Hamburg US-Elite-Unis unter Druck: Wenn der Markt die Moral regeln muss
Drei Universitätspräsidentinnen schaffen es bei einer Kongressanhörung nicht, antisemitische Ausschreitungen an ihren Hochschulen klar zu verurteilen. Als Folge drohen Sponsoren damit, Spenden zurückzuziehen – das Kapital zwingt zur Moral.
In Deutschland wird das US-amerikanische Hochschulsystem traditionell kritisch gesehen: Während Studierende in Deutschland ihre Hochschulbildung steuerfinanziert erhalten, werden in den USA hohe Studiengebühren fällig. Dies gilt vor allem an den privat finanzierten Eliteuniversitäten der sogenannten „Ivy League“, zu denen nur Zugang hat, wer es sich entweder leisten kann oder es schafft, eines der zahlreichen Stipendien zu ergattern. Ganz so schlecht allerdings kann ein System nicht sein, das immerhin internationale Spitzenforschung und mit Abstand die meisten Nobelpreisträger hervorbringt.
Um so erschütternder sind die Bilder aus amerikanischen Universitäten seit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober. Jüdische Studierende werden auf dem Campus bedrängt, antisemitische Mobs skandieren antiisraelische Parolen. Und in einer Kongressanhörung sind gleich drei Präsidentinnen der Elite-Universitäten Harvard, Pennsylvania und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) nicht in der Lage, die antisemitischen Ausschreitungen an ihren Universitäten klar zu verurteilen. Wie kann das sein?
Zu Recht hagelt es seitdem Kritik aus Politik, Verwaltung und von Sponsoren. Als der schwerreiche Unternehmer und Penn-Alumnus Ross Stevens damit drohte, eine geplante Spende von 100 Millionen Dollar zurückzuziehen, traf er damit den wundesten Punkt der Eliteuniversitäten: Ihre Finanzierung. Die Präsidentin trat zurück.
Was ein verschobener moralischer Kompass bei den Universitätsverantwortlichen nicht vermochte, regelt nun also der Markt: Für manche vielleicht eine bittere Pointe, dass ausgerechnet das Kapital zur Moral zwingt.