Müllerhaus Barßel  Gastronomen aus der Schweiz abgesprungen

Hans Passman
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Von Hans Passman
| 21.11.2023 15:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Müllerhaus in Barßel. Bis 2019 wurde in dem Gebäude ein Restaurant geführt. Seitdem steht es leer. Zwar war seitens der Gemeinde Barßel, die Eigentümer des Mühlenensembles ist, wieder eine gastronomische Nutzung geplant. Doch der potenzielle Pächter ist abgesprungen. Foto: Passmann
Das Müllerhaus in Barßel. Bis 2019 wurde in dem Gebäude ein Restaurant geführt. Seitdem steht es leer. Zwar war seitens der Gemeinde Barßel, die Eigentümer des Mühlenensembles ist, wieder eine gastronomische Nutzung geplant. Doch der potenzielle Pächter ist abgesprungen. Foto: Passmann
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Im Juni 2023 hatte der Rat beschlossen, dass die Gemeinde das Müllerhaus verkaufen kann, um dort Gastronomie zu ermöglichen. Doch die Interessenten traten zurück. Jetzt ist wieder alles auf Anfang.

Barßel - Wer kennt nicht den Roman „ Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende? Dessen Titel könnte man auch auf das Müllerhaus in Barßel anwenden, denn die zukünftige Nutzung des Ensembles, das seit Jahren leer steht, ist mittlerweile ebenfalls eine unendliche Geschichte.

2019 hatte die Gemeinde das Ensemble, bestehend aus der Ebkensschen Windmühle und deren Nebengebäuden von der Eigentümerfamilie Ebkens gekauft. Seitdem gibt es in den Ratsgremien immer wieder Diskussionen um das Nutzungskonzept. Im Gespräch waren Gastronomie, Herberge, Heimathaus oder Übernachtungsmöglichkeiten für Fahrradfahrer. Doch die Verwaltung, der Gemeinderat, eingebundene Vereine und die Barßelerinnen und Barßeler konnten sich nicht einigen.

Ohne Begründung abgesagt

Im Juni 2023 wollte ein Gastronomenpaar aus Zürich in der Schweiz das Müllerhaus kaufen und einer gastronomischen Nutzung zuführen. Der Gemeinderat gab dazu grünes Licht, da das Nutzungskonzept schlüssig erschien. Doch mittlerweile haben die interessierten Eidgenossen kalte Füße bekommen und der Gemeinde eine Absage erteilt.

„Die Interessent haben uns abgesagt. Ein Grund wurde nicht angeführt“, bestätigte Barßels Erster Gemeinderat Michael Sope auf Nachfrage den Rückzug des Paares. Nun geht die zukünftige Nutzung des Müllerhauses in die nächste Runde. Damit wird sich der Ausschuss für Kultur, Sport- und Tourismus in der Sitzung kommenden Woche erneut befassen.

Fachfrau erkennt Vereins- und Heimathaus

Im Fokus dabei steht das erstellte Konzept der Museumsberaterin Dr. Beate Bollmann aus Oldenburg. Die Fachfrau sieht im Müllerhaus nicht eine Gastronomie, sondern vielmehr ein Vereins- und Heimathaus. Die Gemeinde hatte die Expertin um ein Nutzungskonzept gebeten.

Der Barßeler Bürger- und Heimatverein würde das Müllerhaus gerne für seine Zwecke nutzen. Doch das geht nur mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde. Foto: Passmann
Der Barßeler Bürger- und Heimatverein würde das Müllerhaus gerne für seine Zwecke nutzen. Doch das geht nur mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde. Foto: Passmann

Großes Interesse hat nach wie vor der Bürger- und Heimatverein Barßel an der Nutzung des Gebäudes. „Wir möchten das Müllerhaus gerne für unsere Zwecke nutzen. Ein Gesamtkonzept liegt der Gemeinde vor“, sagt Vorsitzender Otto Elsen. Der Verein hat sein Domizil derzeit in „Dat lüttje Huus“ an der Kirchstraße in Barßel. Der Mietvertrag ist zu Jahresbeginn um weitere fünf Jahre verlängert worden. Doch mittlerweile platze man dort aus allen Nähten. Immer mehr Menschen würden dem Verein Sammlungsobjekte überlassen.

Heimatverein braucht Hilfe der Gemeinde

„Jetzt wird es allmählich eng für uns. Daher wäre die Nutzung des Müllerhauses für unsere Zwecke ideal“, sagt Vorsitzender Elsen. Im Obergeschoss könnten beispielsweise nach dem Nutzungskonzept von Dr. Bollmann Büro- und Lagerräume oder Archivräume entstehen. Eine Präsentation von Sammlungsobjekten des Bürger- und Heimatvereins müsste dagegen aus Gründen der Zugänglichkeit im Erdgeschoss erfolgen. Außerdem soll im Erdgeschoss ein Raum für Nutzerinnen und Nutzer des Vereinsarchivs eingerichtet werden. Dort soll es möglich sein, die Datenbank des Vereins einzusehen und bei Bedarf Dokumentationen und Publikationen des Vereins durchzusehen.

Dem Vorstand des Bürger- und Heimatvereins Barßel ist natürlich bewusst, dass es ohne die finanzielle Hilfe der Gemeinde Barßel nicht möglich ist, das Müllerhaus als Heimathaus zu betreiben. Aus Sicht der Verwaltung sollte jedoch dann gewährleistet sein, dass der Saal zum Beispiel in Kooperation mit einem bestenfalls ortsansässigen Gastronomen zusätzlich durch die Bürger genutzt werden kann. Als nächster Schritt müsste erfolgen, dass ein Architekt das Konzept von Dr. Bollmann planerisch unterfüttert, teilt die Verwaltung mit. Die praktische Umsetzung könne dann mit dem Bürgerverein verhandelt werden.

Sanierung wird teuer

Doch so, wie sich das Müllerhaus derzeit baulich darstellt, ist kaum irgendeine Nutzung möglich. Der Zahn der Zeit hat an dem unter Denkmal stehenden Gebäude genagt, das um 1900 erbaut wurde. Eine umfangreiche Sanierung des auf 650 Quadratmetern errichteten Gebäudes ist unumgänglich.

Doch das kostet richtig Geld. Barßels Erster Gemeinderat Michale Sope geht davon aus, dass eine Sanierung weit mehr als eine Millionen Euro teuer wird. Fraglich ist daher, ob sich die Gemeinde das leisten kann. Ohne eine Förderung sicherlich nicht. Daher ist man auf der Suche nach Fördertöpfen. Die endgültige Entscheidung wird dann der Rat der Gemeinde Barßel treffen.

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