Nach Mängeln in der Pflege Lob für neue Leitung der Seniorenwohnanlage Heisfelde
In der Seniorenwohnanlage Heisfelde waren gravierende Mängel in der Pflege festgestellt worden. Seit dem Sommer ist man um Besserung bemüht. Eine Angehörige und ein Bewohner loben nun die Einrichtung.
Leer - Die gravierenden Pflegemängel der Seniorenwohnanlage in Heisfelde sorgten in den vergangenen Monaten für mächtig Wirbel in Leer. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen war bei einer Prüfung bereits im Mai 2022 zu einem katastrophalen Ergebnis gekommen. Doch öffentlich wurden sie erst im Sommer dieses Jahres. Aufregung und Kritik waren groß, weil der Landkreis als Betreiber der Einrichtung die Zustände nicht eher kommuniziert hatte. Gleichzeitig ist er Aufsichtsbehörde. Im Juni 2023 wurde die Einrichtung wieder geprüft und es bestanden weiterhin Mängel. Seitdem hat der Landkreis als Betreiber eine ganze Reihe von Maßnahmen eingeleitet, um die Pflege zu verbessern, wie Landkreissprecher Philipp Koenen kürzlich der Redaktion sagte. Darunter Fortbildungen, wöchentliche Visiten der Heimaufsicht und eine Neuregelung der Kommunikation mit Ärzten. Maßnahmen, die zu fruchten scheinen, wie nun eine Leserin dieser Zeitung im Gespräch berichtet.
„Meine Mutter wurde Ende Oktober in ihren letzten Lebenstagen in dem Heim betreut“, erzählt die Leeranerin Ute Wiese. „Sie lag im Sterben. Und ich war wirklich überrascht, wie sehr ich in dieser Zeit von den Angestellten unterstützt wurde“, sagt sie. Aber: Das sei nicht immer so gewesen. „Vor der neuen Heim- und Pflegedienstleitung war die Kommunikation mit dem Personal mehr als schwierig“, sagt die 71-Jährige. Über Wechsel der Angestellten oder die Ursache von Verletzungen ihrer Mutter, etwa nach einem Sturz, sei die Leeranerin nicht informiert worden. „Das führte dazu, dass ich noch viel öfter hingefahren bin, um selbst nach ihr zu sehen“, so Wiese. Dafür, dass die Pflege unter dem Fachkräftemangel leide, habe sie durchaus Verständnis. „Überall gibt es Probleme. Die Leute fehlen einfach, daran tragen der Landkreis und das Heim nicht die Schuld. Aber an Kommunikation fehlte es“, sagt sie.
Lob für neue Heim- und Pflegedienstleitung der Seniorenwohnanlage
Ute Wiese ist dankbar für diese Maßnahmen – und das neue Personal. „In den letzten Lebenstagen meiner Mutter, der es in dieser Zeit sehr schlecht ging, fand ich jederzeit ein offenes Ohr“, betont die Leeranerin. Nicht zuletzt habe dafür die neue Heim- und Pflegedienstleitung gesorgt. Beide hätten sich Zeit genommen, viel mit Wiese gesprochen und bei den Absprachen mit Ärzten unterstützt. „Diese Zeit war geprägt von einem einfühlsamen Informationsaustausch, guter Pflege und Menschlichkeit“, sagt die 71-Jährige.
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Lobende Worte fand auch der Bewohner und Vorsitzende des Heimbeirats, Karl-Heinz Winterboer, in der jüngsten Sitzung des Betriebsausschusses der Seniorenwohnanlage: „Wir sind zufrieden hier“, machte er deutlich. „Wir erhalten eine gute Pflege und gutes Essen.“ Auch die Unterkunft sei gut.
Personalschlüssel darf gesenkt werden, Aufnahmestopp bleibt noch
Zuvor hatte Einrichtungsleiter Hilko Siebens den Anwesenden die aktuellen Zahlen und Entwicklungen der Seniorenwohnanlage aufgezeigt. Derzeit leben dort 48 Bewohnerinnen und Bewohner. Im Bereich des Pflegedienstes sind insgesamt 23 Vollkräfte tätig, die Fachkraftquote beträgt 65 Prozent. Seit Anfang Oktober hat eine neue Pflegedienstleitung ihren Dienst aufgenommen. Die Heimaufsicht habe zum 2. November inzwischen eine Anordnung aufgehoben: Die Seniorenwohnanlage müsse für die Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner nicht länger zwei zusätzliche Pflegefachkräfte über den festgelegten Personalschlüssel hinaus beschäftigen.
Seit Anfang September sind laut Siebens keine gravierenden Mängeln in der Pflege mehr festgestellt worden. Es habe zudem deutlich erkennbare Fortschritte in der Führung der Wohnbereiche gegeben. „Außerdem wurden die Mängel in der Dokumentation und Kommunikation schrittweise beseitigt“, so Siebens. Dies betreffe Fortbildungen und die Arztkommunikation.
Medizinischer Dienst ist wieder vor Ort
Derzeit gilt immer noch ein von der Heimaufsicht erlassener Aufnahmestopp. Wann dieser aufgehoben wird, war in der Sitzung noch offen. „Wir haben aber heute Morgen ein Fax des Medizinischen Dienstes bekommen“, sagte Siebens. Sie hätten sich für Dienstag und Mittwoch für eine Begehung angekündigt. Auch Vertreter der Heimaufsicht würden als Beobachter dabei sein.
Ob auch der Medizinische Dienst und die Heimaufsicht mit den Entwicklungen in der Seniorenwohnanlage Heisfelde zufrieden sind, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Ausschussmitglied Grietje Oldigs-Nannen (CDU) machte allerdings deutlich, dass die Leiterin der Heimaufsicht zur nächsten Sitzung kommen solle, wenn der Aufnahmestopp weiterhin nicht aufgehoben werde. „Dann soll sie Rede und Antwort stehen“, sagte die Politikerin.