Berlin  Notstand an der Schule: Das stille Leiden der Eltern

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 09.12.2023 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Lehrer und Erzieher demonstrieren für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen - der Schulausfall trifft viele Familien hart. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Lehrer und Erzieher demonstrieren für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen - der Schulausfall trifft viele Familien hart. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
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In Berlin herrscht seit Wochen Ausnahmezustand an öffentlichen Schulen und Kitas. Leidtragende sind Eltern und Kinder.

An vielen Berliner Schulen ist es Alltag. Der morgendliche Anruf aus der Schule, ob man die Kinder heute früher abholen kann. Zu viele Lehrkräfte sind erkrankt. An einer Berliner Grundschule im Bezirk Neukölln sind viele Eltern nur noch verzweifelt.

Seit den Herbstferien findet fast kein Unterricht mehr statt, weil die Lehrer streiken. Und wenn die Schule dann mal wieder läuft, gehen die Horterzieher in den Ausstand. Sie protestieren für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne. Ein berechtigtes Anliegen. Doch anders als bei Bahnstreiks und anderen Branchen, wo durch den Ausfall von Zügen gleich so viele Menschen und das Wirtschaftsleben betroffen sind, dass die Verhandlungspartner unter Druck geraten, sind die Leidtragenden von Schul- und Kitastreiks in der gesellschaftlichen Debatte kaum zu vernehmen.

Es sind Eltern, die neben ihrer Arbeit dann eben auch noch die Betreuung ihrer Kinder und die Vermittlung des Lernstoffs übernehmen müssen. Viele von ihnen sind am Anschlag. Weil man dem Arbeitgeber ja nicht ständig sagen kann, dass man sich um seine Kinder kümmern muss, statt den Auftrag für den wichtigen Kunden abzuschließen, organisieren sie sich untereinander. Am besten so, dass die Performance am Arbeitsplatz nicht leidet. Dabei wären eigentlich die Arbeitgeber diejenigen, die den Druck auf die Politik verstärken müssten. Die Eltern sind ihre Arbeitskräfte, die über kurz oder lang am Stock gehen. 

An der Schule in Neukölln sind außerdem viel mehr Kinder im Hort, als eigentlich planmäßig im Gebäude untergebracht werden können. Und es mangelt an Erziehern. Viele verlassen Berlin, weil sie sich in der Stadt keinen Wohnraum mehr leisten können. 

Andere Gruppen haben Gewerkschaften und Verbände, die für sie auf den Putz hauen. Eltern aber haben keine Lobby. Und keine Zeit dafür, am Abend auch noch Petitionen oder Demonstrationen zu organisieren, geschweige denn hinzugehen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt es für viel zu viele nur noch auf dem Papier. 

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