Hamburg  Mysteriöse Farbattacken von maskierten Tätern auf Hamburger U-Bahnen

Markus Lorenz
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Von Markus Lorenz
| 07.12.2023 20:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Zug der Linie U1 mit „Terror-Line“ am Donnerstag in der Station „Wandsbek-Gartenstadt“. Foto: Markus Lorenz
Ein Zug der Linie U1 mit „Terror-Line“ am Donnerstag in der Station „Wandsbek-Gartenstadt“. Foto: Markus Lorenz
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Maskierte Täter legen sich in der Dunkelheit an Hamburger U-Bahnstrecken auf die Lauer. Massenhaft besprühen und bewerfen sie die Züge mit Farbe. Was soll das?

An einen solchen Angriff auf Hamburger U-Bahnen kann sich bei der Hochbahn niemand erinnern: Unbekannte Täter haben ab Mittwochabend im Schutze der Dunkelheit 86 Züge mit Farbe beschmiert, besprüht und beworfen. Beschmutzt wurde damit rund ein Drittel der gesamten U-Bahnflotte in der Hansestadt. Verletzt wurde niemand, allerdings dürfte der Schaden in die Hunderttausende gehen. 

Ganz offenbar handelte es sich um eine konzertierte Aktion mehrerer Gruppen oder Einzelpersonen, die nahezu zeitgleich im eher dünn besiedelten Nordosten der Stadt zuschlugen. Die meisten der Züge wurden während der Fahrt beschmiert, einige auch in ihren Haltepositionen. 

Ein Polizeisprecher: „Kurz nach 20 Uhr meldeten die ersten Zugfahrerinnen und Zugfahrer von Hamburger U-Bahnen, dass ihre Fahrzeuge während der Fahrt von zum Teil maskierten Personen mittels Farbe attackiert wurden.“ Den Angaben zufolge hätten die Unbekannten die Farbe beim Vorbeifahren der Züge mit Spraydosen und Feuerlöschern gesprüht, in einigen Fällen aber auch Farbbeutel von Brücken geworfen haben, so der Sprecher weiter. Der Schwerpunkt der Aktion lag im Nordosten der Metropole, betroffen waren Züge der Linien U1, U2 und U3.

Der Hintergrund der massenweisen Angriffe war zunächst völlig rätselhaft. Polizei und Hochbahn können sich keinen Reim auf den Vorfall machen. „Das war organisierter Vandalismus“, sagte Hochbahn-Sprecherin Constanze Salgues. Anders als bei Graffiti-Taten sonst üblich hätten die Sprüher keine Motive hinterlassen. Salgues: „Das sind keine Kürzel, keine Tags, nichts.“

Zum Teil hätten die Täter so genannte Terror-Lines auf den U-Bahnen hinterlassen. In der Graffiti-Szene werden darunter lange, durchgezogene Linien verstanden. Sie gelten als Zeichen von Verachtung und Missbilligung. Verwendet haben die Unbekannten dabei nahezu alle Töne der Farbpalette, von Weiß über Grau und Gelb bis hin zu Blau, Grün und Rot.

Immerhin: Eine Gefahr für Fahrgäste und die Zugführer habe durch die Angriffe nicht bestanden, so die Sprecherin. Die Frontscheiben der Züge seien nicht beschmiert worden.

Am Donnerstag waren die beschmutzten Fahrzeuge im Hamburger U-Bahnnetz für jedermann sichtbar. Wegen der großen Zahl betroffener Züge hat die Hochbahn zunächst nicht alle zur Reinigung in die Werkstätten geholt. Wie hoch der Gesamtschaden sein wird, vermochte die Unternehmenssprecherin zunächst nicht zu sagen. Er dürfte im sechsstelligen Bereich liegen.

Die Polizei hatte noch am Mittwochabend mit mehr als einem Dutzend Funkstreifwagen nach den Sprühern gesucht. Die Fahndung habe nicht zur Identifizierung von Tatverdächtigen geführt, sagte der Sprecher.

Die Polizei bittet um Mithilfe der Bevölkerung. Zeugen, die Angaben zu den unbekannten Tätern machen können oder Beobachtungen in dem Zusammenhang gemacht haben, werden gebeten, sich beim Hinweistelefon der Polizei Hamburg unter (040) 4286-56789 oder bei jeder Polizeidienststelle zu melden.

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