Osnabrück Einsamkeit – eine gefährliche Form von Long Covid
Als Folge der Einschränkungen während der Pandemie fühlen sich immer mehr Kinder und Jugendliche einsam. Schulen und Vereine könnten für Kontakte sorgen, sind allerdings auch schon in vielen anderen Bereichen wie der Integration gefordert.
Zwei Studien an zwei aufeinanderfolgenden Tagen lassen aufhorchen: Am Donnerstag hat das Bundeskriminalamt in seiner Kriminalstatistik für das erste Halbjahr einen Anstieg der Gewaltkriminalität um 17 Prozent vermeldet. Besonders auffällig: Immer mehr Minderjährige werden zu Gewalttätern. Als wahrscheinliche Ursache sieht das BKA die Einschränkungen für die Kinder und Jugendlichen während der Corona-Zeit, als Kontakte unter Gleichaltrigen kaum möglich waren – also kein normales soziales Miteinander mit all seinen Freuden, aber eben auch den handfesten Konflikten, die unter Heranwachsenden nicht ungewöhnlich sind. Und die nun vielleicht verstärkt nachgeholt werden.
Für die zweite Studie, die am Freitag vorgestellt wurde, sind fast 1000 Jugendliche in Nordrhein-Westfalen zu den Folgen der Pandemie befragt worden. Das wenig überraschende Ergebnis: Jeder fünfte ältere Jugendliche oder junge Erwachsene fühlt sich einsam. Wozu diese Einsamkeit dann führt oder zumindest führen kann, hatte die Kriminalstatistik ja schon tags zuvor gezeigt.
Was aber nun tun gegen diese gefährliche Form von Long Covid? Die Studie aus NRW regt eine staatliche Kampagne an, die über Einsamkeit informieren soll. Klar, kann ja nicht schaden. Wird aber vermutlich auch nicht allzu viel bringen. Denn was soll ein junger Mensch, der einsam vor seinem Monitor sitzt, mit Online-Infos über Einsamkeit anfangen?
Ins Spiel kommen also wieder die üblichen Verdächtigen: Vor allem natürlich die Schulen, weil sie die direkte Ansprache haben. Und dann die Sportvereine und sonstigen organisierten Freizeitangebote, wo sich junge Menschen treffen. Allerdings sollen Schulen und Vereine auch schon die Integration junger Migranten wuppen und neben Inhalten immer auch hehre Werte vermitteln. Echt viel zu tun also für Lehrer und Ehrenamtliche. Vielleicht ist eine Idee aus Großbritannien doch gar nicht so schlecht: Hier gibt es seit 2018 ein eigenes Ministerium für (oder eigentlich gegen) Einsamkeit.