber doch aus der Energiewende und der Elektrifizierung Profit schlagen: Gina Rinehart, Australiens reichste Frau und Bergbaumagnatin, die dank Eisenerz ein Milliardenvermögen angesammelt hat, setzt derzeit verstärkt aufs Lithium.

Die 69-Jährige, die laut „Forbes“ über 27 Milliarden US-Dollar (knapp 25 Milliarden Euro) besitzt und damit auch einer der wohlhabendsten Menschen der Welt ist, hat gemeinsam mit der chilenischen Firma SQM ein Angebot über 1,7 Milliarden Australische Dollar, umgerechnet rund eine Milliarde Euro, für den westaustralischen Lithiumproduzenten Azure Minerals abgegeben.

Die Anleger dürfte dies freuen: Sie können damit 3,70 Dollar (2,30 Euro) pro Aktie mit nach Hause nehmen und das obwohl die Azure-Aktien zeitweise für weniger als 30 Cent (unter 20 Euro-Cent) gehandelt wurden. Das Angebot wird deswegen vom Vorstand von Azure unterstützt.

Lithium ist eines der Metalle, das für die Herstellung von Batterien für Elektrofahrzeuge essenziell ist. Das Übernahmeangebot von Rineharts Firma Hancock Prospecting reiht sich in eine Flut von Deals für das begehrte Metall in Westaustralien ein. Ein Grund dafür ist vermutlich, dass die Lithiumpreise in den letzten zwölf Monaten stark gefallen sind, nachdem die weltweite Verkaufsrate von Elektrofahrzeugen angesichts steigender Zinssätze und Lebenshaltungskosten hinter den Erwartungen zurückblieb. Dies hat die Unternehmen zeitweise geschwächt und damit zu idealen Übernahmekandidaten für den neuen Lithiumhunger von Rinehart werden lassen.

Vor dem Azure-Deal hat die Milliardärin sich bereits mit 19,9 Prozent am Lithium-Produzenten Liontown Resources beteiligt. Damit hat sie dem US-amerikanischen Lithium-Konzern Albemarle und dessen Offerte über 6,6 Milliarden Australische Dollar (umgerechnet über vier Milliarden Euro) ein Bein gestellt, der eigentlich ebenfalls in die Lithium-Lagerstätten Australiens investieren wollte. Zuvor hatte Rinehart sich auch schon bei der im westaustralischen Perth ansässigen Firma Vulcan Energy Resources eingekauft, die ein Lithium- und Geothermieprojekt im deutschen Rheintal entwickelt.

Dass Rinehart so viel Geld locker machen kann, liegt an dem enormen Reichtum, den sie und zuvor schon ihr Vater Lang Hancock mit diversen Investments angesammelt haben. Hatte ihr Vater noch verstärkt aufs Eisenerz gesetzt, so begann die Tochter, das Imperium zu diversifizieren und den Reichtum damit nochmal deutlich zu mehren.

Neben dem Eisenerz investierte sie in Kohle, Kupfer, Kali, Gold, Immobilien, Milchprodukte und Vieh. Ihr Konzern ist der zweitgrößte Rinderproduzent Australiens und einer der größten Landbesitzer. Zeitweise versuchte die in Australien durchaus umstrittene Milliardärin auch, in der Medienindustrie mitzumischen. Unter ihrer Führung entwickelte sich die Gruppe zu einem der erfolgreichsten Privatunternehmen in der Geschichte Australiens.

Jetzt hat die Australierin mit dem Lithium eine neue Passion gefunden und ihre Investments lassen schon jetzt vermuten, dass sie von der Eisenerz- zur Lithiumkönigin umsatteln will. Dabei hat sie ähnlich gute Voraussetzungen wie einst ihr Vater mit dem Eisenerz. Da aus diesem Stahl gewonnen wird – ein für den Bau von Hochhäusern und Infrastruktur wichtiges Material – konnte er die enormen westaustralischen Vorräte während des Modernisierungshungers in großen Teilen Asiens „vergolden“ – erst mit Geschäften mit Japan, dann mit Korea und später mit China.

Und auch beim Lithium ist Australien wieder ähnlich gut aufgestellt: So ist das Land schon heute der weltweit größte Lithiumlieferant – im Bundesstaat Westaustralien wird die Hälfte des weltweiten Lithiums aus dem Boden geholt. Neben dem Lithium sind aber auch andere essenziell wichtige Rohstoffe für die Energiewende und die Elektrifizierung in Australien vorhanden wie Nickel, Kobalt, Mangan und seltene Erden. In letztere investiert Rinehart neben ihrem Lithiumhunger ebenfalls schon.

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