Hannover  Niedersachsen: Was „Günther, der Treckerfahrer“ zu Rot-Grün sagt

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 30.12.2023 09:00 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
„Einem niedersächsischen Landwirt ist es schietegal, wer unter ihm Landwirtschaftsminister ist“: Satiriker Dietmar Wischmeyer blickt humoristisch auf die Landespolitik in Niedersachsen. Foto: Jörg Kyas
„Einem niedersächsischen Landwirt ist es schietegal, wer unter ihm Landwirtschaftsminister ist“: Satiriker Dietmar Wischmeyer blickt humoristisch auf die Landespolitik in Niedersachsen. Foto: Jörg Kyas
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Wie lief das zurückliegende Jahr unter Rot-Grün in Niedersachsen? Wir haben den Satiriker Dietmar Wischmeyer um seine Einschätzung gebeten. Ein etwas anderer Jahresrückblick.

Viele kennen Dietmar Wischmeyer als „Günther, der Treckerfahrer“. Im Interview kommt der 66-jährige Niedersachse bei Fragen zum zurückliegenden politischen Jahr zu durchaus überraschenden Erkenntnissen und sagt mit einem Augenzwinkern: „Wie jeder Langzeit-Kalif hält auch Stephan Weil die Frage seiner Nachfolge offen und lässt die Aspiranten gegeneinander antreten.“

Hier das Interview im Wortlaut:

Frage: Herr Wischmeyer, mal aus der Sicht eines Satirikers: Wie hat die rot-grüne Landesregierung das erste Jahr nach der „Liebeshochzeit“ Ende 2022 Ihrer Meinung nach gemeistert?

Antwort: Super! Ich kenn‘ bisher nicht mal alle Minister. Die sind also alle noch gar nicht schlecht aufgefallen. Einer hat sogar das Upgrade zum Bundesminister geschafft und ist gleich zum beliebtesten Politiker geworden. Das erinnert ja schon an die Hannoveraner-Zucht in den 90ern.

Frage: Welche Höhepunkte gab es?

Antwort: Die rot-grüne Landesregierung hat den Leuten erzählt „Hallo, die Grünen in Hannover, also dieser Onay, das sind total andere als die in unserer Regierung. Bei uns das sind die Haustier-Grünen, die sind total zahm“.

Frage: Was waren echte Tiefpunkte?

Antwort: Lastenrad-Julia geht in den VW-Aufsichtsrat.

Frage: Es gibt prominente Vertreter aus Niedersachsen wie etwa Dirk Roßmann, die bescheinigen Ministerpräsident Stephan Weil eine „super Arbeit“. „Ich will nichts gegen Olaf Scholz sagen, aber die SPD darf sich manchmal ruhig fragen, ob nicht auch Stephan Weil ein guter Kanzlerkandidat gewesen“, erklärte Roßmann bei uns im Interview. Sind Sie auch ein Weil-Fan und wäre Weil der bessere Scholz gewesen?

Antwort: Lustig! Sogar ich oder Dirk Roßmann wären der bessere Scholz gewesen, dazu braucht es nicht viel. Stephan Weil ist ein guter Ministerpräsident. In dem Raubtiergehege Berlin sind aber schon anderer Ministerpräsidenten gescheitert, Kurt Beck zum Beispiel. Stephan Weil ist schlau genug, sich diesen Schlamassel nicht anzutun. Oder kann man sich vorstellen, wie ein alter Fahrensmann wie Weil sich von einem schnöseligen Kevin den Wahlkampf erklären lässt oder von Saskia Esken... Nein, jetzt werde ich ätzend.

Frage: Wo muss Rot-Grün besser werden? In einer jüngsten Umfrage hätten die beiden Partner jetzt schon keine Mehrheit mehr.

Antwort: Die müssen nicht besser werden, die müssen abtreten. An der nächsten Landesregierung muss die CDU wieder beteiligt werden. Bisher ist Niedersachsen gut damit gefahren, dass sich SPD und CDU abgewechselt haben. Dieses Verfahren nennt sich parlamentarische Demokratie.

Frage: Die AfD würde laut Umfrage drittstärkste Kraft werden. Sie verbesserte ihr Ergebnis deutlich von elf auf 18 Prozent. Besorgt Sie das?

Antwort: Noch nicht, wir sind schließlich nicht in Thüringen. Aber wenn die Parteien der Mitte die Sorgen der normalen Toilettenpapierendverbraucher nicht ernster nehmen, dann wird’s hier auch ernst.

Frage: Welchen Eindruck haben Sie von der Debattenkultur im Landtag und fehlt die FDP, die bei der Landtagswahl Ende 2022 ja aus dem Parlament flog?

Antwort: Keine Ahnung, kann man die Debatten auf Netflix oder Sky gucken? Sonst weiß ich nicht, was die so treiben. Die Sorge, dass die FDP irgendwo fehlt, hat wohl heute nicht mal mehr der FDP-Wähler.

Frage: Lassen Sie uns noch einen Ausblick wagen: Stephan Weil will diese Legislatur noch zu Ende regieren und dann ist Schluss. Wer wird Weils Kronprinz? Wirtschaftsminister Olaf Lies? Oder wird es mit Innenministerin Daniela Behrens doch eher eine Kronprinzessin?

Antwort: Wie jeder Langzeit-Kalif hält auch Stephan Weil die Frage seiner Nachfolge offen und lässt die Aspiranten gegeneinander antreten. Vielleicht auch, um es selbst noch mal zu machen, weil beide es nicht schaffen. Olaf Lies will schon seit seiner Embryonalzeit Kalif werden anstelle des Kalifen. Der wird sich das nicht nehmen lassen.

Frage: Sie sind auch als „Günther, der Treckerfahrer“ bekannt: Um die Landwirtschaft im Land kümmern sich ja die Grünen. Eine gute Wahl oder fahren Sie eines Tages mit dem Trecker vor den Landtag?

Antwort: Einem niedersächsischen Landwirt ist es schietegal, wer unter ihm Landwirtschaftsminister ist. Letztlich haben sich hier alle noch immer zusammengerauft.

Frage: Die CDU meint ja, sie könnte das Land besser regieren. Könnte sie?

Antwort: Neue Besen fegen erstmal besser, fragt sich nur wie lange.

Frage: Oder wie wäre es mit Ihnen? Welches wäre Ihr Wahlkampfmotto?

Antwort: „Wir sind die Niedersachsen, nich‘ kaputtzukriegen – wie die Treckerachsen“.

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