Medizinische Versorgung  Friesoyther Krankenhaus erhält Ausfallbürgschaft vom Landkreis

Heiner Stix
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Von Heiner Stix
| 05.12.2023 17:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dank der zugesagten Ausfallbürgschaft kann das Friesoyther Krankenhaus wieder optimistisch nach vorne schauen. Foto: Wimberg
Dank der zugesagten Ausfallbürgschaft kann das Friesoyther Krankenhaus wieder optimistisch nach vorne schauen. Foto: Wimberg
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Die drei Millionen Euro sichern die Liquidität des St.-Marien-Hospitals im kommenden Jahr, sagt Bernd Wessels. Für die Zukunft ist der Geschäftsführer des Krankenhauses optimistisch.

Friesoythe - Drei Millionen Euro würde der Landkreis Cloppenburg, sofern die Kommunalaufsicht grünes Licht gibt, als Ausfallbürgschaft für das St.-Marien-Hospital Friesoythe zur Verfügung stellen. Einen entsprechenden Beschluss hat der Kreistag am 28. November gefasst. Bei Bernd Wessels, Geschäftsführer des Friesoyther Krankenhauses, sorgte die Nachricht für Erleichterung. „Wir sind dem Kreistag und der Kreisverwaltung dankbar, dass sie uns auf diesem Weg unterstützen wollen“, sagt er. „Und wir werden das vermutlich auch in Anspruch nehmen müssen, weil Bund und Länder einfach nicht vorankommen.“

Mit der Bürgschaft garantiert der Landkreis, dass das Krankenhaus auch im kommenden Jahr liquide bleibt. „Das ist sozusagen die Absicherung für einen Bankkredit, den wir vermutlich brauchen werden“, erläutert Wessels. „Denn irgendwann sind die Barmittel im kommenden Jahr wahrscheinlich aufgebraucht.“ Geld vom Landkreis werde aber nur fließen, wenn das Krankenhaus den Kredit wirklich benötige und dann nicht aus eigenen Mitteln zurückzahlen könne. Grund für den Finanzbedarf, so Wessels, sei allerdings nicht, dass das Haus schlecht gewirtschaftet habe. „Wir sind nicht überschuldet“, sagt der Geschäftsführer. „Wir haben derzeit rund eine Million Euro Schulden, für ein Krankenhaus ist das quasi nichts.“

Dank der zugesagten Ausfallbürgschaft kann das Friesoyther Krankenhaus wieder optimistisch nach vorne schauen. Foto: Wimberg
Dank der zugesagten Ausfallbürgschaft kann das Friesoyther Krankenhaus wieder optimistisch nach vorne schauen. Foto: Wimberg

Auslastung bleibt hinter früheren Werten zurück

Der Finanzbedarf entstehe, weil die Auslastung des Hauses im laufenden Jahr geringer war, als erwartet. „Unsere Kalkulation beruhte auf der Annahme, dass wir 2023 ähnliche Patientenzahlen haben wie 2019, dem Referenzjahr vor Corona“, erläutert Wessels. Allerdings blieb die Auslastung dann insgesamt, nicht nur in Friesoythe, hinter den Prognosen zurück. „2019 lagen wir deutlich über 80 Prozent, 2022 bei 74 und 2023 voraussichtlich bei rund 78 Prozent“, erläutert Wessels. Und damit stehe das Haus noch gut da. „Andere Krankenhäuser kommen auf gerade mal 65 Prozent.“

Ein Grund dafür ist unter anderem eine Entwicklung, die Wessels „Ambulantisierung“ nennt. „Die Krankenkassen gehen davon aus, dass viele Eingriffe heute ambulant erfolgen, die Patienten also nicht mehr für eine Nacht zur Beobachtung im Haus bleiben“, erläutert er. Das aber funktioniere nicht immer, oft müssten Patienten aus Sicherheitsgründen doch kurzzeitig stationär aufgenommen werden. Die dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten allerdings, so Wessels, würden von den Krankenkassen nicht erstattet.

Hinzu kommt der Fachkräftemangel in der Pflege, der inzwischen auch das Friesoyther Krankenhaus erreicht hat. „Manchmal können und dürfen wir Betten nicht belegen, weil das Personal fehlt“, erläutert Wessels. Das Haus müsse dann „abgemeldet“, ungeplante Krankentransporte auf andere Häuser umgeleitet werden. „Das sind dann natürlich auch Einnahmen, die uns fehlen“, sagt Wessels.

Für die Zukunft optimistisch

Und nicht zuletzt habe die Bundespolitik einen großen Anteil an der Misere. „Die Länder haben bereits deutlich gemacht, dass die Kliniken eine rückwirkende Erhöhung des Basisfallwertes benötigen“, erläutert Wessels. Damit würden die Behandlungen besser vergütet, „und dann hätten wir kein Problem mehr“. Momentan seien vor allem kleine Häuser im ländlichen Raum gefährdet. „Der Bund“, so Wessels, „denkt nur urban.“

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