Energiesparen In Ostfriesland bleibt manche Kirche im Winter kalt
Im vergangenen Jahr war das Energiesparen in öffentlichen Räumen von der Regierung angeordnet. Wir wollten wissen, was davon geblieben ist.
Ostfriesland - Deutlich besser als im vergangenen Jahr ist Deutschland für den nahenden Winter gewappnet. Doch auch wenn die Gasspeicher voll sind, wird in Ostfriesland weiter kräftig Energie gespart – zumindest bei Kirchen und Kommunen. Während etwa in Kirchen auch in diesem Jahr wieder weniger geheizt werden soll, dürften Besucher von öffentlichen Gebäuden keine wärmenden Jacken benötigen.
„Das Energiesparen bleibt in den evangelisch-lutherischen Kirchenkreisen in Ostfriesland auch weiter ein Thema von großer Bedeutung“, sagt etwa Friedrich Stelter, der als Osnabrücker Regionalbischof den Sprengel Ostfriesland-Ems betreut, solange es noch keine Nachfolge für den ausgeschiedenen Regionalbischof Detlef Klahr gibt. Den Kirchenkreisen gehe es dabei um die Bewahrung der Schöpfung. Es gelte, mit sparsamem Umgang bei fossilen Energieträgern dem Klimawandel entgegenzutreten. Hinzu komme, dass jegliche Energieeinsparung auch die Politik bei ihrem Ziel unterstütze, unabhängig von kritischen Lieferanten zu werden.
Kirchengemeinden entscheiden eigenständig
„Jede Kirchengemeinde entscheidet für sich, wo sie Energie einsparen kann“, betont Selter auf Anfrage. Manche Gemeinden feierten mit reduzierter Raumtemperatur Gottesdienste in ihren Kirchen und einige legten Decken aus. In manchen Regionen hätten sich mehrere Gemeinden zusammengeschlossen, um gemeinsam Gottesdienste in einer Kirche zu feiern, sodass nicht alle Kirchen gleichzeitig geheizt werden müssten. So planten etwa die drei Stadtkirchengemeinden in Aurich, im Rahmen einer „Winterkirche“ gemeinsam Gottesdienste zu feiern. Zudem würden viele Gemeinden ab Januar ihre Gottesdienste in die Gemeindehäuser verlegen und nur für besondere Anlässe die Kirchen heizen. Ansonsten werde lediglich eine Grundtemperatur zur Erhaltung der Orgeln vorgehalten.
Das Energiesparen spiele eine immer größere Rolle, sei es durch energetische Baumaßnahmen wie der Austausch von Fenstern, das Dämmen von Gebäuden oder Einrichten von Photovoltaik-Anlagen, berichtet auch die für die Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Ostfriesland-Ems zuständige Pastorin Hannegreth Grundmann. So habe etwa der Kirchenkreis Aurich bereits eine Viertelmillion Euro konkret eingeplant und bereitgestellt, um kirchliche Immobilien nachhaltig im Energiesektor zu ertüchtigen. Bei Neubau oder Umbau werde mit nachhaltigen Energieformen gearbeitet. Beispiele seien das mit einer Wärmepumpe ausgestattete Gemeindehaus Victorbur oder das Gemeindehaus Engerhafe.
Nach Weihnachten wird es richtig ernst
„Es wird weniger darüber geredet, aber getan wird viel, sagt auch Ulf Preuß, Sprecher der Evangelisch-reformierten Kirche in Ostfriesland. Zwar gebe es keine Empfehlung von oben, auf Gemeindeebene werde aber entsprechend kreativ reagiert. Während etwa in der Kirche in Loga bei einer angestrebten Raumtemperatur von 16 Grad Decken verteilt würden, plane die Gemeinde in Möhlenwarf, ins Gemeindehaus umzuziehen, sollte es richtig kalt werden. In Suurhusen gebe es das Konzept der „körpernahen Sitzplatzheizung“. „Das sind beheizte Sitzkissen. Und das funktioniert“, betont Preuß. Pastor Frank Wessels habe nach einem Pilotversuch von rund 90 Prozent Energieeinsparung gesprochen.
Wie im vergangenen Jahr auch würden viele der Ideen allerdings erst nach Weihnachten in die Tat umgesetzt. „Am Totensonntag oder in der Adventszeit sind das in der Regel schon Tage, die besonders gut besucht sind. Da sind die Gemeinden schon bemüht, es nicht zu ungastlich werden zu lassen“, sagt Preuß.
Energie auch bei der Verwaltung ein Thema
Im Landkreis Leer habe die 19-Grad-Regelung für Büros in öffentlichen Gebäuden zusammen mit einer „Winterpause“ der Verwaltung zwischen Weihnachten und Neujahr im vergangenen Jahr zu Einsparungen von rund zehn Prozent geführt, berichtet Landkreissprecher Philipp Koenen. In diesem Jahr solle erneut zwischen den Feiertagen der Betrieb der Kreisverwaltung eingeschränkt werden, um Energie zu sparen. Und auch sonst stehe das Thema weiter auf der Tagesordnung. Es werde auf den Energieverbrauch geachtet. Das gelte etwa bei den Planungen für Neubauten sowie für Umbauten von öffentlichen Gebäuden. Fortgesetzt werde zudem das Projekt Stromsparcheck im Kreisgebiet. Die kostenlose und individuelle Energieberatung solle vor allem Haushalten mit geringem Einkommen zugutekommen. Davon könnten auch die Kommunen durch eine Entlastung bei Sozialleistungen profitieren.
Im Landkreis Wittmund sei das Energiesparen auch nach dem Auslaufen der Energieeinsparverordnung aus dem vergangenen Jahr in den praktizierten Alltag übernommen worden, berichtet Kreissprecher Ralf Klöker: „Durch den ersten Einsatz intelligenter Thermostate in zwei Gebäudekomplexen der Kreisverwaltung etwa versuchen wir, konkrete Einsparpotenziale zu schaffen.“ Zudem würden die Beschäftigten des Kreises sensibilisiert, sich mit der Energiespar-Thematik auseinanderzusetzen, und seien aktiv angehalten, sich im Arbeitsalltag energiesparend zu verhalten. Die Absenkung der Temperaturen in den Liegenschaften werde allerdings zurzeit nicht praktiziert, könne aber jederzeit als Maßnahme wieder aktiviert werden.
Die Stadt Emden hatte im vergangenen Jahr ein ganzes Bündel Ideen umgesetzt, mit denen nicht nur mittel- und langfristig, sondern auch kurzfristig Energie eingespart werden konnte. So brachte etwa das Abschalten jeder dritten Straßenleuchte an den Hauptstraßen rund 25 Prozent weniger Energieverbrauch. Pauschal lasse sich heute sagen, dass die mittelfristigen und langfristigen Maßnahmen immer noch Bestand hätten, weil sie aus energetischer Sicht einfach Sinn machten. Bei den kurzfristigen Maßnahmen seien nach einer Prüfung Mitte 2023 inzwischen einige wenige wieder aufgegeben worden, berichtet Stadtsprecher Eduard Dinkela. Als Beispiel führte er den Verzicht auf Beleuchtung etwa des Turms oder der Uhr beim Ostfriesischen Landesmuseum an.