Klimafolgen Starkregen vs. Dürre – Wasser in der Region richtig verteilen
Der Klimawandel bringt Dürre und Starkregen. Experten arbeiten zusammen, um das Rheiderland dagegen zu wappnen. „Die Gefahr kommt von innen.“
Jemgum - „Die Gefahr kommt von innen“, mit diesen mahnenden Worten wandte sich Obersielrichter Willem Berlin an seine Zuhörer. Der Klimawandel sei in aller Munde und etwas, das man jetzt angehen müsse. Dafür wollen Experten aus allen Bereichen zusammenarbeiten.
Wer macht mit?
Anwesend beim ersten Treffen der Gruppe waren Vertreter der Sielacht Rheiderland, die der Auftraggeber ist. Es waren auch Vertreter aus der Landwirtschaft, der Industrie – unter anderem Klingele Papierwerke –, der Städte und Gemeinden Weener, Leer (auch Stadtwerke), Bunde und Jemgum sowie Vertreter vom NLWKN, des Landkreises Leer, der Rheider Deichacht und des Wasserversorgungsverbands Rheiderland dabei. Das Ingenieurbüro Schmidt und Holländer steuert das Projekt, moderiert wird alles von der water & project Management- und Beratungsgesellschaft. Das Vorhaben wird vom Niedersächsischen Umweltministerium gefördert.
Was ist das Ziel?
Zurück zu Obersielrichter Willem Berlin und seiner Begrüßung. Er formuliert das Ziel so: „Lange musste man das Rheiderland und die Küste generell hauptsächlich vor Hochwasser schützen, heute wird die Gefahr von innen unterschätzt: Wir müssen auf Starkregenereignisse vorbereitet sein“, sagt er. „Dafür müssen wir unser Gewässernetz nutzen“, sagt er. Gleichzeitig könne man so Wasser für die immer häufiger werdenden Dürreperioden halten. „Süßwasser ist wertvoll. Wir brauchen Trinkwasser, die Landwirtschaft und die Industrie brauchen Wasser. Ohne gibt es kein Leben.“ Gibt es denn genug Wasser? „Ja“, sagt Berlin. „Wir pumpen derzeit Millionen Kubikmeter in die Nordsee.“
Bei Starkregen stünde das Wasser auf den Straßen, verursache Schäden und rase dann fast ungebremst in die Gewässer „und wir haben keine Wahl, als es rauszupumpen. Dann verlieren wir das Süßwasser in die Nordsee.“ Ein Grund sei sicherlich auch, dass zu viel Boden versiegelt sei, so Berlin.
Wie soll das gehen?
Das Ingenieurbüro ist schon dabei, herauszufinden, was machbar ist. Ingenieur Dr. Hartmut Holländer und Geowissenschaftlerin Mara Meyer haben in Jemgum vorgestellt, was sie schon erledigt haben und was noch gemacht werden muss, um mit den Sieltiefs Überschwemmungen und Dürre begegnen zu können.
Sie erstellen Modelle der Sieltiefs. Dabei wird geschaut, wie die Untergründe sind, wie das Grundwasser verläuft. Dann geht es um die Frage: Wie viel Wasser kann man in den Sieltiefs speichern und zwischen welchen kann man Wasser hin- und herleiten? Das wurde 2022 und 2023 errechnet. Zusätzlich wären das rund 1,7 Millionen Kubikmeter Wasser im Sommer beziehungsweise 2,3 Millionen Kubikmeter im Winter. Das größte Potential haben dabei die Schöpfgebiete Pogum (rund 435.000 Kubikmeter) und Landschaftspolder (rund 240.000 Kubikmeter).
Was passiert mit den ganzen Daten?
Alle Daten fließen dann in ein System. Der Wasserstand in den Sieltiefs wird gemessen: Wie viel fließt ab, wie viel könnte es gerade speichern? Jedes Bauwerk wird ins System aufgenommen. Dann werden noch der Bedarf von Landwirtschaft und Industrie und das Zusammenspiel mit dem Grundwasser beachtet. Und nicht zuletzt werden auch Wetterprognosen einberechnet. So soll die Sielacht am Ende ein Tool haben, mit dem man mit Vorlauf errechnen kann, wann und wie gesielt und gepumpt werden muss.