Hamburg „Du Jude“, „N-Wort“ – Wie Schulen auf dem Land mit Rechtsextremismus umgehen
Ein Hakenkreuz am Tisch oder rassistische Beleidigungen gegenüber schwarzen Schülern. Das ist an vielen deutschen Schulen Alltag und kommt nicht nur an den Brennpunktschulen deutscher Großstädte vor. Zwei Lehrer aus Schleswig-Holstein berichten.
Ein schwarzer Junge wird auf dem Pausenhof mit dem N-Wort beleidigt, „Du Jude” schimpft jemand im Klassenzimmer und auf der Schulbank prangt ein Hakenkreuz.
Für zwei Lehrer aus Schleswig-Holstein sind solche Vorfälle trauriger Alltag. „Ich höre Schimpfwörter, die Menschengruppen beleidigen, jeden Tag“, sagt eine Lehrerin, die vor allem in der Mittel- und Unterstufe unterrichtet. Ihr Kollege macht ähnliche Erfahrungen, wenn auch weniger häufig. „Ich unterrichte vor allem in der Oberstufe und solche Fälle kommen deutlich seltener vor“, sagt er. Die beiden Pädagogen sprechen offen über Erfahrungen – aber nur, wenn sie anonym bleiben.
Ihre Erfahrungen zeigen, dass Rassismus und menschenfeindliche Äußerungen kein Problem von Brennpunktschulen in Großstädten sind. Die Lehrer unterrichten nicht etwa in Hamburg oder Berlin, sondern in einem Ort mit wenigen tausend Einwohnern. „Natürlich ist es bei uns am Gymnasium nicht mit Zuständen in größeren Städten und anderen Schulformen zu vergleichen, aber auch wir haben Probleme“, sagt der Oberstufenlehrer.
Doch woher kommen diese Beleidigungen und sind die Schüler gedankenlos oder gefestigte Rassisten? Die Pädagogen beschäftigen diese Fragen, sie suchen nach Antworten und finden nicht immer eine. Weil es auf dem Land auch außerhalb der Schule Kontakte gibt, vermuten die Lehrer, dass Elternhäuser das kleinere Problem sind. „Heute haben wir durch Social Media eine Quellenvielfalt, die nicht mehr nachvollziehbar ist“, beobachten sie. Es komme vor, dass die Schüler Beiträgen auf Tiktok mehr Glauben schenken als den Lehrern. „Da ist es natürlich sehr schwierig, sie zu erreichen“, sagt der Oberstufenlehrer und betont immer wieder deutlich: „Es sind nur wenige Schüler, die sich problematisch äußern, aber die beschäftigen mich mehr als andere.“
Vor allem bei den jüngeren Schülern seien solche Äußerungen oft eine Provokation, sagt die Lehrerin, die vor allem untere Jahrgänge unterrichtet. „Manchmal wissen sie auch gar nicht, was sie da eigentlich sagen“, betont die Lehrerin. Die älteren Schüler machen dem Oberstufenlehrer mehr Sorgen: „Die haben schon gelernt, dass man sowas nicht sagt. Wer das in der 13. Klasse immer noch tut, hat eher Überzeugungen“, sagt ihr Kollege.
Die Möglichkeiten, in Schulen Extremismus entgegenzuwirken, seien begrenzt, sagt der Bildungsforscher Karim Fereidooni. Lehrkräfte müssten in viel zu großen Klassen neben dem Regelstoff noch über menschenfeindliche Ideologien aufklären. „Das ist schlicht nicht machbar.“
Das bestätigen die Schleswig-Holsteiner Lehrer. „Uns ist bewusst, dass es viel Zeit und Raum kostet, mit schwierigen Äußerungen umzugehen“, sagen sie. Dennoch gehen sie in die Offensive, sie organisieren Projekttage und holen sich Hilfe von Experten wie der Mobilen Beratungsstelle Rechtsextremismus.
Genug ist das für die beiden aber nicht. „Ich würde mir wünschen, dass wir ein Regelwerk entwickeln, das uns klare Handlungsoptionen bietet“, sagt die Lehrerin. Dann sei für Schüler klar, was nicht geduldet wird und für Lehrer, wie sie sich verhalten sollten.