Nach Skandalen Alle Heckrinder sind weg – und die Pferde?
Im Frühjahr waren mehrere Tiere gestorben. Nun sind alle Heckrinder des Nabu-Weideprojektes verkauft und abtransportiert. Was wird aus den Pferden?
Nüttermoor/Coldam - Nachdem im Frühjahr mehrere Tiere des Nabu-Weideprojektes zu Tode gekommen waren, ist nun Schluss: „In Thedingaer Vorwerk standen zuletzt noch 42 Heckrinder. Diese wurden nun alle tiergerecht und in Absprache mit dem Veterinäramt Leer abtransportiert und in die Niederlande verbracht, womit der Nabu Niedersachsen nun keine Heckrinder mehr im Landkreis Leer stehen hat“, erklärt Gina Briehl, Sprecherin des Nabu Landesverbandes Niedersachsen auf Nachfrage.
Wer hat die Tiere gekauft und was passiert mit ihnen?
Fragen dazu, wer die Tiere gekauft hat und was nun mit ihnen passiert – auch mit den tragenden Tieren – beantwortet der Nabu nicht. „Wir können selbstverständlich keine Aussage dazu machen, wer die Käufer*innen sind“, so Briehl. Es befänden sich noch Jungtiere am Hof, weitere Schritte dazu erfolgen zeitnah.
Es stehen nach Angaben des Nabu zudem noch 25 Pferde in Thedingaer Vorwerk, welche zunächst eingefangen und kastriert und dann weiterhin stückweise an neue Halter und Halterinnen vermittelt werden. „Die Witterung spielt bei der Kastration der Hengste keine Rolle. Die Kastration der männlichen Tiere ist grundsätzlich unproblematisch“, so Briehl. Sie würden in Absprache mit dem zuständigen Tierarzt durchgeführt. Wann auch die Koniks neue Besitzer finden werden, wollte der Nabu ebenfalls nichts sagen.
Wie sieht der Landkreis den Abverkauf?
Es verendeten nicht nur mehrere Konik-Fohlen und Heckrinder, das Veterinäramt des Landkreises Leer hatte außerdem Haltungs- und Ernährungsmängel festgestellt, und den Nabu Niedersachsen aufgefordert, die Weideprojekte zu beenden. Dass nun alle Heckrinder verkauft und in die Niederlande transportiert werden konnten, bestätigt auch der Landkreis Leer auf Nachfrage. „Das trifft zu und es ist eine gute Nachricht: Seit Dienstag stehen auf den Beweidungsflächen der Luno GmbH im Landkreis Leer keine Heckrinder mehr.“ Die Verladung der Heckrinder in Nüttermoor am Dienstag sei vom Veterinäramt beaufsichtigt worden.
„Zuvor waren bereits alle Rinder auf der Fläche in Coldam an andere Halter gegeben worden.“ Der Landkreis Leer sehe sich durch diese Entwicklung in seiner Haltung bestätigt, „dass es eben doch möglich war, die beiden Rinderherden noch vor dem Winter tierschutzgerecht aufzulösen – entgegen einer früheren Behauptung des Nabu.“
Wieso wurden die Tiere in die Niederlande verkauft?
Die Redaktion hatte ursprünglich einen Hinweis darauf bekommen, dass die Rinder in die Niederlande verkauft werden. „Der Vorschlag kam vom Veterinäramt Leer“, sagte Nabu-Sprecherin Briehl vor einigen Wochen. Das bestreitet der Landkreis: „Zunächst einmal kann man sagen, dass der neue Luno-Geschäftsführer hier vor Ort durchaus bemüht war, die Herden durch den Verkauf der Tiere an andere Halter aufzulösen – mit Erfolg, wie man sieht. Das Veterinäramt mischt sich aber in privatrechtliche Verkäufe eines Tierhalters nicht ein, macht dazu auch keine Vorgaben und gibt auch keine Empfehlungen“, so Sprecher Philipp Koenen.
Was passiert mit den trächtigen Tieren?
Sogenannte sensible Transporte gab es in diesem Fall nicht. „Es waren zwei Amtstierärztinnen vor Ort, die die Verladung der Rinder kontrolliert haben. Alle 42 Tiere waren – auch mit Blick auf eine mögliche Trächtigkeit – transportfähig“, sagt Koenen. Wie es den Tieren nun in den Niederlanden ergeht, sei nicht geprüft worden. „Es gibt das Tiererzeugnisse-Handels-Verbotsgesetz und das verbietet Schlachtungen von hochtragenden Rindern. Allerdings handelt es sich dabei um nationales Recht und nur das hat hier der Landkreis Leer zu prüfen.“ Das bedeutet: „Werden die Tiere in ein anderes Land verkauft, können wir keine Vorgaben mehr machen. Wohin der Halter seine Tiere verkauft und zu welchem Zweck, können wir nicht beeinflussen. Dies liegt allein in der Verantwortung des Tierhalters.“
Was passiert mit den übrigen Pferden?
Wie der Nabu bestätigt auch der Kreis Leer, dass noch Pferde auf der Fläche in Nüttermoor stehen. In Thedingaer Vorwerk befinden sich noch 25 Pferde, schreibt Koenen. Laut Luno GmbH gibt für diese Tiere Interessenten.
„Auf den Flächen in Coldam befinden sich aktuell keine Pferde mehr“, teilt der Kreissprecher mit. „Von den zwölf Tieren, die dort zuletzt noch waren, konnte die Luno GmbH mittlerweile acht nach Brandenburg bringen und eines in den Landkreis Aurich.“ Als Zwischenlösung würden drei Pferde derzeit auf der Fläche im Hessepark gehalten, diese Fläche ist von der Anordnung des Landkreises zur Auflösung der Rinder- und Pferdeherden nicht betroffen. „Auch für diese Tiere gibt es laut Luno GmbH Interessenten.“