Butjadingen Trigema-Chef Wolfgang Grupp fordert: „Arbeiter sollen früher in Rente gehen als Akademiker“
Der scheidende Trigema-Chef Grupp hat mehr Fairness im deutschen Rentensystem gefordert. So sollten Arbeiter deutlich früher in Rente gehen dürfen als Akademiker. Wie der deutsche Unternehmer seinen Vorstoß begründet.
Zum 1. Januar 2024 gibt Wolfgang Grupp die Führung seines Textilunternehmens Trigema an seine Frau und seine beiden Kinder ab. In den 54 Jahren als Geschäftsführer hat der gebürtige Baden-Württemberger nicht nur mit unternehmerischem Geschick, sondern auch mit polarisierenden Aussagen für Aufsehen gesorgt.
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So äußerte sich der 81-Jährige bereits zu Themen wie Arbeiten im Homeoffice oder sein Verhältnis zu Betriebsräten. Auch das deutsche Rentensystem knöpfte sich der Unternehmer vor. Bei einem Dialogforum, über das zunächst das Portal „BW 24“ berichtete, forderte Grupp mehr Fairness für Arbeiter gegenüber Akademikern.
„Wenn einer mit 63, 65 oder 67 Jahren in Rente geht, dann bitte ich zu unterscheiden: Ist das ein Akademiker, der erst mit 35 Jahren in die Rentenkasse eingezahlt hat oder einer, der schon mit 14 Jahren in den Betrieb gegangen ist?“, so der scheidende Trigema-Chef. Nach seinem Studium sei er mit 27 Jahren in das Unternehmen eingetreten.
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„Da hat einer, der mit mir in der Volksschule war, schon 13 Jahre einbezahlt und 13 Jahre an der Nähmaschine gesessen“, erklärte Grupp. „Dass der eher ein Recht hat, früher in Rente zu gehen als ich und weniger Abschläge hat, dürfte wohl klar sein.“
Der 81-Jährige hatte von 1961 bis 1969 BWL an der Universität Köln studiert. Eine Zeit, die Grupp offenbar als nicht allzu stressig in Erinnerung hat. „Ich war gesundheitlich nicht so angekratzt von meinem Studium, dass das so hart gewesen wäre.“ Vieler seiner Mitschüler an der Volksschule hätten währenddessen in jungen Jahren die Betriebe ihrer Eltern übernommen.
Dagegen sei es „Usus“ gewesen, dass Unternehmenskinder (Grupps Vater hatte Trigema ursprünglich gegründet, Anm. d. Red.) das Abitur machen dürfen. „Ein anderer hätte es geistig auch gekonnt, aber die Eltern hatten vielleicht das Geld nicht. Der musste schon arbeiten und ist mit 14 Jahren aus der Volksschule in den Betrieb gegangen.“
Grupp gilt als Verfechter klassischer Ausbildungsberufe. Dass immer mehr Menschen studieren, statt eine Ausbildung zu machen, beobachte er mit Sorge.
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