Osnabrück  Greta Silver: Glück „hängt nicht davon ab, ob ein Knie klemmt oder die Hüfte eiert“

Justin Bernhard Hansman
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Von Justin Bernhard Hansman
| 11.12.2023 16:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Bestsellerautorin und Youtuberin Greta Silver hat zahlreiche Tipps und Tricks, um im Alter lebensfroh und neugierig zu bleiben. Foto: dpa/Lotta Fotografie
Die Bestsellerautorin und Youtuberin Greta Silver hat zahlreiche Tipps und Tricks, um im Alter lebensfroh und neugierig zu bleiben. Foto: dpa/Lotta Fotografie
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Von Krankheiten geplagt, an den Rollstuhl gefesselt und an Einsamkeit leidend: Viele Menschen fürchten sich vor dem Altern. Aber wie schafft man es, im Alter lebensfroh und neugierig zu bleiben und an tristen Tagen nicht den Lebensmut zu verlieren? Unsere Experten haben wertvolle Tipps.

So viel gute Laune wurde in einem Expertentalk wohl selten versprüht. Mit breiten Grinsen erzählte die bei Osnabrück aufgewachsene Bestsellerautorin und Youtuberin Greta Silver von ihrer Geschichte und wie die 75-jährige im Alter die Lebenslust nicht verliert.

In unserem Livetalk „Angst vor dem Altern: Wie Lebenslust nicht verloren geht“ mit unserem Moderator Michael Clasen gaben, neben der lebensfrohen Autorin, der Chefarzt der Klinik für Palliativmedizin am Franziskus-Krankenhaus Berlin und Osnabrücker Winfried Hardinghaus und unser Schwerpunkt-Reporter im Team Pflege, Tim Prahle, Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Sehen sie hier unseren Expertentalk in voller Länge:

Bestsellerautorin Greta Silver sagte, sie habe in ihrem Leben gemerkt, dass niemand für ihr Glück zuständig sei. Sie selbst trage die Verantwortung dafür. Sich mit Themen wie dem Altern, Gesundheit, Glück, aber auch dem Tod auseinanderzusetzen, das „ist Freiheit pur“ und schenke „enorm viel Energie“, so Silver.

Das Leben so zu akzeptieren, wie es sei und nicht den eigenen Wünschen und Träumen hinterherzutrauern, sei für das eigene Glück ein wichtiger Baustein. Zu schauen, was am heutigen Tag gemacht werden könne, „damit es ein schöner Tag wird“, erklärte Silver, bewirke schon sehr viel. Auch neugierig zu bleiben, könne das Glück im Alter befördern. Silver führte zudem eine Studie an, laut der Menschen mit einem positiven Bild des Alterns 7,6 Jahre länger leben würden. Wir würden so altern, „wie es dem Bild in unserem Kopf entspricht“, fasste Greta Silver zusammen.

Professor Winfried Hardinghaus erklärte, wenn man mit sich selber im Reinen sei, dann könne man auch im Alter glücklich und zufrieden sterben. Seine Erfahrung sei, dass sich die Menschen mit negativen Gefühlen und ständigem Beklagen auf schlechte Weise von der Welt verabschieden würden. Wenn man auch im Alter stattdessen mit positiven Gedanken und Gefühlen durchs Leben gehe, dann falle es einem auch leichter, dieses hinter sich zu lassen. Die größte Freiheit im Leben sei, so Hardinghaus, „am Ende gut gehen zu können“.

Schwierigkeiten im Alter müsse man positiv begegnen, fand Greta Silver. Es sei falsch zu glauben, dass ein Rollator bedeuten würde, nichts Neues im Leben mehr anfangen zu können. Ein Treppenlift sei „nichts anderes wie ein Ferrari“, stellte Silver fest. „Unsere Würde hängt nicht davon ab, ob ein Knie klemmt oder die Hüfte eiert“, so die Bestellerautorin.

Schwerpunkt-Reporter Tim Prahle fügte hinzu, dass auch das Thema Barrierefreiheit für die älteren Generationen wichtig sei. Ohne barrierefreie Bereiche würden Menschen mit Einschränkungen nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Das sei „eine Aufgabe, „die sich die gesamte Gesellschaft auch stellen kann“, hielt Prahle fest. Umso wichtiger sei es, so Hardinghaus, alte Menschen in die Gesellschaft zu integrieren und ihnen mit Wertschätzung zu begegnen.

Eine Wertschätzung beginne lange vor der Rente. Silver, die auch regelmäßig vor Unternehmen spricht, betont, wie wertvoll ältere Mitarbeiter auch im Vergleich zu gut ausgebildeten jungen Angestellten sein können. „Wer schon 40 Jahre handwerkert, kann besser damit umgehen, als der, der die Gebrauchsanweisung braucht“, so Silver. Die älteren Beschäftigten müssten auch Wertschätzung erfahren. Glücklicherweise müsse jetzt mehr auf solche Mitarbeiter gesetzt werden. „Dem Fachkräftemangel sei dank“, äußerte sich Silver.

Ein neues Phänomen sei zudem die Einsamkeit im Alter. Hardinghaus beobachte, dass viele Patienten alleinstehend seien, keine Freunde oder Familie mehr hätten. Immer mehr Menschen seien in Deutschland kinderlos, ergänzte Prahle. Alleine alt zu werden, sei unter anderem ein Grund dafür, warum manche im Alter unglücklich wären, stellte Hardinghaus fest. Dabei bedeute Einsamkeit nicht dasselbe wie Isolation. Man könne auch in einer Gemeinschaft von mehreren Menschen das Gefühl von Einsamkeit bekommen, fügte Prahle hinzu. Viele würden jedoch befürchten, so Greta Silver, der Familie im Alter zur Last zu werden.

Ein Weg, die Einsamkeit aufzufangen sei der Zusammenhalt der Familie, so Silver. Man wachse miteinander und aneinander. Familie sei in der Vergangenheit kaum so wichtig gewesen, wie sie heute sei. Man müsse schauen, welcher Beitrag selbst geleistet werden könne, um für ein harmonisches Miteinander zu sorgen.

Auf die Zuschrift einer Leserin, was getan werden könne, wenn die Stimmung trist und trüb sei, antwortet Silver: Zunächst räume sie auf. Denn äußere Ordnung schaffe bei ihr eine innere Ordnung. Gesunde Ernährung sei ebenfalls von Bedeutung. Süßigkeiten und Fast Food würde die Stimmung nicht langfristig verbessern.

Die Frage, die man sich stellen müsse, sei: „Was kann ich jetzt als Überraschung für jemand anderes tun?“, so Greta Silver. Der Fokus müsse nicht auf die eigene Wehleidigkeit gelegt werden. Gute Taten und Überraschungen für andere zu vollbringen, helfe einem selbst. Als Beispiel führte Silver das Ehrenamt an. Verschiedenste Vereine und Einrichtungen seien ideal, um anderen Menschen etwas Gutes zu tun.

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