Nabu-Weideprojekte sind Geschichte Was passiert mit den artenreichen Heckrinder-Weiden?
Die Beweidung mit Heckrindern und Koniks ist von den Nabu-Weiden im Landkreis Leer verschwunden. Aber wie sollen die Flächen, auf denen sich eine große Artenvielfalt entwickelte, nun genutzt werden?
Landkreis Leer - Auf den Weiden in Coldam und Thedingaer Vorwerk kann man derzeit ein paar Gänse beobachten, ab und zu stochern Silberreiher in den Wasserflächen nach Nahrung. Doch die Heckrinder und Koniks sind verschwunden. Die Weideprojekte des Nabu im Landkreis Leer sind damit Geschichte. Nachdem dort mehrere Tiere zu Tode gekommen und Haltungsprobleme bekannt geworden waren, hatte das Veterinäramt den Nabu aufgefordert, die Beweidungsprojekte zu beenden.
Was passiert mit den Weideflächen?
„Der Pachtvertrag läuft momentan weiter und es wird Gespräche mit der Stadt Leer geben, wie es weitergehen soll und kann“, sagte Dr. Holger Buschmann, Vorsitzender des Nabu Niedersachsen, auf Nachfrage. Die Stadt nutzt die 43 Hektar große Fläche im Bereich Thedingaer Vorwerk als Kompensationsflächenpool. Mit den Ausgleichsflächen werden Eingriffe in die Natur durch Bauvorhaben im Stadtgebiet ausgeglichen. „Eine vertragliche Kündigung der Flächen seitens der Stadt steht zu diesem Zeitpunkt nicht im Raum“, bestätigte Edgar Behrendt, Sprecher der Stadt Leer. „Sowohl andere Formen der Extensivierung als auch eine erneute Beweidung sind auf diesen Flächen aus fachlicher Sicht möglich.“ Was mit den Aussichtstürmen in Coldam und Nüttermoor passieren soll, ist laut Buschmann derzeit noch offen. Offen ist derzeit auch, wie die 38 Hektar große Fläche in Coldam künftig genutzt werden soll. Geplant war, um das Gelände einen Rundwanderweg anzulegen und die schon seit Jahren verfallene Aussichtsplattform zu erneuern.
Was bedeutet das Ende der Beweidungsprojekte für den Nabu finanziell?
Der Nabu Niedersachsen hat keine Zahlungen für die Beweidung der Flächen erhalten. „Die Stadt Leer hatte der LUNO gGmbH einen Zuschuss zur Beweidung gegeben und es flossen landwirtschaftliche Prämien, die die Kosten aber nicht ausgeglichen haben. Daher hat auch der Nabu Niedersachsen die Beweidungsprojekte immer wieder mit Erlösen aus Mitgliedsbeiträgen unterstützt“, teilte der Landesvorsitzende mit.
Wie bewertet der Nabu das Ende seiner Weideprojekte?
Eine tierwohlgerechte Auflösung der Rinderherden bis zum 30. September, wie vom Landkreis zunächst anvisiert und dann bis zum 31. Oktober angeordnet, sei laut Buschmann in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen. „Daher war die Anordnung aus unserer Sicht nach wie vor rechtswidrig.“ Das Klageverfahren gegen den Landkreis dazu laufe. Auch das Verfrachten der Tiere von der Fläche in Nüttermoor sei nach seiner Auffassung „sehr heikel“ gewesen. „Das ging nur, weil das Veterinäramt die Verantwortung dafür übernommen hat.“ Insgesamt seien die Tiere zum Teil unnötigem Stress ausgesetzt gewesen.
Was bedeutet das für die Tier- und Pflanzenwelt?
„Mithilfe der Weidetiere konnten wir die Flächen in Leer offenhalten. Dadurch entstand eine strukturreiche Weidelandschaft, die sehr artenreich ist und bedrohten Arten einen Lebensraum bot“, betonte Dr. Holger Buschmann. Dort habe beispielsweise der Vogel des Jahres 2024, der Kiebitz, gebrütet. Auch eine Vielzahl an Insekten sei auf den Flächen beheimatet. „Das hängt damit zusammen, dass durch die Beweidung der Aufwuchs nicht auf einen Schlag entfernt wird, sondern stets genügend Pflanzenmaterial als Nahrung und Rückzugsraum für Insekten zurückbleibt.“ Davon profitierten wiederum andere Arten. „Die teils kurzrasigen Flächen erleichtern Star und Steinkauz die Nahrungssuche. Es sei ein artenreiches Paradies entstanden, das wiederum die Qualität des Grünlandes fördere. „Mit dem Ende der extensiven Beweidung könnte es dazu kommen, dass die Artenvielfalt deutlich abnimmt“, so Buschmann abschließend.