Essen und Gemeinschaft  Leeraner Suppenküche hilft seit 25 Jahren den Bedürftigen

Jonas Bothe
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Von Jonas Bothe
| 21.12.2023 08:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Helferinnen und Helfer der Suppenküche – rechts im Bild Insa Junker – geben seit 25 Jahren sonntags Essen an ihre Gäste aus. Foto: Ortgies
Die Helferinnen und Helfer der Suppenküche – rechts im Bild Insa Junker – geben seit 25 Jahren sonntags Essen an ihre Gäste aus. Foto: Ortgies
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Am 1. Advent im Jahr 1998 gab es in der Christuskirchengemeinde erstmals ein Essen für Bedürftige. Seit 25 Jahren gibt es dort für die Gäste eine Mahlzeit in besonderer Atmosphäre.

Leer - Schön eingedeckte Tische, Kartoffelsalat und Würstchen, eine Andacht, Musik und Geschenke: Für die Gäste, die in diesem Jahr an Heiligabend in das Katharina-von-Bora-Haus in der Leeraner Oststadt kommen, wird der Nachmittag ein besonderes Ereignis sein.

Das Team der Suppenküche der Christuskirchengemeinde kann erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie wieder Bedürftige zu einer Feier in die Räume am Hoheellernweg einladen. „Wir erwarten etwa 100 Gäste“, sagt Else Bierbrauer, Leiterin des Organisationsteams der Suppenküche, im Gespräch. Auch Pastorin i.R. Sigrid Duhm-Jäckel freut sich darauf, endlich wieder eine Andacht feiern zu können. „Es ist immer sehr berührend an Heiligabend“, sagt die Initiatorin und Schirmherrin der Suppenküche. Diese feiert in dieser Adventszeit ihr 25-jähriges Bestehen.

Die Leiterin des Organisationsteams der Suppenküche, Else Bierbrauer (stehend links), sowie Initiatorin und Schirmherrin Sigrid Duhm-Jäckel begrüßen am Sonntag, 17. Dezember 2023, die Gäste. Foto: Ortgies
Die Leiterin des Organisationsteams der Suppenküche, Else Bierbrauer (stehend links), sowie Initiatorin und Schirmherrin Sigrid Duhm-Jäckel begrüßen am Sonntag, 17. Dezember 2023, die Gäste. Foto: Ortgies

Die Anfänge der Suppenküche in Leer

„Es war damals ein bitterkalter November“, erinnert sich Duhm-Jäckel. Im Gottesdienst in der Christuskirche seien viele Menschen gekommen, die offensichtlich auf der Straße lebten. „Die kamen zum Aufwärmen“, sagt die ehemalige Pastorin. „Ich habe mir gedacht: ,Wir können diese Menschen nicht wieder in die Kälte zurückschicken.‘“ So sei die Idee entstanden, ein Essen zu organisieren. Ihr erster ehrenamtlicher Helfer war Michael Rohde. Er unterrichtete an der BBS Klassen für Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk. „Ich habe ihn gefragt, ob seine Schüler nicht für die Suppenküche kochen könnten?“, sagt Duhm-Jäckel. Rohde wollte – und auch der Landkreis als Schulträger und der Kirchenvorstand stimmten zu.

Ein Bild aus dem November 2000. Helfer Michael Rohde (links) gibt einem Gast Essen aus. Im Hintergrund ist Helferin Ilse Kerkow zu sehen. Foto: Fertig/Archiv
Ein Bild aus dem November 2000. Helfer Michael Rohde (links) gibt einem Gast Essen aus. Im Hintergrund ist Helferin Ilse Kerkow zu sehen. Foto: Fertig/Archiv

Für 50 Personen sei beim ersten Termin, es war der 1. Advent 1998, Erbsensuppe gekocht worden. „Es kamen aber nur fünf Personen“, erinnert sich die Pastorin. Doch enttäuscht sei sie nicht gewesen. Seitdem werden Bedürftige jeden Sonntag von 11.30 bis 13 Uhr zur Suppenküche eingeladen. „Wir haben es ganz bewusst nach den Gottesdienst gelegt“, sagt Duhm-Jäckel. „Gottesdienst und der Dienst am Menschen gehören zusammen.“ Zehn Ehrenamtliche seien anfangs dabei gewesen, mittlerweile sind es rund 30.

Zahlreiche Förderer der Suppenküche

Doch es gab anfangs auch Kritik: „Wir hatten Ärger mit Menschen, die sehr erbost waren wegen des Projekts“, erinnert sich die Pastorin. Man habe in der Suppenküche mit Menschen zu tun, „die anders sind als wir“. Es habe viel Widerstand gegeben. Man habe auch nicht gewollt, dass Kirchensteuern oder Geld aus der Kollekte für das Projekt verwendet werde. Das sei aber nie vorgekommen. Die Suppenküche finanziert sich ausschließlich durch Spenden. „Das ist uns 25 Jahre lang gelungen“, betont Duhm-Jäckel – und fügt an: „Die Kritiker vom Anfang sind irgendwann zu Freunden der Suppenküche geworden.“

Auszeichnungen für die Suppenküche

Das Engagement des Suppenküchen-Teams ist nicht nur in Leer bekannt. 2005 wurde die Christuskirchengemeinde mit dem Siegel „Diakonische Gemeinde“ ausgezeichnet. „Wir waren damals die erste und einzige Gemeinde in Ostfriesland“, so Duhm-Jäckel. Mit dem Preisgeld habe man eine Fortbildung bei der Berliner Stadtmission für das ganze Team finanzieren können. 2009 wurde das ehrenamtliche Team von der SPD mit der Hermann-Tempel-Medaille ausgezeichnet.

Von denen gibt es mittlerweile sehr viele. „Wir haben großartige Unterstützer, sonst können wir es gar nicht machen“, betont Duhm-Jäckel – ob Service-Clubs, Firmen, Musiker oder Privatleute. Diese seien über ganz Deutschland verteilt.

Schwierige Zeit während der Corona-Pandemie

Die Suppenküche hat sich über die Jahre etabliert. Menschen, die auf der Straße leben, die unter Altersarmut leiden oder einfach einsam sind, kommen vorbei. In den ersten Jahren seien 20 bis 30 Personen gekommen. Zunächst habe es Suppen und Eintöpfe gegeben. Diese habe viele Jahre Hans-Jürgen Rauert geliefert, der im Hoheellernweg eine Schlachterei betrieb. Später kochte die Lebenshilfe für die Suppenküche. „Seit der Corona-Zeit werden wir nun vom Partyservice Timmen beliefert“, sagt Duhm-Jäckel. „Für viele Gäste ist das Essen ein Höhepunkt der Woche. Sie strahlen, wenn es etwas Leckeres zu essen gibt.“ Mittlerweile gebe es „richtige Hausmannskost – von Grünkohl, über Rouladen bis hin zu Gulasch.“

Sigrid Duhm-Jäckel (rechts) ist Initiatorin und Schirmherrin der Suppenküche. Else Bierbrauer leitet das Organisationsteam. Foto: Bothe
Sigrid Duhm-Jäckel (rechts) ist Initiatorin und Schirmherrin der Suppenküche. Else Bierbrauer leitet das Organisationsteam. Foto: Bothe

Die Corona-Pandemie sei auch für die Suppenküche eine schwierige Zeit gewesen. „Wir durften teilweise nichts Warmes ausgeben“, erinnert sich die Leiterin des Organisationsteams, Else Bierbrauer. In der Zeit sei das Essen hygienisch verpackt und portioniert geliefert worden. „Wir haben es dann aus den Fenstern zur Straße ausgegeben.“ An manchen Sonntagen seien 70 bis 80 Menschen gekommen.

Suppenküche in Leer hat weitere besondere Angebote

Mittlerweile ist wieder Normalität eingekehrt. „Wir machen es hier für unsere Gäste immer besonders. Sie sollen es schön haben in einer guten Gemeinschaft, in einer guten Atmosphäre“, sagt Bierbrauer – und Duhm-Jäckel fügt an: „Keiner soll nach Hause gehen ohne ein gutes Wort, ohne ein Segenswort.“

Henning Böke gibt einem Gast der Suppenküche Essen aus. Foto: Ortgies
Henning Böke gibt einem Gast der Suppenküche Essen aus. Foto: Ortgies

Neben den sonntäglichen Terminen gibt es auch besondere Angebote. So wurde eine Winterküche eingeführt. Diese findet von Oktober bis März zehn Mal mittwochs um 18 Uhr statt. Im Sommer wird zu einem Grillfest eingeladen. Ein wichtiger Termin steht an Heiligabend bevor. Dann wird um 16 Uhr im Katharina-von-Bora-Haus Weihnachten gefeiert. Der Lions-Club Ems-Leda-Jümme verschenkt Tüten mit Lebensmitteln und Pflegeprodukten. Zudem gebe es selbstgestrickte Socken, so Duhm-Jäckel. Die „Weihnachtsmützen“ sorgen für die Musik und jeder Gast bekommt ein Festmahl zum Mitnehmen. Sigrid Duhm-Jäckel wird die Weihnachtsbotschaft verkünden. „Das ist für mich immer sehr berührend“, sagt die Initiatorin der Suppenküche. „Gott ist solidarisch mit den Armen und deswegen sind auch wir solidarisch mit den Armen.“ Und das seit 25 Jahren.

Insa Junker (von links), Marie-Cruz van Santen und Henning Böke sind drei von rund 30 Ehrenamtlichen, die in der Suppenküche helfen. Foto: Ortgies
Insa Junker (von links), Marie-Cruz van Santen und Henning Böke sind drei von rund 30 Ehrenamtlichen, die in der Suppenküche helfen. Foto: Ortgies

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