Liebe in Ostfriesland Verliebt, verloren, wiedergefunden – eine ostfriesische Liebesgeschichte
Sie haben sich im Studium kennengelernt. Doch als Stephan Frenzel nach Brasilien zog, verlor sich der Kontakt zu Ellen Schröder. Es war Zufall, dass sie sich im richtigen Moment wiederfanden.
Uplengen - Verliebt, verlobt, verheiratet – und das am besten bis zum Lebensende. So werden die Beziehungen zwischen zwei Liebenden in vielen Märchen dargestellt. Dass das Ganze aber viel facettenreicher sein kann, zeigt sich im realen Leben immer wieder. Denn nicht immer läuft gleich alles wie am Schnürchen – und nicht immer findet man gleich den perfekten Partner fürs Leben. Davon erzählen auch Ellen Schröder, die für die Zeitungsgruppe Ostfriesland arbeitet, und Stephan Frenzel. Die beiden sind damit Teil einer unregelmäßig erscheinenden Serie dieser Zeitung. Seit acht Jahren sind Schröder und Frenzel ein Paar. Inzwischen sind sie verlobt und wohnen zusammen in einem Haus in Uplengen. Kennen tun sie sich schon seit 25 Jahren. Dass sie erst viel später zueinander gefunden haben, lag nicht daran, dass es nicht in den 90ern schon gefunkt hätte. Das Leben kam ihnen in die Quere.
Liebesgeschichten gesucht
Für eine Serie rund um das Thema Liebe braucht diese Zeitung Ihre Hilfe. Ob verloren geglaubte Liebe, Familienmitglieder, die unerwartet wiedergetroffen wurden oder einfach eine besondere Kennenlern-Geschichte: Wir suchen die schönsten Lovestorys aus Ostfriesland. Sie fühlen sich angesprochen oder kennen jemanden, dessen Geschichte in dieser Zeitung erzählt werden sollte? Dann schicken Sie gerne eine Mail an r.heinig@zgo.de.
„Wir haben damals beide an der Hochschule in Emden BWL studiert“, erzählt Frenzel. Der 52-Jährige ist in der Seehafenstadt aufgewachsen und war zwei Semester über Ellen Schröder. „Wir hatten nicht viel Kontakt, nur ein paar gemeinsame Freunde“, erzählt Schröder, die zu dieser Zeit für das Studium von Leer nach Emden gezogen war. „Ellen ist mir aber damals schon aufgefallen“, sagt Frenzel schmunzelnd und nimmt die Hand seiner Verlobten. „So war es auch bei mir. Ich habe Stephan schon in den Vorlesungen gesehen und wir haben uns sehr gut verstanden. Ich fand ihn echt toll“, sagt Schröder. Zu richtigen Verabredungen sei es trotzdem nicht gekommen. „Man war vielleicht mal einen Kaffee trinken oder feiern. Aber durch die Gruppendynamik waren wir nie lange alleine. Es kam immer jemand dazu, den wir kannten. Irgendwie sollte es damals nicht sein“, sagt sie.
15 Jahre kein Kontakt
Eine endgültiger Schlussstrich – so dachten sie – wurde unter eine mögliche Beziehung gezogen, als es für Frenzel ins Praxissemester ging. Nachdem er erst in Thüringen arbeitete, zog er für ein Jahr nach Brasilien. Der Kontakt verlor sich. „Ich habe aber noch etwas von Stephan bekommen: Lernstoff. Dabei war ein Zettel, auf dem stand: ,Ich hoffe, es erreicht dich noch rechtzeitig‘“, erzählt Schröder grinsend.
15 Jahre sollte es dauern, bis sich die Wege wieder kreuzen würden. „Wir haben beide unser Leben weitergelebt. Geheiratet, Kinder bekommen – uns von den damaligen Partnern scheiden lassen. Und dann kam das Jahr 2015, das für mich sehr herausfordernd war“, sagt Frenzel. Es war geprägt von einer schwierigen Scheidung. In diesem Jahr hatte der 52-Jährige zudem einen Schlaganfall, war eine Zeit lang halbseitig gelähmt. Im Oktober desselben Jahres verstarb seine Mutter. „Doch dann ging es wieder bergauf“, sagt er.
Eine kleine Nachricht war der Anfang
Denn: Im Dezember hatte er sich in Bremen mit alten Freunden aus dem Studium verabredet. „Ellen war nicht dabei. Aber natürlich spricht man in dem Kontext über die alte Zeit. Und dann kam sie mir wieder in den Sinn“, erzählt Frenzel. Der Gedanke an seine Schwärmerei aus der Studienzeit habe ihn nicht mehr losgelassen. „Also habe ich sie gegoogelt“, sagt er. Heraus kam eine Webseite der damaligen Arbeitsstelle von Schröder. „Da war ihr Foto und eine Mail-Adresse – zum Glück. Ich habe ihr direkt geschrieben“, so Frenzel. Bis die Nachricht ankam, dauerte es jedoch. „Was soll ich sagen, ich dachte erst das sei Spam. Zum Glück ist die Mail nicht gleich im Papierkorb gelandet“, sagt Schröder und lacht. „Dann ist mir der Name aufgefallen. Natürlich habe ich geantwortet“, fügt sie hinzu.
Es dauerte nicht lange, bis die Handynummern ausgetauscht wurden und das erste Treffen ausgemacht war. „Kurz vor Weihnachten haben wir uns an der Hochschule in Emden getroffen, der alten Zeiten willen. Ich war richtig aufgeregt“, verrät Schröder. Nach einem Rundgang durch die Hallen der Hochschule, anschließendem Weihnachtsmarktbesuch und einem gemeinsamen Abendessen war beiden klar: Da ist mehr. Schnell wurden die Kinder einander vorgestellt, 2019 zogen die Frenzel und Schröder zusammen nach Uplengen und verlobten sich.
„Für mich kam Ellen genau zur richtigen Zeit. Wer weiß, ob wir heute auch eine Beziehung mit so viel Wertschätzung führen würden, wenn es schon im Studium geklappt hätte“, sagt Frenzel. Schließlich hätten sich beide durch die vorigen Ehen erst zu dem Menschen, der sie heute sind, weiterentwickelt. „Es ist schon verrückt. Ich habe danach niemanden mehr gesucht und ausgeschlossen, nochmal einen Partner kennenzulernen“, sagt auch Schröder rückblickend. „Aber es kommt eben nicht darauf an, wer die erste große Liebe war, sondern wer die letzte große Liebe ist“, sagt sie.