Leer  Er lässt die Orgeln erschallen

Doris Zuidema
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Von Doris Zuidema
| 22.12.2023 09:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Michael Kammleiter ist Deutschlands bester Orgelbauergeselle. Er liebt die Arbeit mit verschiedenen Materialien und die Kombination von Handwerk und Musik. Foto: privat
Michael Kammleiter ist Deutschlands bester Orgelbauergeselle. Er liebt die Arbeit mit verschiedenen Materialien und die Kombination von Handwerk und Musik. Foto: privat
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Michael Kammleiter ist Deutschlands bester Orgelbauergeselle 2023. Der 22-Jährige hat im Leeraner Orgelbaubetrieb Ahrend gelernt. Für die Ausbildung zog er von Tansania nach Ostfriesland.

Leer - Michael Kammleiter ist Deutschlands bester Orgelbauergeselle. Der 22-Jährige, der im Leeraner Orgelbaubetrieb Jürgen Ahrend (Inhaber Hendrik Ahrend) gelernt hat, formte bei den „Deutschen Meisterschaften – German Craft Skills“ am besten eine Metallpfeife im Holzständer und heimste dafür 94 von 100 möglichen Punkten ein.

Der Reiz: Die Verbindung von Handwerk und Musik

Sein Weihnachtsfest verbringt Michael Kammleiter aber nicht etwa in einer ostfriesischen Kirche zu den Klängen einer mächtigen Orgel, sondern unter Palmen. Nach zwei Jahren sieht er erstmals seine Eltern in Tansania wieder – dort, wo er als Sohn eines Orgelbauers geboren wurde und aufgewachsen ist. „Statt eines Weihnachtsbaums stellen wir ein paar Zedern-Äste auf, das riecht auch ganz gut. Ähnlich wie in Deutschland sind das Zusammensein mit der Familie, das leckere Essen und der Gottesdienst das Wichtigste“, sagt er.

Der Beruf: Für die Ausbildung von Tansania nach Leer gezogen

Mit gerade einmal 18 Jahren zog Michael Kammleiter von Ostafrika nach Süddeutschland, um eine dreienhalbjährige Ausbildung zum Orgelbauer beim damals weltgrößten Orgelteile-Hersteller Laukhuff in Weikersheim (Baden-Württemberg) zu beginnen. „Durch meinen Vater war ich schon früh mit dem Instrument in Berührung gekommen“, berichtet er. „Mich hat die Verbindung von Handwerk und Musik gereizt“, sagt er. Doch der Lehrling hatte zunächst Pech. Die Traditionsfirma Laukhuff meldete Insolvenz an und musste schließen. So verschlug es Michael Kammleiter 2021 nach Leer, wo er beim Orgelbauer Hendrik Ahrend seine Ausbildung fortsetzen konnte.

Was ihn an diesem Beruf begeistert, ist die Vielseitigkeit. Verschiedene Materialen werden bearbeitet, vor allem Holz und Metall. „Beim Arbeiten ist Feingefühl gefragt“, sagt der junge Geselle. Welchen Ton eine Orgel erzeugt, hängt von der Form und vom Querschnitt der Pfeifen ab, wovon ein solches Instrument 10.000 und mehr haben kann. „Um eine gewünschte Klangfarbe zu erreichen, muss man zum Beispiel eine Metallplatte immer wieder biegen und klopfen, und dann immer wieder hören“, beschreibt er diese Tüftelei.

Beim Orgelbauer Ahrend werden historische Orgeln restauriert, aber auch neue Orgeln gebaut. „Was in der Werkstatt erledigt werden kann, wird in der Werkstatt erledigt“, berichtet Michael Kammleiter. Ein Orgelneubau wird beispielsweise komplett in der Ahrend-Werkstatt hergestellt und aufgebaut. Erst nach sorgfältiger Prüfung werden alle Teile eingepackt und verschickt.

Die Tüftelei: gießen, löten, biegen, klopfen, hören

Für den Wiederaufbau vor Ort sind die Orgelbauer dann außerhalb von Leer tätig. „Aber das dauert meistens nur ein, zwei Wochen“, sagt Kammleiter. Das ist nichts im Vergleich zum Orgelbau selbst, der gerne mal ein Jahr oder länger dauern kann. „Wir gießen sogar das Metall für die Pfeifen, eine Legierung aus Blei und Zinn, selber, rollen die Platten auf und löten sie zusammen“, berichtet er.

Der 22-Jährige hat seinen Traumberuf gefunden. „Ich will meinen Meister machen“, sagt er. Dafür gibt es nur eine einzige Berufsschule in ganz Deutschland – in Ludwigsburg (Baden-Württemberg), wo er dann am Blockunterricht teilnehmen wird. Und Orgel spielen will er noch besser lernen – bislang spielte er vorwiegend Klavier. In Ostfriesland gefällt es ihm ebenso wie in seinem Betrieb, in dem er weiterarbeiten möchte. Und so sehr er sich auf das Weihnachtsfest mit seiner Familie im tropisch-warmen Tansania freut, Michael Kammleiter wird zurückkehren ins feucht-kühle Ostfriesland mit seiner reichen Orgellandschaft.

Die Handwerkskammer Ostfriesland hat ihre besten Gesellinnen und Gesellen des Jahres 2023 geehrt. Mehr auf Seite 2.

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