Aquaferrum Friesoythe  Warum der Bau des Bewegungsbeckens sich verzögert

Heiner Stix
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Von Heiner Stix
| 21.11.2023 17:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Erweiterung geplant: Die ursprünglich für Anfang 2024 vorgesehene Fertigstellung des Bewegungsbeckens, das am unteren Ende des Bades entstehen soll, verzögert sich um mindestens 18 Monate. Foto: Schiwyair Medienproduktion
Erweiterung geplant: Die ursprünglich für Anfang 2024 vorgesehene Fertigstellung des Bewegungsbeckens, das am unteren Ende des Bades entstehen soll, verzögert sich um mindestens 18 Monate. Foto: Schiwyair Medienproduktion
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Die Planungen waren „zu euphorisch“, sagt die Erste Stadträtin Heidrun Hamjediers. Frühestens im Spätsommer 2024 könnte der Bau beginnen. Auch bei der Energie- und Wärmeversorgung gibt es Neuigkeiten.

Friesoythe - Optimismus ist bei der Umsetzung von Baumaßnahmen im Normalfall fehl am Platz. Das Bewegungsbecken am Aquaferrum macht da keine Ausnahme. Im Oktober 2021 war die Fertigstellung für 2024 angekündigt worden. Sogar von Ende 2023 war zwischenzeitlich die Rede. Noch allerdings ist der im März 2023 mit einem Jahr Verspätung eingereichte Bauantrag vom Landkreis nicht positiv entschieden worden.

Der Grund dafür ist unter anderem in der neuartigen Bauweise zu finden. Das Becken soll im Rahmen eines Forschungsprojektes der Deutschen Gesellschaft für das Badwesen (DGfdB) und der TU Dresden aus Carbonbeton hergestellt werden. Dabei werden Carbonfasern anstelle des sonst üblichen Stahls für die Bewehrung im Beton eingesetzt. Carbon, so heißt es, spare Ressourcen, sei korrosionsbeständig und, anders als Stahlbeton, gegen Chloride gefeit, halte beim Einsatz in einem Schwimmbecken also deutlich länger.

Neues Becken verlässt den Bereich der „geregelten Bauweise“

Erfahrungen allerdings gibt es dafür kaum, das Friesoyther Becken wäre eines der ersten seiner Art. Das hatte schon die Genehmigung des Antrags auf Forschungsförderung verzögert, was wiederum Auswirkungen auf die Erstellung des Bauantrags hatte. Und nun zeigt sich, dass der neuartige Baustoff es für den Landkreis komplizierter macht, den Bauantrag zu genehmigen. „Damit wird der Bereich der geregelten Bauweise verlassen“, erläutert Kreissprecher Frank Beumker auf Anfrage. Eine entsprechende Zulassung durch das niedersächsische Bauministerium liege bisher nicht vor. Darüber hinaus werde die Statik derzeit noch von einem externen Büro geprüft.

Der ursprüngliche Bauzeitenplan erweise sich damit, so Friesoythes Erste Stadträtin und Wibef-Geschäftsführerin, Heidrun Hamjediers, als „zu euphorisch“. Der zuletzt für Ende 2023 vorgesehene Baubeginn könne nicht gehalten werden. Ziel sei jetzt, Anfang 2024 die Ausschreibungstexte zu formulieren und die Ausschreibungen im April zu veröffentlichen, erläuterte sie vor der Gesellschafterversammlung der Wirtschaftsbetriebe Friesoythe (Wibef). Baubeginn wäre dann im Spätsommer 2024.

Energiekonzept für das Schwimmbad ist bereits in Auftrag gegeben

Gebaut werden muss auch an anderer Stelle des Schwimmbades. Das dort eingesetzte Blockheizkraftwerk (BHKW) nämlich ist, wie es so schön heißt, „abgängig“, steht also relativ kurz vor der Stilllegung. Die Abgaswerte seien, so Hamjediers, deutlich zu hoch. „Wir liegen bei der Betriebszeit des BHKW allerdings schon weit über dem, womit man rechnen konnte“, sagt sie. An der Technologie allerdings solle, so die Empfehlung eines Fachplaners, festgehalten werden. Sie sei, wird der Fachmann in einer Vorlage für die Gesellschafterversammlung zitiert, „erste Wahl“. Deshalb werde derzeit eine Ersatzbeschaffung geplant, für die man rund 150.000 Euro bereitstellen müsse.

Bei den Diskussionen über die Energieversorgung des Gebäudes spiele, so Hamjediers im Gespräch mit der Redaktion, natürlich auch der Klimaschutz eine große Rolle. Deswegen werde man sich jetzt den Energieverbrauch sehr genau anschauen und auch alternative Energiequellen in den Blick nehmen. So sei beispielsweise denkbar, eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Hauptgebäudes zu installieren, wenn bestimmte Höchstwerte bei der Mehrbelastung nicht überschritten werden. Ein Energiekonzept hat die Wibef bereits bei einem Ingenieurbüro in Auftrag gegeben.

Mit der wirtschaftlichen Entwicklung könne das Bad, so Hamjediers, zufrieden sein. Die 100.000. Besucherin des Jahres sei bereits gezählt worden, insgesamt rechne sie mit etwa 120.000 Besucherinnen und Besuchern. Damit übertrifft das Bad die Erwartungen. Noch im April hatte Hamjediers auf 100.000 Besucher für das Gesamtjahr gehofft. Allerdings bleibe das Bad ein Zuschussbetrieb. Unter Berücksichtigung aller Kosten müsse die Wibef pro Besucher 11,70 Euro zuschießen. „Damit können wir uns im Kostenvergleich mit anderen Bädern messen“, versichert Hamjediers.

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