Romantiker sprechen vom „Weihnachtsdorf“ Es weihnachtet in Bingumgaste

| | 05.12.2023 06:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bingumgaste erstrahlt auch in diesem Jahr wieder in vollem Glanz. Foto: Ortgies/Archiv
Bingumgaste erstrahlt auch in diesem Jahr wieder in vollem Glanz. Foto: Ortgies/Archiv
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Mit dem Beginn der Adventszeit verwandelt sich das Dorf jedes Jahr aufs Neue in ein Lichtermeer. Volontärin Deike Terhorst ist eingetaucht.

Bingumgaste - Leise rieselt der Schnee, als ich am Freitagabend nach meinem ersten Arbeitstag bei der Ostfriesen-Zeitung durch Bingumgaste schlendere. Viele Häuser in dem 50-Seelen-Ort sind mit langen Lichterketten geschmückt, die man bereits von der Autobahn aus sehen kann. Doch nicht nur die Bewohner selbst erfreuen sich traditionell an ihrem weihnachtlich dekorierten Ort: Mittlerweile sind die hell erleuchteten Häuser und Höfe für viele Auswärtige zu einem beliebten Fotomotiv geworden und Bingumgaste auch überregional als „Weihnachtsdorf“ bekannt.

Dieses vielgepriesene Weihnachtsdorf soll ich genauer unter die Lupe nehmen. Ich hatte einen aufregenden Tag hinter mir, voller neuer Gesichter. Hier ist nicht eine Menschenseele auf der Straße, dennoch wirkt die Ortschaft mit ihren warmen Lichtern seltsam einladend. Schon von der Landstraße aus habe ich in der Ferne den Hof von Dennis Busemann erblickt. Hell erstrahlt er direkt hinter dem Ortseingangsschild. Seine Weihnachtsdekoration ist eine der auffälligsten im Dorf: In dreieinhalb Wochen Kleinstarbeit hat er sein Haus samt Scheune an der Straße „Auf der Warf“ mit fast 1.000 Lichterketten geschmückt. Dabei deckt er eine Strecke von rund 700 Metern ab und bringt jeden Abend etwa 30.000 Leuchtdioden zum Strahlen.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt...

Folgt man der Straße zur anderen Ortsseite, stößt man auf die Villa Boekhoff, deren großzügiger Eingangsbereich ebenfalls mit zahlreichen Lichterketten verziert ist. Hier kreuzt ein Auto mit Osnabrücker Kennzeichen meinen Weg, die Fahrerin winkt mir freundlich zu. Ich frage mich, ob sie vielleicht extra von der Autobahn abgefahren ist, dem Lichterglanz von Bingumgaste erlegen. Es ist bitterkalt, leider habe ich keine Handschuhe dabei, meine Hände verstecke ich also tief in meinen Jackentaschen. Meine „Moin“-Mütze, ein Willkommensgeschenk des Verlags, habe ich mir tief ins Gesicht gezogen. Überall funkeln kleine Sterne und Tannenbäume. Ich denke beiläufig, wie überflüssig die Straßenbeleuchtung in diesem Monat in Bingumgaste ist und muss schmunzeln. Eine friedliche und besinnliche Atmosphäre herrscht innerhalb dieser rund 20 Häuser starken Ortschaft, man hört nichts außer das stetige Schneerieseln, das Schreien der Wildgänse auf den nahegelegenen Feldern und das ferne Rauschen der A31.

Obwohl ich am Freitag mein erstes Teeadventskalendertürchen geöffnet und mich vergangene Woche mit einer Ration Mandarinen, Spekulatius, Lebkuchen, Vanillekipferln und Punsch eingedeckt habe, die wahrscheinlich für die nächsten drei Jahre reicht, hatte sich die Weihnachtsstimmung bisher noch nicht wirklich eingestellt. Ich habe all meine Hoffnung auf „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gesetzt, doch an diesem Abend in Bingumgaste hatte das Warten ein Ende. Denn hier, im Schein der warmen Lichter, spürte ich ihn ganz deutlich: den Zauber der Adventszeit.

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