Hamburg Von wegen lieblos: Gutscheine sind die Retter der friedlichen Weihnacht
Gutscheine haben einen schlechten Ruf, gelten als unpersönlich und lieblos. Dabei ist nichts schöner, als gemeinsame Zeit zu verschenken – und ein Stück Wahlfreiheit ist besser als ein ungeliebter Staubfänger.
Haben Sie eigentlich schon alle Weihnachtsgeschenke beisammen? Als großer Weihnachtsfan beginnt bei mir die Suche nach den perfekten Präsenten, sobald die Temperatur einstellig wird oder ich den ersten Lebkuchen im Supermarkt finde – je nachdem, was früher passiert. Inspiration finde ich in der Notizen-App meines Smartphones. Dort versuche ich das ganze Jahr über jeden noch so kleinen Hinweis auf Geschenkwünsche zu notieren – soweit der Plan.
Nur ist die Realität manchmal schneller als meine Planung, und so manches lang durchdachte Geschenk durfte ich wieder umtauschen, weil die zu beschenkende Person es sich längst selbst gekauft hatte. Pech gehabt! Zumal – je kleiner und praktischer der Wunsch ist, desto größer ist auch das Risiko.
Unangenehmer als den Austausch von Kassenbons an Heiligabend zwecks Umtausch empfinde ich nur das explizite Einfordern konkreter Geschenke, frei nach dem Motto: Ich schick dir die ISBN, dann machst du nichts falsch beim Bestellen. Der praktische Nutzen dahinter leuchtet ein: Wenn Nicht-Spieler eine Spielekonsole oder Teetrinker Siebträgermaschinenausgüsse verschenken sollen, landet schnell das „Falsche“ unter dem Baum. Es tut mir leid, aber ein klein bisschen Überraschung gehört in Sachen Geschenke zur Weihnachtsmagie dazu.
Warum dieses Jahr also nicht einfach Gutscheine verschenken? Briefumschläge unter dem Weihnachtsbaum mögen vielleicht nicht ganz so ästhetisch aussehen wie bunt eingepackte Päckchen, allerdings gibt es gute Argumente für Gutscheine: Im besten Fall sind sie ein Versprechen für eine schöne gemeinsame Zeit, im schlechtesten Fall sind sie genauso praktisch wie „bestellte“ Geschenke.
Damit ein Gutschein unter dem Baum zum Hit wird, muss er allerdings drei Kriterien erfüllen: Erstens muss er zum Beschenkten und seinen Interessen passen; der Köder muss schließlich dem Fisch schmecken. Einen Gutschein für ein Konzert zu verschenken, nur damit man selbst eine Begleitung hat, fällt nicht in die Kategorie; ein Gutschein für ein Konzert der Lieblingsband des Beschenkten schon. Gutscheine für Kulinarikkurse von Sushiwickeln bis Weinverkostung sind eine sichere Bank, können aber leicht beliebig wirken; je nischiger und individueller das Erlebnis, desto besser.
Zweitens muss der Gutschein einfach einzulösen sein: Frisch gebackenen Eltern nützt ein Gutschein für ein Wellness-Wochenende zu zweit nichts, wenn die Kinderbetreuung nicht geklärt ist; ein Wertgutschein für ein drei Stunden entferntes Geschäft wird nie eingelöst werden, egal wie schön die Produkte sind. Mit dem Einlösen eines Gutscheins ist ein gewisser Aufwand für den Beschenkten verbunden; diesen zu berücksichtigen und so klein wie möglich zu halten, wertet das Geschenk nochmal auf.
Drittens sollte der Gutschein so konkret wie möglich sein. Ein selbstgebastelter Gutschein für ein Wochenende in Prag ist eine tolle Idee – ohne jede weitere Konkretisierung aber dazu verdammt, eine Idee zu bleiben. Besser ist es, den Rahmen wie Hotel, Tickets, Anreise bereits (mit Stornooption) zu buchen, damit klar ist: Wir machen das wirklich.
Ein konkreter Erlebnisgutschein – ob für einen Ausflug ins Theater, in den Tierpark oder die Therme – gehört zu den schönsten Geschenken, die man bekommen kann. Schließlich ist nächste Woche Silvester, wenn viele wieder einander geloben, sich im kommenden Jahr mehr Zeit füreinander zu nehmen. Wie schön wäre es, mit einem solchen Lichtblick ins neue Jahr zu starten und den grauen Januar oder Februar aufzuwerten. In diesem Sinn: Frohe Weihnachten!