Deutschland  St. Nikolaus: Warum wird am 6. Dezember der Stiefel gefüllt?

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Von epd
| 06.12.2023 13:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bad Saulgau: Ein Nikolaus macht sich auf den Weg zur Arbeit. Foto: dpa/Thomas Warnack
Bad Saulgau: Ein Nikolaus macht sich auf den Weg zur Arbeit. Foto: dpa/Thomas Warnack
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Mit etwas Glück hat der Nikolaus auch Ihren Stiefel gefüllt. Aber was steckt eigentlich hinter dem Brauch? Warum gibt es Geschenke und weshalb werden ausgerechnet Stiefel befüllt?

Dass der Nikolaus am 6. Dezember die Stiefel füllt, weiß jedes Kind. In vielen Haushalten freuen sie sich schon Tage im voraus auf die Leckereien, die sie am 6. Dezember in den Stiefeln finden werden. Aber warum werden eigentlich Stiefel befüllt? Was wird überhaupt gefeiert?

Der heilige Nikolaus ist seit Jahrhunderten einer der beliebtesten christlichen Volksheiligen. Er wird wegen seines vorbildlichen Lebens und seiner Wohltätigkeit verehrt. Im dritten und vierten Jahrhundert hat es tatsächlich einen Bischof Nikolaus in Myra gegeben, an der Mittelmeerküste der heutigen Türkei. Er soll an einem 6. Dezember gestorben sein, vermutlich im Jahr 343.

Außerdem lebte im sechsten Jahrhundert Abt Nikolaus von Sion im kleinasiatischen Lykien. Über die Zeit sind wohl beide Lebensgeschichten sind wohl miteinander verschmolzen.

Zahlreiche Legenden ranken sich dabei um den Nikolaus. Man erzählte sich, mit dem großen Vermögen, das ihm seine Eltern hinterlassen hätten, habe er Bedürftige unterstützt und Mädchen vor der Prostitution bewahrt. Nikolaus soll außerdem unschuldig Verurteilte gerettet und eine Hungersnot abgewendet haben. Ein Traum habe die Bischöfe der Provinz bewogen, den angesehenen und beliebten Nikolaus zum Oberhirten der Provinzhauptstadt Myra zu wählen.

Nikolaus gilt als Schutzpatron der Kinder, sodass sich bereits im Mittelalter der Brauch entwickelte, dass ein Mann, als Nikolaus verkleidet, die Familien besuchte und artige Kinder belohnte. Unartige wurden hingegen bestraft. Die Bestrafungen wurden dabei von seinem Begleiter, dem Knecht Ruprecht, vollzogen.

Der Brauch, Schuhe vor die Tür zu stellen, entwickelte sich aus einer Legende um den Nikolaus von Myra. Dieser soll demnach Seeleute vor einem schweren Sturm gerettet haben, indem er das Meer beruhigte. Daher bastelten Kinder früher kleine Schiffchen, in die der Heilige Geschenke legen sollte. Später wurden diese Schiffchen dann scheinbar einfach durch Schuhe, Teller oder ähnliches ersetzt.

Der historische Hintergrund lässt sich nicht beweisen, sei aber wahrscheinlich, sagen Historiker. Der Kult um Nikolaus von Myra verbreitete sich spätestens ab dem sechsten Jahrhundert sehr schnell in der ganzen Christenheit. In der Ostkirche hieß er "Retter der Welt" oder "Engel auf Erden".

Um 1500 zählen die Historiker bereits mehr als 2.000 Nikolauskirchen, -Kapellen, -Hospitäler und -Klöster in Europa. Im Mittelalter wurde St. Nikolaus zum Nothelfer für Schüler, Liebende und Heiratswillige. Seefahrern galt er als Patron und Helfer bei Gefahren. Die Russen betrachten ihn als Schutzheiligen.

Aus den Legenden schälte sich das Bild eines ungewöhnlich menschenfreundlichen Kirchenmannes heraus, volksnah und voller Güte, Mut und Zivilcourage. Bildungswerke und Kirchengemeinden rücken darum auch heute den Nikolaus als Symbol für die Güte Gottes in den Vordergrund.

Weil er im Dezember Geschenke bringt, wird der Nikolaus auch häufig mit dem Weihnachtsfest in Verbindung gebracht. Die rot gekleidete Figur des Weihnachtsmanns hat viele Züge des Nikolaus in sich aufgenommen.

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