Berlin  Jens Spahn: Alle neuen Flüchtlinge nach Ghana oder Ruanda bringen

Tobias Schmidt
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Von Tobias Schmidt
| 17.12.2023 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Flüchtlinge aus Bangladesch an Bord eines Schiffes der italienischen Küstenwache. Foto: Image Images / ZUMA Wire
Flüchtlinge aus Bangladesch an Bord eines Schiffes der italienischen Küstenwache. Foto: Image Images / ZUMA Wire
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Was machen mit den Zehntausenden Migranten die derzeit illegal nach Europa kommen? Unions-Vize Jens Spahn hat eine Idee, um die Asylkrise zu lösen: Man sollte die Menschen nach Ghana, Ruanda oder europäische Länder außerhalb der EU bringen.

„Wenn wir das vier, sechs, acht Wochen lang konsequent durchziehen, dann werden die Zahlen dramatisch zurückgehen“, sagte Spahn im Gespräch mit unserer Redaktion. „Viele werden sich erst gar nicht mehr auf den Weg machen, wenn klar ist, dass dieser binnen 48 Stunden in einen sicheren Drittstaat außerhalb der EU führt.”

Der Drittstaaten-Vorschlag ist Kern des Migrationskonzeptes im Entwurf des neuen CDU-Grundsatzprogramms. Ziel seien „vertragliche Vereinbarungen, wonach Flüchtlinge dort ein Asylverfahren bekommen und im Falle der Schutzgewährung dort sicher bleiben können”, sagte Spahn. „Ruanda wäre wohl dazu bereit. Ghana möglicherweise auch. Auch mit osteuropäischen Ländern wie Georgien, Moldawien sollten wir sprechen.”

In der Genfer Flüchtlingskonvention stehe nicht, dass Schutz vor Kriegsverfolgung in der EU gewährt werden müsse, sagte Spahn. „Wenn wir dafür sorgen, dass Verfolgte einen sicheren Schutzraum bekommen, dort gut versorgt werden und ohne Angst leben können, dann ist das Ziel der Flüchtlingskonvention erfüllt.” 

Wenn sich Deutschland  in Europa dafür stark mache, „wird das mehrheitsfähig und mit einer Koalition der Willigen auch umsetzbar”, zeigte sich Spahn überzeugt. „Und wenn die Botschaft durchdringt, werden die Leute nicht mehr Schlepper und Schleuser bezahlen, sich nicht mehr auf diese gefährliche Mittelmeerroute begeben. Dann wird dieses fürchterliche Sterben enden und dann wird das Recht des Stärkeren – es kommen fast nur junge Männer – aufhören”, sagte der CDU-Politiker weiter. Und wenn es gelinge, die Migrationsprobleme zu lösen, „dann, da bin ich sehr sicher, verlieren auch die Radikalen an Zuspruch”.

Ein ähnliches Vorhaben verfolgt derzeit die britische Regierung um Premier Rishi Sunak. Sie will irregulär eingereiste Migranten ohne Prüfung ihres Asylantrags und ungeachtet ihrer Herkunft nach Ruanda schicken. Sie sollen dann dort um Schutz ersuchen. Eine Rückkehr nach Großbritannien ist nicht vorgesehen. Die Maßnahme ist juristisch wie politisch hoch umstritten.

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